Suizid im Gefängnis - neuer Zeuge augetaucht

Nürnberg - Im Prozess um den Suizid eines Untersuchungshäftlings im Nürnberger Gefängnis ist ein neuer Zeuge aufgetaucht. Die Plädoyers wurden vertagt.

Der Mann - ebenfalls ein Gefängnisinsasse - gab an, damals “entscheidende Beobachtungen“ gemacht zu haben. Er soll nun am 11. Dezember vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth aussagen. Die ursprünglich für Montag geplanten Plädoyers wurden deshalb vertagt. In dem Prozess sind ein Nürnberger Gefängnisarzt und ein Pfleger wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Im Juli 2008 hatte sich ein 23 Jahre alter Untersuchungshäftling die Adern aufgeschnitten. Er war verblutet, obwohl er nach Hilfe gerufen hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten vor, sich nicht ausreichend um den Verletzten gekümmert zu haben. Sie ist überzeugt, dass der 23-Jährige bei entsprechend sorgfältigem Handeln des 61-jährigen Arztes und des 28-jährigen Pflegers hätte überleben können, auf jeden Fall aber nicht zu diesem frühen Zeitpunkt gestorben wäre.

Zwei Wachtmeister hatten den Gefangenen nach seinem Notruf auf dem Bett gefunden, vor ihm eine Blutlache. Sie alarmierten den Pfleger. Dieser wiederum rief den Gefängnisarzt an, der den Verletzten jedoch nicht persönlich behandelte. Stattdessen ordnete der 61-Jährige an, der unerfahrene Pfleger solle die Wunden mit Klammerpflastern versorgen und den Häftling stündlich überwachen. Der mutmaßliche Räuber starb jedoch noch während der Wundversorgung an einem Verblutungsschock.

Am Montag stellten zwei Gutachter ihre Bewertung des Ablaufs vor. Während der eine sagte, die Beteiligten hätten den letztlich doch noch gerufenen Notarzt wesentlich früher alarmieren müssen, war der andere Gutachter der Meinung, der Häftling wäre vermutlich ohnehin nicht mehr zu retten gewesen.

dpa

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