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Könnte Schule machen: Tablet-Einsatz an einer Realschule in München.  

Tablets und Smartphones im Unterricht

Digitalisierung an Schulen: Wer zahlt’s?

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Kaum ist das G9 beschlossen, da zeichnet sich schon die nächste Schul-Großbaustelle ab: Es mehren sich die Stimmen, die einen Schub bei der Digitalisierung fordern. Das wird teuer. Die Gretchenfrage ist: Wer zahlt die Geräte?

München – Notebooks, iPads – oder schlicht das eigene Smartphone. Viele Schulen in Bayern suchen derzeit ihren Weg, um die Digitalisierung im Klassenzimmer ja nicht zu verpassen. Ein Beispiel unter vielen sind die iPad-Klassen an der Realschule Gauting (Kreis Starnberg) – prämiert 2014 mit dem Deutschen Lehrerpreis. Die Schule hat sich, wie ihr Leiter Manfred Jahreis erklärt, für ein „1to1“-Modell entschieden – das heißt, die iPads werden von den Schülern gekauft und in den Unterricht mitgebracht. Es gibt verschiedene Finanzierungsmodelle, aber klar ist: Mehrere hundert Euro müssen die Eltern letztlich berappen. Dafür haben sie dann ein Apple-Gerät zuhause.

Die Finanzierung ist einer der Knackpunkt bei einer Digitalisierungsoffensive an Schulen. Es gibt mehrere Varianten, auch der umgekehrte Weg wie in Gauting ist denkbar: dass also die Schule den Schülern ein Gerät zur Verfügung stellt. Der Unternehmensberater Herbert Henzler forderte 2016 in unserer Zeitung genau dies: „Jeder Schüler braucht ein iPad“ – der Staat müsse das sicherstellen, auch wenn es Millionen koste.

Vielerorts wird auch noch ein dritter Weg verfolgt: „Bring your own device“, kurz BYOD. Das bedeutet: Jeder Schüler bringt sein Smartphone selber mit. Dabei müsse aber darauf geachtet werden, dass es neben technischen Anschlussproblemen auch „zu sozialen Unverträglichkeiten“ kommen könne, warnt der Bildungsexperte der Freien Wähler, Michael Piazolo.

Drei Modelle sind vorstellbar

Der Münchner ist sich noch nicht sicher, was besser ist. Die Staatsregierung solle das prüfen, so heißt es in einem gestern eingereichten Antrag an den Landtag. Denkbar sei entweder BYOD oder die Ausstattung aller weiterführenden Schularten in Bayern „mit mobilen Endgeräten als Leihgeräten“ für alle Schüler. Die Staatsregierung habe bisher keinen einheitlichen Weg entdeckt, die Förderung sei „sehr unsystematisch, punktuell und zufällig“, kritisiert Piazolo.

Da könnte das Bundesprogramm „DigitalPakt#D“ helfen – Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat angekündigt, den Ländern fünf Milliarden Euro über fünf Jahre verteilt zur Verfügung zu stellen. Das war im Oktober 2016. Doch noch ist vieles im Ungefähren: Das Geld ist nach Kenntnis des bayerischen Kulutusministeriums bisher nicht fest im Bundeshaushalt eingeplant, geschweige denn abrufbar. Über Details des Pakts, der gezielt für die digitale Ausstattung der Schulen vorgesehen ist, verhandelt eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe.

Mehr Initiative vom Freistaat gefordert

Die Freien Wähler wollen auch eine eigene Initiative des Freistaats. Mit einem ganzen Paket – zehn Anträge – fordern sie mehr Digitalisierung an Schulen und Universitäten. Letztlich müsse es schon in den Grundschulen losgehen, heißt es in einem der Papiere. Das Kultusministerium sei aufgefordert, ein Konzept für den „niederschwelligen, spielerischen IT- bzw. Programmierunterricht ... bereits ab der Grundschule“ zu entwickeln. Auch müsse der Informatikunterricht aufgewertet werden – auch an den Mittelschulen, an den Gymnasien sowieso. Aber auch die Realschulen, die heute eine Konferenz zu dem Thema abhalten, drängen auf mehr Geld und Konzepte.

Zumindest beim Gymnasium ist Kultusminister Ludwig Spaenle schon einen Schrit weiter. Er hat den CSU-Abgeordneten ein Pflichtfach Informatik „in allen Ausbildungsrichtungen“ des neuen G9 versprochen – es soll in der neuen elften Jahrgangsstufe zweistündig sein, ob auch in anderen Jahrgangsstufen, ist aber ungewiss. Piazolo hat seine Zweifel, ob das Fach durchgängig von der 5. Klasse bis zur Oberstufe angeboten werden kann – auch andere Fächer hätten ihre Wünsche nach besserer Berücksichtigung in den Stundenplänen.

Lesen Sie auch: Ex-Minister Heubisch spottet: “G9-Frieden hält nicht lange“

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