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Jeder sechste Neuntklässler wird mehrmals im Monat gemobbt, ergab die jüngste Pisa-Studie.

Jüngste Pisa-Studie

Tabuthema Mobbing: In Bayern unterschätzt?

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Jeder sechste Neuntklässler wird mehrmals im Monat gemobbt, ergab die jüngste Pisa-Studie. Die SPD in Bayern fordert daher ein Präventionsprogramm. Das Kultusministerium warnt, es allen Schulen überzustülpen.

München – Mobbing – das ist ein Kernthema der bayerischen Schulberatungsstellen. An der für Oberbayern-West heißt es zum Beispiel: „Ganz häufig“ werden nicht mehr klassische Hänseleien oder Schubsereien auf dem Schulhof gemeldet, sondern Mobbing in den sozialen Medien – auf Neudeutsch Cyberbullying genannt. Typischerweise werden Schüler in WhatsApp-Gruppen verspottet oder gar ganz ausgeschlossen. Die Opfer reagierten mal mit Eigenbrötlerei, mal mit Übelkeitsanfällen, mal auch mit absichtlichem Krankmelden. Freilich warnt die Schulberatungsstelle auch davor, ein zu düsteres Bild zu zeichnen. Alarmierende Fälle gebe es zumindest „nicht täglich“. Mobbing dominiert demnach nicht den Schulalltag.

Die Landtags-SPD hat indes ein Einzelergebnis aus der im April vorgestellten jüngsten Pisa-Studie alarmiert. Demnach fühlen sich 16 Prozent der 15-jährigen Schüler in Deutschland gemobbt, im OECD-Schnitt waren es sogar 19 Prozent. „Mobbing ist ein Tabuthema. Die Zahlen sind immer gleich – sie sinken nicht“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Margit Wild (SPD) gestern in München. Die neun staatlichen Schulberatungsstellen meldeten im Schuljahr 2014/15 etwa 1000 Beratungsfälle hierzu. Die Dunkelziffer sei hoch. In Bayern gebe es zwar „viele punktuelle Einzelmaßnahmen“, aber kein Konzept aus einem Guss. Als positives Gegenbeispiel nannte die SPD-Politikerin ein Programm („KiVa“) aus Finnland, das dort an 85 Prozent der Schulen genutzt werde. In der ersten, vierten und siebten Klasse wird dabei das Thema Mobbing in den Mittelpunkt gestellt. Die Schüler besuchen in diesen Schuljahren mehrere Veranstaltungen, die Lehrer erhalten Fortbildungen, ein detailliertes Handlungskonzept für mögliche Mobbing-Situationen oder sogar Spezial-Westen, die sie im Schulhof als Ansprechpartner bei Mobbing kenntlich machen. „Jeder hat dann peu à peu das Bewusstsein für Mobbing“, sagte Wild.

Ein Pflichtprogramm für alle Schulen lehnt das Kultusministerium aber ab. Stattdessen sollen die Schulen wie bisher aus einer Vielzahl von Präventionsprogrammen selbst auswählen – ohne Verpflichtung. Der bayerische Lehrerverband BLLV sprach sich mit Blick auf die laufenden G9-Beratungen unter anderem dafür aus, mehr Freiräume in den Lehrplänen zu lassen. „Wenn ich nie frei habe, kann ich als Lehrer keine Konflikte lösen, ohne dass Unterricht ausfallen muss“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann der dpa.

Dass Mobbing auch unter Schülern ein brennendes Thema ist, illustriert laut SPD-Fraktionsvize Margit Wild auch der Erfolg des aus den USA stammenden Jugendbuches „Tote Mädchen lügen nicht“ (auch verfilmt als Netflix-Serie). Selbstmord-Drohungen habe sie indes in ihrer langjährigen Laufbahn zum Glück erst einmal erlebt, sagte eine Fachkraft der Schulberatung Oberbayern-West unserer Zeitung.

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