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Der Reinigungstrupp im S-Bahn-Werk Steinhausen schafft einen Zug in 20 Minuten: Es wird gefegt und aufgeräumt.

Frühjahrsputz

Täglich 1,5 Tonnen Müll in der S-Bahn

München - Nicht nur sauber, sondern rein – bei der S-Bahn München ist der Putzfimmel ausgebrochen. Der S-Bahn-Chef verspricht eine Sauberkeitsoffensive.

Am Anfang war – eine Panne: Die zur Presse-Vorführung bereit gestellte S-Bahn hatte zwar einen mehrstündigen Fahrbetrieb hinter sich. Doch als sie im S-Bahn-Werk Steinhausen im Münchner Osten eintrudelt, stellt sich heraus, dass der Zug ziemlich sauber ist. So sauber, dass S-Bahn-Chef Bernhard Weisser extra einen Sack voll Müll auskippen ließ – zu Demonstrationszwecken. Richtig schön viel Dreck, der dann im Handumdrehen wieder aufgekehrt und weggewischt wurde. Damit die S-Bahn nicht nur sauber, sondern rein ist. „Die Münchner sind nun mal eher keine Schmutzfinken“, sagte Herbert Mim, oberster Saubermacher im S-Bahn-Werk Steinhausen.

Was nicht heißt, dass nicht trotzdem Müll anfällt – und zwar nicht zu knapp. 1,5 Tonnen Abfall werden täglich aus den 238 Zügen der S-Bahn München geholt. Im Jahr sind es über 500 Tonnen – die Kosten allein für die Innenreinigung der Züge betragen 2,5 Millionen Euro jährlich. 40 Mitarbeiter in Steinhausen halten die Züge sauber – die Bahn hat, um Sozialstandards garantieren zu können, den Auftrag nicht fremdvergeben, sondern eine Bahn-Tochter (DB Services Fahrzeugreinigung) damit beauftragt. Ein Einsatz, der sich rechnet, wie Weisser sagt: „Die Kundenzufriedenheit hängt auch von der Sauberkeit der Züge ab.“ Dabei gilt die Münchner S-Bahn als relativ sauber – im Vergleich zu Städten wie Hamburg oder Berlin. Ein Grund dafür ist ein ausgeklügeltes mehrstufiges Reinigungssystem:

  • Unterwegsreiniger gibt es erst seit zwei Jahren. Sie streifen durch die fahrenden Züge und sammeln herumliegenden Abfall in rote Müllsäcke ein.
  • Tagesreiniger: Jede S-Bahn wird einmal am Tag durchgekehrt, versichert Reinigungsleiter Mim. Ein Drei-Mann-Trupp braucht etwa 20 Minuten für Aufräumen, Fegen und Nass-Wischen.
  • Grundreiniger: Etwa sechs Mal im Jahr ist eine Generalreinigung fällig. Dann werden zum Beispiel auch die blauen Polstersitze tiefgehend gesäubert. Per Spezialmaschine wird eingeschäumt und nass gesaugt. Ein Riesen-Aufwand – die 238 Züge haben insgesamt 45 696 Sitze, Rückenlehnen und Kopfstützen, die man sich Stück für Stück vornimmt.

Etliche Spezialprobleme machen den Reinigungstrupps das Leben sauer. Beispiel Kaugummi am Boden: nur mit einem Spachtel und Chemie wegzubekommen. Oder – besonders nach Fußballspielen beliebt – Vereinsaufkleber an den Fenstern. Über übel riechende Hinterlassenschaften mancher Oktoberfest-Besucher wollte der Bahnchef lieber schweigen. Problematisch aber auch: Konfetti an Fasching. Es verklebt am S-Bahn-Boden zu einer zähen Schmiere.

Ein Kapitel für sich sind Graffitis. „Wir haben den Anspruch, dass sie innerhalb von 24 Stunden entfernt sind“, sagt Weisser. Kürzlich im Februar tat man sich aber schwer: Über Nacht waren Unbekannte ins S-Bahn-Werk eingedrungen und hatten an 17 Zügen die Scheiben der Führerstände großflächig eingesprüht. „Da war aber kriminelle Energie dabei“ – kein Vergleich mit den täglichen kleinen Müllsünden in der S-Bahn.

Von Dirk Walter

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