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Heiderose Berchner fiel dem Unbekannten 1970 zum Opfer.

Täter legt Spur aus anonymen Briefen

Nürnberg - Fast 40 Jahre liegt der Mord an der Prostituierten Heiderose Berchner aus Nürnberg zurück. Jetzt haben die Fahnder eine heiße Spur. Ein anonymer Brief führt sie ins Saarland.

Der Täter war es selbst, der die Polizei auf seine Spur brachte. Es ist bereits sein fünftes Schreiben. Sie wurden jeweils an verschiedene Polizeidienststellen geschickt. Jedes Mal sollen sie vom Täter persönlich geschrieben worden sein. Und sie machen die blutige Tat des Unbekannten noch grausiger. Die Polizei vermutet, dass der Verfasser nicht nur für den Tod der Nürnbergerin im Jahr 1970 verantwortlich ist. Er wird mit einem Mord im Jahr 1962 an der 13-jährigen Lydia Schürmann aus Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) in Verbindung gebracht. Auch vier weitere Morde an Prostituierten im Raum Nürnberg zwischen 1962 und 1969 könnte er verübt haben.

Seinen letzten Brief schickte der Doppelmörder Ende Juli an das Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Der Inhalt wird aus ermittlungstechnischen Gründen zurück gehalten. Es gibt aber neue Erkenntnisse, die morgen in einer Pressekonferenz in Saarbrücken veröffentlicht werden. Zudem werde eine neue Fahndung ausgeschrieben.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Raum Weiskirchen im Saarland. „Wir haben die alten Briefe und den neuen noch einmal auswerten lassen. Der Täter ist sicherlich hier zu finden“, sagt Georg Himbert, Sprecher der Landespolizei Saarland. Deswegen wolle man die Bevölkerung um Mithilfe bitten. Denn unter ihnen soll der gesuchte Mann mittlerweile als vermeintlich unauffälliger Rentner leben. Er ist vermutlich 70 Jahre alt oder älter.

35 Jahre nach dem Mord an Heiderose Berchner meldete sich der Unbekannte zum ersten Mal. Zwischen 2005 und 2007 gingen drei weitere Briefe bei der Polizei in Nürnberg und Bielefeld sowie bei der Kripo im Saarland ein. Zunächst versuchte er, die Ermittler in die Irre zu führen. Er gab sich als Bekannter des Täters aus, der mittlerweile verstorben sei, weshalb die Polizei die Fahndung einstellen könne. Später gab er dann selbst einen Mord zu und offenbarte Wissen, das nur der Täter haben kann. Er schrieb von Gewissensbissen – daran Zweifeln die Fall-Analytiker. Stattdessen zeigten die Briefe einen sehr egoistischen Charakter, der kein Mitleid mit den Opfern oder Angehörigen erkennen lasse.

Den Bezug zur Hochwaldregion im Saarland stellte die Polizei nach seinem vierten Brief, damals an die Gemeindeverwaltung in Weiskirchen, her. Er drohte, den Sänger DJ Ötzi „abzuknallen“, falls dieser dort auf einem Volksfest auftreten werde. Laut Polizei lässt dies den Schluss zu, dass der Verfasser einen engen emotionalen Bezug zu der Region habe und möglicherweise heute auch dort wohnhaft ist. Weitere Einzelheiten sollen erst morgen bekannt gegeben werden.

Erstmals schlug der Täter 1962 zu. Die 13-jährige Schülerin Lydia fuhr nach einem Streit mit ihren Eltern per Anhalter an die niederländische Grenze. Zehn Tage später fand sie ein Pilzesammler erwürgt auf einem abgelegenen Feldweg. Acht Jahre später tötete er die Nürnbergerin. Ihre verkohlte Leiche wurde in Beimerstetten bei Ulm entdeckt – ebenfalls auf einem Feldweg.

dpa/ap

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