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40 000 Tonnen Lebensmittel verteilen die bayerischen Tafeln pro Jahr an Hilfsbedürftige. Jeder Vierte ist ein Rentner. Die Helfer gehen davon aus, dass die Zahlen in den nächsten Jahren dramatisch steigen werden.

Hilfeschrei der Ehrenamtlichen

Tafeln fordern mehr Unterstützung von Politik

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    Katrin Woitsch
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200 000 Menschen in Bayern sind auf Lebensmittelspenden angewiesen. Und es werden immer mehr. Die Helfer blicken seit Jahren besorgt in die Zukunft. Nun verspricht die Politik ihnen mehr Unterstützung. Aber noch sind es nur Versprechungen.

München – Die Schlange ist lang, jedes Mal. Rund 150 Menschen warten mit ihrem Berechtigungsschein allein am Johannisplatz in München jeden Montag auf die Lebensmittelausgabe, berichtet der Ex-Fußball-Profi Paul Breitner. Der 67-Jährige engagiert sich ehrenamtlich für die Tafeln – genau wie rund 7000 weitere Menschen in Bayern. Er verteilt Joghurt, Butter oder Pudding aus Kisten. Nicht nur an Hartz IV-Empfänger – sondern auch an viele Senioren, denen die Rente für ein normales Leben nicht reicht. Und auch immer häufiger an Kinder und Jugendliche.

Jedes Jahr kommen laut Statistik 1000 bis 2000 Menschen neu zur Tafel. „Aber die Dunkelziffer ist bestimmt drei oder vier Mal so hoch“, sagt Breitner. „Die Armut rast wie ein ICE durch Deutschland.“ Und er fürchtet, dass sich die Situation nicht verbessern werde – auch, weil sich die Politik zu wenig mit den Problemen der Tafeln befasst.

Zumindest habe sie das bisher, sagt auch Rainer Haupka, der Vorsitzende des bayerischen Landesverbands der Tafeln. „Wir versuchen seit zwölf Jahren, mit der Staatsregierung ins Gespräch zu kommen“, berichtet er. Einen Runden Tisch gab es erst im vergangenen Jahr – nach der heftigen Debatte über den Aufnahmestopp, den die Tafel in Essen verhängt hatte. Die Situation spitze sich aber schon viel länger zu, berichtet Haupka. Nicht, weil den Tafeln die Ehrenamtlichen oder die Spenden fehlen – aber die nötigen Strukturen, um immer mehr Menschen versorgen zu können. „Wir schlittern gerade sehenden Auges in eine totale Altersarmut hinein“, sagt er. Schon jetzt ist jeder vierte Kunde der Tafeln Rentner. Und dieser Anteil werde in den kommenden Jahren sicher weiter steigen, betont Haupka.

Rainer Haupka, Vorsitzender der Tafeln

Es gibt in Bayern 169 Tafeln. Jährlich geben sie etwa 40 000 Tonnen Lebensmittel aus. Es könnten jedoch viel mehr sein. Dafür fehlen aber Logistikzentren, erklärt Haupka. Mit ihnen könnten pro Jahr weitere 35 000 Tonnen Nahrungsmittel gelagert und verteilt werden. Diese Lebensmittel bekommen die Tafeln als Spende angeboten, können sie aber aus Platzmangel nicht annehmen.

Das könnte sich bald aber ändern. Denn die Logistikzentren sind einer der Wünsche, die die Tafeln bei dem Runden Tisch vorgebracht haben. Außerdem hoffen die Ehrenamtlichen auf mehr Unterstützung für Fortbildungen, beispielsweise zum Thema Konfliktlösung. Allgemein würden sie sich mehr Anerkennung für ihre ehrenamtliche Tätigkeit wünschen. „Außer Schulterklopfen kam von der Politik bisher nichts“, sagt Haupka. Die Helfer hoffen auf Steuererleichterungen oder kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Daraus wird wohl aber nichts werden. Es scheitert am Geld.

Dafür will das Sozialministerium für den nächsten Doppelhaushalt 100 000 Euro für die Unterstützung der Tafeln beantragen. Das Geld soll für Weiterbildungen und für die Schaffung einer Geschäftsstelle verwendet werden. Für die drei Logistikzentren hat die Staatsregierung bereits eine Förderung von 30 Prozent der Kosten in Aussicht gestellt.

Gestern hatte eine Mitarbeiterin des Sozialministeriums die Situation der Tafeln im Sozialausschuss des Landtags geschildert. Die gesellschaftliche Entwicklung bereite ihm große Sorgen, sagte Thomas Huber (CSU) danach. Ziel müsse es sein, daran zu arbeiten, dass niemand auf die Tafeln angewiesen ist. Er sprach sich dafür aus, die Tafeln auch bei der Anschaffung neuer Kühlfahrzeuge zu unterstützen. „Der Staat steht in der Pflicht, die Tafeln finanziell besser auszustatten“, betonte auch die Ausschussvorsitzende Doris Rauscher (SPD). „Vor allem müssen aber die Gründe dafür, dass Menschen Tafeln aufsuchen müssen, an der Wurzel gepackt werden.“

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