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Bayan Alrazzah schreibt über Geburtstage. 

TAGEBUCH EINES 21-JÄHRIGEN SYRERS

Bayan hat bald Geburtstag: „Als Kind habe ich gern gefeiert“

Bayan Alrazzah ist 21 und kommt aus Aleppo in Syrien. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag hier. Heute berichtet er darüber, wie in Syrien Geburtstage gefeiert werden – und wie er in Bayern feiert.

Nächste Woche habe ich Geburtstag. Am 15. Januar. Als Kind freut sich natürlich jeder auf seinen Geburtstag. Aber wenn man erwachsen ist, freut man sich nicht mehr so sehr – weil man älter wird und das Leben immer schwieriger. Das hat schon mein Lehrer früher immer gesagt. Dieses Jahr freue ich mich nicht auf meinen Geburtstag, weil ich langsam meine Haare verliere.

Ich denke, dass man alles feiern sollte, was man schafft

In Syrien wurden die Geburtstage in meiner Familie nur gefeiert, bis wir zehn Jahre alt wurden. Den Grund habe ich nie verstanden. Wenn wir unsere Eltern gefragt haben, sagten sie, dass wir danach zu groß dafür sind. Andere sagen, dass man im Islam Geburtstage nicht feiert. Mädels haben aber bei uns immer gerne Geburtstage gefeiert. Auch wenn sie schon älter als 20 Jahre waren.

Als Kind habe ich mit meiner Familie meine Geburtstage gefeiert. Ich habe Freunde eingeladen – das waren meine Nachbarn, weil ich außer zur Schule nie allein auf die Straße durfte. Oft habe ich auch mit meinem älteren Bruder zusammen Geburtstag gefeiert. Meine Mutter hatte in unsere Pässe dasselbe Geburtsdatum eintragen lassen, damit wir in dieselbe Klasse gehen konnten. Zum Geburtstag hat meine Mutter einen Kuchen gekauft. Darauf stand mein Name und „Alles Gute zum Geburtstag“. Ich habe auch Spielsachen geschenkt bekommen. Manche Freunde haben ihre Geburtstage in einem Restaurant gefeiert. Aber meinen Eltern war das zu teuer.

Seit ich in Deutschland bin, habe ich nicht mehr Geburtstag gefeiert. Jedes Jahr schreiben mir meine Mutter und mein Bruder eine Nachricht – sie leben in der Türkei. Nur wenige meiner Freunde wissen, wann ich Geburtstag habe. Vielleicht bekomme ich von ihnen etwas geschenkt. Ich wünsche mir selbst einen guten Start in das neue Lebensjahr. Ich denke, dass es gut ist, alles zu feiern, was man schafft. Zum Beispiel eine neue Stelle oder ein gutes Leben. Wenn ich selbst einmal Kinder habe, werde ich für sie immer Geburtstagsfeiern organisieren.

Bayan Alrazzah

Lesen Sie hier, was Bayan Alrazzah in seinem Tagebuch beim Münchner Merkur bisher berichtet hat:

Ein Flüchtling führt Tagebuch: Bayans Neustart in Bayern

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