+
Bayan Alrazzah schreibt über einen Ausflug an den Tegernsee.

Tagebuch eines 21-jährigen Syrers

Bayans erster Ausflug in Bayern

Bayan Alrazzah ist 21 und kommt aus Aleppo in Syrien. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag hier. Heute berichtet er über eine Einladung an den Tegernsee, die er bekommen hat.

Nachdem ich darüber geschrieben hatte, wie sehr ich mir immer einen Hund gewünscht habe, bekam ich Post. Michi und Ute aus Rottach-Egern haben mich zu sich an den Tegernsee eingeladen, weil sie gelesen hatten, dass ich gerne mit Hunden Gassi gehen würde. Sie haben zwei Jagdhunde – Mia und Luis. Die beiden Hunde sind sehr lieb. Und sehr klug.

Ich hatte etwas Angst, ganz allein dorthin zu fahren. Deshalb hat mich eine Redakteurin dieser Zeitung begleitet. Wir sind Samstag morgens mit dem Auto in München losgefahren. Als wir in Rottach-Egern ankamen, wurden wir sehr herzlich begrüßt. Auch von den Hunden, sie haben am Gartenzaun schon auf uns gewartet. Es war das erste Mal, dass ich eine Familie in einem Haus in Bayern besucht habe, ich fand ihr Zuhause sehr schön. Wir saßen zusammen an einem Tisch im Garten und haben Kaffee getrunken und uns unterhalten. Dann sind wir auf einem Waldweg mit den Hunden spazieren gegangen. Ich habe sehr viele Fotos gemacht. Die Natur dort war sehr schön. Und es hat mir großen Spaß gemacht, mit den Hunden zu spielen.

Gassigehen mit Luis (links) und Mia: Bayan hatte viel Spaß mit ihnen.

Ich war das erste Mal in einem Dorf. Bisher kannte ich nur Aleppo und München. Ich fand es schön, dass sich in Rottach-Egern alle Leute auf der Straße grüßen. So etwas gibt es in München nicht. Außerdem ist mir aufgefallen, dass keine Polizeiautos unterwegs sind. In München sieht man ständig welche. In Rottach-Egern waren nur wenige Leute unterwegs, aber es gibt sehr viele Blumen und Bäume. Es war sehr ruhig. Dort kann man sicher sehr schön leben.

Michi und Ute haben uns mittags auf eine Alm zum Essen eingeladen. Sie hatten sogar schon einen Tisch reserviert. Ich durfte das erste Mal bayerisches Essen probieren. Ich habe Rindfleisch mit Bratkartoffeln gegessen. Und zum Nachtisch Kaiserschmarrn. Es hat sehr gut geschmeckt. Besonders schön war für mich, dass die Kellnerin mich von den Fotos in meinen Zeitungsartikeln erkannt hatte. Jeder freut sich ja, wenn er erkannt wird.

Ich bin sehr froh, dass ich so nette Leute wie Michi und Ute kennengelernt habe. Und dass ich Bayern ein bisschen besser kennenlernen konnte. Liebe Ute, lieber Michi, herzlichen Dank für diesen schönen Ausflug!

Bayan Alrazzah

Lesen Sie auch:

Ein Flüchtling führt Tagebuch: Bayans Neustart in Bayern

Bayans Leben in Bayern: „Es gibt viele schwere Wörter“

Bayans Leben in der Unterkunft: „Es geht drunter und drüber“

Bayans Erlebnisse in Aleppo: „Bei uns regnet’s Oma Zähne“

Bayans Leben in Bayern: „Jeder vermisst seine Heimat“

Bayan über Busse und Bahnen: „Hier verliert man keine Zeit“

Bayan über das Essen in Bayern: „Ich mag Supermärkte“

Der junge Flüchtling Bayan über seine Berufspläne in München

Bayan über den Ramadan: „Schwer durchzuhalten“

Bayan und die Musik: „Ich mag deutschen Rap“

Bayans Urlaubserinnerungen: „Wir waren oft am Meer“

Bayan und das Thema Haustiere: „Ich wollte einen Husky“

Bayan und die Liebe: „Verlieben kann man sich überall“

Meistgelesene Artikel

Güterzug entgleist: Reparaturarbeiten bis nächste Woche - diese Strecken bleiben gesperrt
Aufgrund einer Zugentgleisung ist die Bahnstrecke zwischen Augsburg und Nürnberg seit Freitagmorgen gesperrt. Es kommt zu einigen Fahrplanänderungen.
Güterzug entgleist: Reparaturarbeiten bis nächste Woche - diese Strecken bleiben gesperrt
Vermieter lässt Schäferhunde im Garten frei: Vater und zwei Kinder teils schwer verletzt
Drei Schäferhunde haben in einem Garten Kleinkinder attackiert und schwer verletzt. Der Vater ist sofort dazwischen gegangen - und wurde selbst angegriffen. Ein …
Vermieter lässt Schäferhunde im Garten frei: Vater und zwei Kinder teils schwer verletzt
Schmuggler verstecken mehr als 100.000 Zigaretten im Auto - doch Zoll ist wachsam
Versteckt zwischen Sitzbänken und Armaturenbrett versuchten Schmuggler ihr Glück. Doch der Zoll funkte den Männern dazwischen und sicherte damit auch einen Batzen …
Schmuggler verstecken mehr als 100.000 Zigaretten im Auto - doch Zoll ist wachsam
Senior verloren im Wald - Suchaktion mit 50 Rettungskräften eingeleitet
Bei einer Schneeschuhwanderung ging ein Senior verloren. Fast drei Stunden fehlte von dem Mann jede Spur. Eine Suchaktion wurde eingeleitet.
Senior verloren im Wald - Suchaktion mit 50 Rettungskräften eingeleitet

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion