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Abdol S. (20) wurde am Mittwoch in seiner Unterkunft in Schnaitsee festgenommen.

Abdol S. in Schnaitsee verhaftet

Der Taliban-Kämpfer aus dem Chiemgau

München - Ein Afghane wurde am Mittwochmorgen in Schnaitsee verhaftet. Er soll Mitglied der Taliban gewesen sein und am Tod eines US-Soldaten beteiligt gewesen sein.

Es war vier Uhr morgens, als vor einer Asylbewerberunterkunft in Schnaitsee im Kreis Traunstein sechs Polizisten auftauchten. Sie betraten das Haus und gingen in den zweiten Stock. Dort schlief in einem Zweibettzimmer Abdol S. (20). Die Beamten waren im Auftrag der Bundesanwaltschaft gekommen: Abdol S., der aus Afghanistan stammt, soll vor vier Jahren ein Kämpfer der radikal-islamischen Taliban gewesen sein. Er sei am Sturmgewehr Kalaschnikow AK 47 ausgebildet und im Handgranatenwerfen geschult worden. In mindestens zwei Fällen, in den Jahren 2013 und 2014, sei er mit den Taliban auch in Kämpfe gegen afghanische Regierungstruppen und US-Soldaten verwickelt gewesen. Laut Bundesanwaltschaft „gab er jeweils in Tötungsabsicht Schüsse auf diese ab“. Mindestens ein US-Soldat sei getötet worden, zwei weitere verletzt.

Ein Taliban-Kämpfer im Chiemgau? In Schnaitsee, wo sich ein engagierter Helferkreis vorbildlich um knapp 40 Flüchtlinge kümmert?

Über den Iran und die Türkei war Abdol S. im Dezember 2015 nach Deutschland gekommen. Zunächst hielt er sich vier Monate in der Sammelunterkunft in Fürstenfeldbruck auf, ehe er im Frühling 2016 in den Kreis Traunstein kam. Gegenüber seinen Landsleuten erwähnte er seine Vergangenheit nie.

„Sehnsucht nach Schnaitsee“

Abdols S. gilt als inte­griert, er spricht gut Deutsch, will Elektriker lernen, betrachtet den Ort, von dem man bei schönem Wetter einen tollen Bergblick hat, als seine echte Heimat. In einem Zeitungsbericht über ihn sagt er: „Wenn ich einen Freund in München besuche, habe ich bereits Sehnsucht nach Schnaitsee.“ Er spielte hier im Verein Volleyball, machte in Traunreut Kickboxen. Zweimal die Woche radelte er deswegen fast 30 Kilometer zum Training.

Kickboxen, so heißt es in dem Bericht, sei schon in Afghanistan sein Lieblingssport gewesen, er nahm dort auch an Wettkämpfen teil. Als sein Leben durch die Taliban gefährdet gewesen sei, habe er sich zur Flucht entschlossen. „Von vielen jungen Männern wird die Zugehörigkeit zu den Taliban gefordert“, erzählte er einmal, werde dem nicht Folge geleistet, drohe der Tod.

Die Polizisten, die am Mittwochmorgen kamen, hätten keine Waffen in der Hand gehabt, berichtet ein Zeuge, „aber alle trugen dunkle Anzüge mit dem Schriftzug „Polizei“ auf dem Rücken“. Die Festnahme verlief äußerst ruhig, am Donnerstag wurde Abdol S. bereits dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt. Dieser ordnete U-Haft an. Der Vorwurf des Generalbundesanwalts lautet, dass der Afghane Mitglied einer terroristischen Vereinigung Taliban gewesen sei und dabei einen gemeinschaftlich verübten Mord begangen habe.

tz

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