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„Sinnlose Unterhöhlungen“: Thomas Goppel stellt sich gegen den Feiertags-Kompromiss mit der FDP.

Tanzverbot: CSU und Kirchen protestieren

München - Viel Lärm um die stillen Tage: Teile der CSU und Kirchen stellen Herrmanns Kompromiss infrage. Sie sprechen von einer „merkwürdigen Feilscherei um die Feiertagskultur“.

In der CSU formiert sich eine Front verärgerter Abgeordneter, die der Staatsregierung beim Feiertags-Kompromiss die Gefolgschaft verweigern. Nach Informationen unserer Zeitung wollen etliche Parlamentarier gegen den Kompromiss stimmen, den Innenminister Joachim Herrmann mit der FDP ausgehandelt hat. Die Abweichler könnten das Vorhaben zum Platzen bringen.

Herrmann hatte angekündigt, dass das Tanzverbot an stillen Tagen gelockert wird. Fortan soll bis zwei Uhr früh in Aschermittwoch, Gründonnerstag, Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag sowie Buß- und Bettag reingefeiert werden dürfen. Die FDP hatte sogar drei Uhr früh gefordert; bisher ist um Mitternacht Schluss. „Wir wollen den Gaststätten, Kneipen und Discos entgegenkommen“, hatte Herrmann gesagt: „Es ist ein guter Kompromiss.“ Er habe darüber auch „mit Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm gesprochen. Die beiden großen christlichen Kirchen akzeptieren diese Regelung.“

Mehrere Abgeordnete widersprechen Herrmann diametral. „Wir leben in einer Gesellschaft, die sich auf christliche Grundwerte verständigt hat“, sagte der ehemalige Minister Thomas Goppel unserer Zeitung: „Solche Unterhöhlungen sind weder hilfreich noch sinnvoll.“ An weit über 95 Prozent der Tage im Jahr könne man ohne Grenzen feiern. Die Aufweichung des Tanzverbots an stillen Tagen sei aber „überhaupt nicht einzusehen, nur weil die FDP gerne tanzt. Das zeigt den Geist, der in der FDP unterwegs ist.“ Es werde noch „heftige Diskussionen geben“, drohte Goppel: „Ich werde dagegen stimmen.“

Auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm und etliche erfahrene Abgeordnete teilen dem Vernehmen nach Goppels Kritik. Die langjährige Sozialministerin Christa Stewens sagte unter Verweis auf Bayerns Werte, man müsse „schon noch wissen, wo man lebt“. Die Lockerung sei falsch. „An diesen fünf, sechs stillen Tagen können die Diskotheken doch um Mitternacht schließen.“

Noch dazu stellen die Kirchen nun die Einigung mit Herrmann infrage. Der evangelische Landeskirchenrat will erst nächste Woche bei seiner Tagung einen Beschluss fassen. „Es gab informelle Gespräche – mehr ist nicht passiert“, sagte ein Sprecher. Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz, kündigt sogar Widerstand an: „Wir sind generell gegen immer weitere Aufweichungen“, sagte er der dpa: „Die ständige Feilscherei um die Feiertagskultur finde ich merkwürdig.“ Marx widersprach auch Herrmanns expliziter Erklärung, es habe ein Gespräch gegeben. Mit ihm sei darüber offiziell nicht gesprochen worden, behauptet der Kardinal.

Herrmann leitete den beiden christlichen Kirchen am Mittwochabend einen ausführlichen Entwurf seiner Pläne zu. Nun soll sich auch die Landtagsfraktion noch mal damit befassen.

Christian Deutschländer

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