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2014 ein gewohnter Anblick: Ein GDL-Mitglied mit Streikweste. Diesmal soll es nicht so weit kommen.

Am Freitag beginnen Gespräche mit der Bahn 

Tarifverhandlungen für Lokführer beginnen - wie groß ist die Streikgefahr?

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Am Freitag beginnen die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und den Lokführern. Bahnkunden wissen: Da liegt traditionell Streikgefahr in der Luft. Doch die S-Bahn-Lokführer hoffen, dass es nicht so weit kommt.

München – Der Name Claus Weselsky verursacht bei manchen Fahrgästen wahrscheinlich nervöse Zuckungen. Der mächtige Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zog sich stellvertretend für seine Mitglieder den Zorn der Kunden beim großen Streik 2014 zu, als die Bahn bundesweit viereinhalb Tage lang mehr oder minder stillstand. Jetzt die gute Nachricht: Dass es bei der Tarifrunde 2018 so weit kommt, glaubt eigentlich niemand. Am Freitag beginnen die Verhandlungen in Berlin mit der GDL, schon am Donnerstag treffen sich Verhandlungsdelegationen der Eisenbahnergewerkschaft EVG und DB AG.

GDL fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt

Das Hauptaugenmerk gilt jedoch der GDL, in der die weitaus meisten Lokführer organisiert sind. 7,5 Prozent mehr Gehalt fordert die GDL diesmal. Nach Ansicht von Wolfgang Gräubig (50), einer von drei freigestellten Betriebsräten bei der S-Bahn München und zugleich GDL-Bezirksvorstand, ist das „nicht übermäßig viel“. Die Lokführer hätten Nachholbedarf, ein Berufsanfänger verdiene nur 2680 Euro brutto ohne Zulagen, die allerdings einige hundert Euro betragen können.

Allerdings verlangt die GDL nun eine Erhöhung jener Zulagen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit. Diese Schichten müssten „besser honoriert werden“, erklärt Weselsky, denn das Zugpersonal arbeite an 365 Tagen im 24-Stunden-Rhythmus.

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Gräubig, der aus Görlitz stammt, hat noch auf einer Dampflok als Lokheizer gelernt. Seit 1993 ist er bei der S-Bahn München – dort gebe es noch besondere Belastungen, sagt er. Zum einen machten erhöhte Lebenshaltungskosten etwaige Lohnzuwächse schnell wieder zunichte; zum Zweiten nervten die vielen Störungen auch die S-Bahn-Lokführer. Das Bahnsystem sei einfach überlastet, viele eingleisige Strecken produzierten Verspätungen. „Die S7 ist die unpünktlichste Linie, die Lokführer wissen das“, sagt Gräubig – die Strecke ist auf dem West- und Ost-Ast in großen Teilen eingleisig. Nicht selten lasse ein Fahrgast seinen Ärger beim Lokführer aus. „Manchmal wird man von Fahrgästen angeblafft“, sagt Gräubig. Dass sie gegen die Seitenscheibe spucken, ist auch nicht selten. Aus diesen Gründen wünscht sich der S-Bahn-Betriebsrat eine Ballungsraumzulage für die 670 Münchner S-Bahn-Lokführer. Das würde den Beruf auch attraktiver machen, sagt Gräubig – die S-Bahn sucht dringend Personal. Allerdings ist das ein Wunsch für die Zukunft. Die GDL-Verhandlungsführer haben sie nicht mit in den offiziellen Forderungskatalog aufgenommen, der aus 38 Einzelpunkten besteht.

Lesen Sie alle Informationen zur Stammstrecke in unserem News-Ticker.

Einer dieser Punkte gilt als besonders kritisch: Die GDL strebt nach einer Synchronisierung der Laufzeiten aller Tarifverträge – also beispielsweise auch mit Transdev, zu der BOB und Meridian gehören. Alle Verträge sollen einheitlich Ende 2020 auslaufen. Die Bahngesellschaften werden sich tunlichst nicht darauf einlassen, denn dann könnten künftig mehrere Bahnen gleichzeitig durch Lokführerstreiks lahmgelegt werden.

Apropos Streik: Die diesjährige Tarifrunde werde ohne Arbeitskampf ablaufen, glaubt Gräubig. Es herrsche „eine kompromissbereite Stimmung auf beiden Seiten, also auch bei den Arbeitgebern“. Auch GDL-Boss Weselsky erklärt: „Wir gehen zuversichtlich in die Tarifverhandlungen.“

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