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So dick waren die Sandwolken 2004: Noch vor zehn Jahren brachte der sandige Himmel über Partenkirchen pure Abendstimmung am Morgen. So heftig zeigt sich der Sahara-Sand aber diesmal nicht – bis jetzt.

Sahara-Staub

Tausende Tonnen Sand über Bayern

München – Es staubt wieder. Nicht unter dem Sofa, sondern über unseren Köpfen – es ist Sand aus der Sahara, wie schon im Februar. Regnet es jetzt, wäscht es den Staub herunter zur Erde. Für viele Fluch, aber für manche auch Segen.

„Da kommt eine dicke, graue Wolke auf uns zu“, sagt Harald Flentje, während er aus dem Fenster schaut. Er ist Atmosphärenwissenschaftler oben auf dem Hohenpeißenberg im Observatorium. Trüb sieht es aus da draußen. Doch Flentje weiß: Das ist keine Regenwolke, es ist Staub aus der Sahara. „Das sind ein paar tausend Tonnen da oben über Süddeutschland“, sagt er. Ein Mess-Flugzeug der Fachhochschule Düsseldorf, engagiert vom Wetterdienst, hat das genau ermittelt.

Es handelt sich um einen Segelflieger mit Propeller. Der ist eigentlich dazu da, die Konzentration von Vulkanasche in der Luft zu messen. „Der war schon beim Ätna im Einsatz.“ Vulkanasche sei dem Staub sehr ähnlich. Deshalb flog das Flugzeug gestern vom Ruhrgebiet nach Hohenpeißenberg und wieder zurück. Und das immer geradewegs durch die Staubwolken oben am Himmel. Es war eine Art Bestandsaufnahme. „Wir wollten wissen, mit wie viel Sahara-Sand wir es zu tun haben. Und wo die Partikelschichten sind.“ Das Ergebnis: „Es ist mehr Sand als noch im Februar.“

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Ein Wüstensturm hat wieder Sand in der Sahara aufgewirbelt und in die Atmosphäre transportiert. Ein Tiefdruckgebiet, kombiniert mit einer Südströmung, brachte den Staub übers Mittelmeer nach Südwesteuropa. Viele Umstände müssen bei diesem Naturschauspiel zusammenspielen. In unregelmäßigen Abständen kann es dazu kommen – mal öfter im Jahr, mal nie. Vorauszusehen ist das nicht.

Der Weg des Sahara-Sandes führt nach Osten. Aber: Wenn es jetzt regnet, wäre der Staub in Deutschland am Ende seiner Reise. Regen würde ihn zur Erde herunter waschen. Das alles erklärt Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Und es soll bald regnen, sagt er, „aber nur örtlich ein paar Schauer. Kein massiver Guss“.

Trotzdem: Einige Autos werden wohl wieder bedeckt sein, bedeckt mit einem schmierigen, gelben Dreckfilm. So wie im Februar. Und dann klingeln erneut die Kassen in den Autowaschanlagen und vor dem Eingang der Waschstraßen werden sich lange Schlangen bilden. Die Betreiber reiben sich schon jetzt die Hände. Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten. „Dann sind schnell 200 Kilogramm Sand in der Waschanlage. Wir müssen ständig Frischwasser dazugeben, damit die Autos sauber werden“, sagt ein Betreiber.

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Gesundheitlich gibt es nichts zu befürchten, beruhigt Allergologe Christoph Klingmann aus München. Zwar bringe der Sahara-Wind warmes Klima mit nach Deutschland. Wärme lässt wiederum die Pollen vermehrt fliegen, die den Allergikern zu schaffen machen. „Der Sand selbst stellt aber keine Gefahr dar.“ Besonders in Städten sei die Belastung der Atemwege durch die Abgase von Autos viel größer als die durch ein paar Körner Sahara-Sand.

Frische Wäsche sollte man jetzt jedenfalls lieber im Haus aufhängen. „Sonst werden die weißen Laken vielleicht braun“, warnt Flentje.

Carolin Nuscheler

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