+
Achtung Staugefahr: Auf der Inntalautobahn Richtung Kufstein wird es oft eng.

Neue Regelung auf der Inntalautobahn 

Tempo 100: Auch Bayern will reagieren

  • schließen

Brannenburg - Ab nächster Woche gilt auf der österreichischen Seite der Inntalautobahn Tempo 100. Auch Bayern will reagieren - mit einer Luftschadstoff-Tempoanlage. Doch das dauert.

Ab Donnerstag nächster Woche gilt Tempo 100 auf der österreichischen Inntal-Autobahn. Auf der bayerischen Seite der Autobahn gilt das Tempolimit nicht. Doch auch bayerische Behörden wollen – zumindest langfristig – etwas tun gegen die Belastung der Bevölkerung durch Luftschadstoffe.

Das Zauberwort heißt umweltsensitive Streckenbeeinflussungsanlage. Auf der A 93 zwischen Brannenburg und Kiefersfelden (Kreis Rosenheim) will die Autobahndirektion Südbayern erstmals die Verkehrsregelung von der Belastung durch Luftschadstoffe abhängig machen. Ein Umweltmesscontainer soll die Schadstoffbelastung der Luft, im wesentlichen Stickstoffdioxid, messen und bei erhöhten Werten eine Geschwindigkeitsbeschränkung schalten, bestätigte Josef Seebacher von der Autobahndirektion unserer Zeitung. Dazu werden in Abständen von zwei Kilometern Schilderbrücken aufgestellt. Falls Grenzwerte überschritten würden, könnte elektronisch Tempo 80 oder 100 angeordnet werden.

Ein Problem gibt es bei dem Plan: das aufwändige Genehmigungsverfahren mit unzähligen beteiligten Behörden. Im Mai hat die Autobahndirektion den Vorentwurf an das bayerische Innenministerium geschickt. Im Juli leitete das Ministerium den Plan an das Bundesverkehrsministerium weiter. Dort liegt der Vorentwurf nun, die Autobahnplaner warten auf die Genehmigung. „Wir hören aber, dass sich nun der Bundesrechnungshof eingeschaltet hat“, sagt Seebacher. Denn die Behörde musste aufwändig begründen, warum sie den Verkehr elektronisch steuern will und nicht etwa einfach über Blechschilder wie ab kommenden Donnerstag die Österreicher. Dazu wurden Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt.

Sollte der Vorentwurf genehmigt werden, wird der Bau der Anlage europaweit ausgeschrieben. Inklusive Vergabe und Bauzeit könnten noch zweieinhalb Jahre ins Land ziehen, ehe die Anlage endlich steht. Kosten: 3,5 Millionen Euro. Trotz der schwierigen Prozedur verteidigt Behördensprecher Seebacher den Plan. „Wir halten das für die elegantere Lösung“ – besser, als „nur Blech“ aufzustellen. Die elektronische Anlage könne auch bei Unfällen warnen oder bei drohenden Staus geschaltet werden.

Bis die Anlage steht, werden die bayerischen Inntal-Anwohner weiter mit hoher Luftbelastung leben müssen. Nach Angaben von Seebacher werden an 40 Tagen im Jahr die Grenzwerte überschritten. Der Rosenheimer SPD-Kreisrat Roland Schmidt fordert jetzt schon eine schnelle Behörden-Reaktion: ein Tempolimit von 130 km/h und ein komplettes Lkw-Überholverbot – dieses gibt es derzeit nur in Fahrtrichtung München.

Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Handball-Schiri: Unfaire Trainer und Eltern der jungen Spieler machen mich sprachlos
Dominik ist Handball-Schiedsrichter in Bayern. In seinem Gastbeitrag beschreibt er zwei Erlebnisse, die er nicht vergessen wird: Schubsende Spieler, die von ihren Eltern …
Handball-Schiri: Unfaire Trainer und Eltern der jungen Spieler machen mich sprachlos
Bedrohte Defline: Tiergarten bittet um Hilfe 
Dem Vaquita-Delfin droht die Ausrottung - deshalb wirbt der Tiergarten Nürnberg um Unterstützung für eine internationale Rettungsaktion für die Meeressäuger.
Bedrohte Defline: Tiergarten bittet um Hilfe 
Badeverbot an oberfränkischem See
Der Naturbadesee im oberfränkischen Frensdorf ist vorerst für Badegäste gesperrt. Schuld sind Bakterien, die Allergien, Hautreizungen und mehr auslösen können. 
Badeverbot an oberfränkischem See
Hund beißt Radfahrer mehrmals in den Kopf
Ein nicht angeleinter Hund hat einen 83-Jährigen angegriffen und in den Kopf gebissen. Die Halterin sah tatenlos zu und verschwand - nach ihr wird nun gesucht. 
Hund beißt Radfahrer mehrmals in den Kopf

Kommentare