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Faschingsgaudi mit Polizeischutz? Geht das? Die Terrorangst hat auch Auswirkungen auf den Straßenfasching in Bayern. Vielerorts sind die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

Terrorangst verändert Faschingsfeiern

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Faschingsgaudi trotz Terrorangst – diesen Spagat müssen die bayerischen Narren in diesem Jahr meistern. Vielerorts gelten bei dem bunten Treiben hohe Sicherheitsauflagen. Den Spaß wollen sich die meisten aber nicht verderben lassen.

München – Der wohl sicherste Faschingszug Bayerns findet in München statt. Wenn am 19. Februar die „Damischen Ritter“ mitten durch die Münchner Innenstadt ziehen, ist die Polizei mit so vielen Einsatzkräften zur Stelle wie bei keinem anderen Narrentreiben im Freistaat. Das hat einen ganz pragmatischen Grund: Am selben Wochenende findet in der Landeshauptstadt die Münchner Sicherheitskonferenz statt. „Es sind deshalb ohnehin viele Sicherheitskräfte in der Stadt“, erklärt Peter Beck, Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Es werde deshalb auch zu Sperrungen im Straßen- und Bahnverkehr kommen.

So manchem Faschingsbesucher wird die große Polizeipräsenz recht sein – nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag in Berlin, bei dem zwölf Menschen starben, ist die Terrorangst bei allen Großveranstaltungen ein Thema. „Wenn wir uns davon einschüchtern lassen würden, müssten wir die Finger davon lassen“, stellt Manfred Braig, Zugleiter der „Damischen Ritter“ aber klar. „Eine Absage ist bei uns nie ein Thema gewesen.“ Trotzdem: Die Münchner Narren haben für dieses Jahr mehr private Sicherheitsleute eingeplant als sonst. Wenn Braig den Zug durch die Innenstadt führt, wird er mit ihnen und der Polizei in engem Austausch sein.

Von einer konkreten Bedrohung in München oder Oberbayern wisse man nichts – das betont die Polizei mit Nachdruck. Wachsam sei man trotzdem. „Fasching ist in den Augen von Islamisten Teufelszeug“, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck, Michael Fischer. Wegen des Alkohols und der häufig nackten Frauenbeine.

Für das Faschingstreiben am Fürstenfeldbrucker Geschwister-Scholl-Platz verlangt die Polizei deshalb unter anderem eine durchbruchssichere Sperre, damit kein Attentäter wie in Berlin mit einem Fahrzeug in die Menge rasen kann. Die Brucker Heimatgilde will am Rosenmontag zwei Lastwagen quer in die Zufahrt stellen. Im benachbarten Olching, wo mit gut 25 000 Zuschauern einer der größten Faschingszüge Oberbayerns stattfindet, wird erstmals die Stadt weiträumig abgesperrt. Die Polizei richtet Verkehrskontrollen ein.

In Rosenheim – mit rund 60 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Oberbayerns – reagiert man gelassener. „Wir haben das Thema im Vorfeld sehr detailliert besprochen“, erklärt Sabrina Obermoser, die im City Management für die Planung des Faschingstreibens in der Stadt zuständig ist. „Wir werden aber keine Betonpoller aufstellen oder Ähnliches“, betont sie. Sie verweist auf bewährte Notfallpläne, zudem sei jedes Jahr viel Sicherheitspersonal im Rosenheimer Fasching aufgeboten.

Die beiden Polizeipräsidien in Rosenheim und Ingolstadt, die für Oberbayern zuständig sind, betonen, dass derzeit alle Großveranstaltungen – somit auch der Fasching – intensiv von der Polizei beobachtet würden. Besonders kritische Veranstaltungen gebe es aber nicht. Genauso wenig gebe es Hinweise auf konkrete Bedrohungsszenarien.

Reagiert haben dennoch viele weitere Städte und Faschingsvereine. Wie zum Beispiel in Grafing (Kreis Ebersberg), wo am Unsinnigen Donnerstag wohl die Feuerwehr den Marktplatz mit ihren Fahrzeugen abriegeln wird. Außerdem soll ein Sicherheitsdienst die Taschen der Besucher auf Waffen und Schnapsflaschen kontrollieren, Glasflaschen sind für das Faschingstreiben komplett verboten.

Mit derartigen Maßnahmen wollen die meisten Faschingsgilden und Sicherheitsbehörden eine Absage ihrer Veranstaltungen verhindern. Hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, räumt Manfred Raig von den „Damischen Rittern“ in München zwar ein. Vom Feiern will er sich aber nicht abhalten lassen. „Sonst macht das Leben ja keinen Spaß mehr.“

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