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Schöne Bescherung: Hubert Aiwanger schenkt Horst Seehofer einen neunkerzigen Adventskranz – und freut sich dann umso mehr über die Botschaften des Ministerpräsidenten. Selten geht es im Landtag so harmonisch zu.

Mitten in der G9-Debatte

Testlauf für länderübergreifendes Abitur

München - Kein Tag ohne G9-Debatte: Jetzt zeigt sich Horst Seehofer überraschend kompromissbereit. Doch der Alltag an den Schulen ist von anderen Dingen bestimmt.

Zum Beispiel heute von einer zentralen Mathe-Klausur, die in sechs Bundesländern zeitgleich geschrieben wird.

Hubert Aiwanger schaut, als habe er eben das Christkind getroffen. Es war aber nur Horst Seehofer. Die Freien Wähler haben den Ministerpräsidenten im Steinernen Saal abgepasst. Ein überdimensionaler Adventskranz steht bereit, der – nicht ganz stilecht – acht kleine Kerzen hat. Und eine ganz Große. „Machen Sie den Schülerinnen und Schülern ein Weihnachtsgeschenk“, erklärt Aiwanger feierlich die Botschaft. Die neunte Kerze steht für das neunte Gymnasialjahr.

Was dann kommt, darf hinterher fleißig interpretiert werden. Man könne nicht einfach beschließen, sowohl G8 als auch G9 zu ermöglichen, sagt Seehofer. Genau das fordern die Freien Wähler in ihrem Volksbegehren, für das noch ein paar Unterschriften fehlen. „Das gefährdet die Versorgung am flachen Land“, mahnt Seehofer. So weit, so bekannt. Doch dann sagt Seehofer auch, dass er erstmal das Konzept abwarten will, das der Philologenverband angekündigt hat. „Wir schauen uns an, was die da vorlegen – und dann sehen wir weiter.“ Aiwangers Augen beginnen zu leuchten. „Das ist doch ein Wort“, ruft der Chef der Freien Wähler und schlägt freudig in Seehofers ausgestreckte Hand ein.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Seehofer mit kleinen Sätzen eine große Position räumt. Der Protest der Philologen hat offenbar einiges ins Rutschen gebracht. Aiwanger jedenfalls ist nach dem Gespräch des Landtags völlig euphorisch. „Ich bin mehr als zufrieden, sagt Aiwanger. „Damit hat Seehofer eine Tür geöffnet. Der weiß schon was los ist.“ Das habe „deutlich anders als in der Regierungserklärung“ geklungen.

Die Hauptbetroffenen – die Gymnasiasten – haben anderes im Sinn. Heute werden rund 38 000 Schüler der 12. Jahrgangsstufe die letzte von drei Übungsklausuren schreiben, die als Testlauf für ein länderübergreifendes Abitur gedacht sind. Nach Deutsch und Englisch ist diesmal Mathematik an der Reihe. Die 90-minütigen Klausuren werden in Bayern, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zeitgleich geschrieben und sind teilweise identisch. Die Aufgaben stammen aus den Gebieten Analysis, Geometrie und Stochastik. Die Hälfte der Aufgaben wird aus einem gemeinsamen Aufgabenpool entnommen, die zweite Hälfte ist länderspezifisch. Schüler können wählen: entweder die Klausur oder die reguläre Schulaufgabe zählt als großer Leistungsnachweis, die andere als kleiner.

Die Klausur dient der Vorbereitung auf das Abitur im Frühjahr. Dabei sollen ebenfalls länderübergreifend identische Aufgabenteile gestellt werden. Ab 2017 dann müssen sich die Abituraufgaben aller 16 Länder an gemeinsamen Bildungsstandards orientieren.

M. Schier und D. Walter

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