Interview

Tetrafunk: Der Chiemgau protestiert

Bad Endorf – Bayerns Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdienste sollen ab 2016 digital kommunizieren. Zahlreiche Bürgerinitiativen im Freistaat stehen dem „Tetrafunk“ aber skeptisch gegenüber. Ein Interview

Sepp Hofer, 49, der für die Freien Wähler im Kreisrat in Rosenheim sitzt, ist Sprecher einer kritischen Initiative im Chiemgau. Sie haben Unterschriften für ein Digitalfunk-Moratorium gesammelt. Ein Gespräch über Sorgen und Alternativen.

Herr Hofer, warum besorgt sie der Tetrafunk?

Sepp Hofer sitzt für die Freien Wähler im Rosenheimer Kreisrat.

Auf einen Stützpunkt der Bundespolizei in Bad Endorf soll ein Funkmast gesetzt werden. 100 Meter Luftlinie ist eine Kurklinik. Wer mag schon eine Kur neben einem Sendemasten machen? Die Strahlung könnte gefährlich sein, in Polizeikreisen soll es schon Krebsfälle gegeben haben. Außerdem ist der Digitalfunk auf dem Stand der Handytechnik vor 20 Jahren. Da gibt es längst Neueres. Und: Er ist viel zu teuer. In Bayern liegt die Kostensteigerung jetzt schon bei 60 Prozent, die schwierige Topografie bei uns erfordert viele Masten. Es wird also noch teurer.

Viele Orte haben aber bedenkenlos zugestimmt.

Ich sag Ihnen mal, wie das lief. In den Gemeinderäten wurde das vorgestellt, einige trugen ihre Bedenken vor. Dann haben die Bürgermeister gesagt: Das kommt eh. Aber wenn wir nicht zustimmen, gibt’s keine Zuschüsse vom Land. Dann tragen wir die Kosten selbst. Bei uns in Halfing war das so. Das habe ich ein bisschen als Erpressung empfunden.

Als Antwort haben Sie Unterschriften gesammelt.

In Bad Endorf und Umland haben wir etwa 3300 zusammengebracht. Am Dienstag werden wir die der Bürgermeisterin von Bad Endorf überreichen. Im Januar werden wir dem Landrat mindestens das Doppelte an Unterschriften übergeben, weil wir in anderen Gemeinden auch sammeln.

Ein paar Skeptiker werden den Tetrafunk kaum stoppen können.

Unser Ziel war von Anfang an, den Tetrafunk aufzuhalten, so ist es auch jetzt noch. Damit wir uns richtig verstehen: Wir wollen das Beste für unsere Einsatzkräfte. Aber das ist beileibe nicht mehr dieser Tetrafunk. Sie kaufen ja auch kein Handy mehr, das 18 Jahre alt ist.

Sie wollen also ein Moratorium?

Genau. Und wir wollen, dass die neueste Technik eingesetzt wird. Vermutlich ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Aber wir wollen weiterhin darauf aufmerksam machen. Und wir haben Quellen, die uns dabei unterstützen. Man munkelt, dass nach dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau der Tetrafunk wieder abgebaut wird und 2017/18 die neue Technik kommt. Da heißt’s hinter vorgehaltener Hand: Dann stehen immerhin die Masten schon.

Was wäre denn die Alternative zum Tetrafunk?

Der Mobilfunkstandard LTE, den’s ja eh schon gibt. Das Handy funktioniert dann wie ein Funkgerät. Und man kann größere Datenmengen verschicken, Bilder, Lagepläne und so. Mit Tetrafunk geht das nicht. Wir wollen zumindest aufgeklärt haben. Wenn dann in drei oder vier Jahren was Neues kommt, können wir sagen: Leute, warum habt ihr nicht früher auf uns gehört?

Interview: Marcus Mäckler

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