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Der Staat zahlt mit: Bayern besitzt viele Klöster wie das in Dietramszell (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen).

Das teure Erbe von Ludwig I.

München - Zwei Jahrhunderte sind seit Säkularisation und Konkordat vergangen. Bayern besitzt seither prächtige Klöster. Kleiner Haken: Der Unterhalt ist teuer. Millionen verschwinden in den dicken Mauern. Nun tadelt der Rechnungshof die komplexen Abrechnungen.

Es war ein Geldregen, gegen den jede heutige Steuerschätzung ein Klacks ist. Auf einen Schlag verleibte sich der Staat ein immenses Vermögen ein: Schicke Gebäude, saftige Wiesen, riesige Wälder, Kulturschätze enormen Ausmaßes wurden der Kirche entrissen. Die Säkularisation verhinderte den Staatsbankrott im heillos unterfinanzierten Bayern. Gut 200 Jahre später haben die Erben des antiklerikalen Staatsreformers Montgelas aber mal wieder eine grundsätzliche Frage zu klären: Was machen wir mit all den Klöstern?

Etliche Klosteranlagen sind nämlich, was wenig bekannt ist, in Staatsbesitz geblieben. Mönche und Kirchenleute durften wieder einziehen, als der Papst und der liberalere König Ludwig I. 1817 das bayerische Konkordat schlossen. Der Staatsvertrag wirkte wie ein Zaubertrank für die von Montgelas dahingeraffte Klosterlandschaft. Der Staat verpflichtete sich dabei, für Restauration und Unterhalt etlicher Anlagen zu sorgen.

Das allerdings ist ein Batzen Geld für die jahrhundertealten Gemäuer. Für 1300 kirchliche Gebäude sorgt Bayern mit jährlich 30,5 Millionen Euro, teils ergänzt durch Mischfinanzierungen. 80 Bauten sind ganz in Staatsbesitz. Die Vereinbarungen von Ludwig I. wirken sich noch heute aus, vollständig durchblickt das Geflecht aus Verträgen und königlichen Widmungen allerdings kaum ein heute damit Befasster.

Rückwirkend bis 2003 knöpfte sich nun der Bayerische Oberste Rechnungshof etliche Kloster-Finanzierungen vor – und fand nach Informationen unserer Zeitung bei einem Dutzend erhebliche Mängel. Der Prüfbericht wird heute veröffentlicht.

Undurchsichtig sei das Finanzgebaren, moniert der Rechnungshof. Mal sind die Kommunen in Projekte involviert, mal die Orden, mal der Staat. Oft fehlen korrekte Belege. Vereinzelt wurde ohne Rücksprache mit der Regierung umgebaut und die Rechnung hinterher zu den überraschten Beamten nach München geschickt. Investitionen von fünf Millionen Euro sind im fraglichen Zeitraum über fünf Jahre getätigt worden. Andere Maßnahmen wurden versäumt, nun drohen umso höhere Folgekosten.

Schillernde Bauten sind darunter. Das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen im fränkischen „Gottesgarten“ zum Beispiel, zu dem alljährlich die CSU-Spitze am Rande ihrer Banz-Klausur pilgert, um sich ihrer Sünden zu erleichtern. In der Münchner Innenstadt sind es St. Kajetan und St. Michael, in ganz Bayern Ottobeuern, Oberaudorf, Dietramszell, Dietfurt an der Altmühl, Neukirchen, das oberfränkische Marienweiher, das Franziskanerkloser Gößweinstein, Berchtesgaden und Grafrath.

Die meisten der Klöster gehören zu den Franziskanern – ein Bettelorden, was schon vom Namen her nicht nach Millionensummen auf dem Konto klingt. Die Gebäude selbst zu sanieren, würde die Orden in den Ruin treiben. Auch dicke Pacht ist kaum drin. Betriebswirtschaftlich ist das also für den Staat ein herbes Draufzahlgeschäft. Der Haushalt für dieses Jahr verzeichnet Mieteinnahmen in allenfalls fünfstelliger Höhe. Darauf zu schauen, ist die Aufgabe der peniblen Prüfer.

Das Kultusministerium unter Ludwig Spaenle (CSU), zuständig für die Klöster, will die Missstände bei den Belegen abstellen. „Wir sind auch dran, Mischstrukturen und unterschiedliche Zuständigkeiten zu entflechten“, sagt ein Sprecher. Die Regelungen seien aber von Ort zu Ort unterschiedlich. Und so streng betriebswirtschaftlich wie die Rechnungsprüfer mag Bayern den Unterhalt nicht bewerten. Man sei „auch zur Wahrung des kulturellen Erbes verpflichtet“, dazu gehörten ganz wesentlich die Klöster.

Dass der promovierte Historiker und Theologe Spaenle die Zahlungen einstellt, steht freilich kaum zu befürchten. Wohl aber könnte die Kritik des Rechnungshofs die politische Debatte um das Konkordat anfachen: Der Koalitionspartner FDP dringt wiederholt auf eine strengere Trennung von Kirche und Staat.

Christian Deutschländer

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