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Flut in Oberbayern: Landwirt rettet mit Dammbruchaktion gesamte Nachbarschaft

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Von: Kathrin Gerlach

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Die Familie Folger hat mit ihrem schnellen Einschreiten ihre Nachbarn wohl vor dem Hochwasser bewahrt.
Die Familie Folger hat mit ihrem schnellen Einschreiten ihre Nachbarn wohl vor dem Hochwasser bewahrt. © privat

Eine Familie im Landkreis Rosenheim reagierte schnell, als die Flut kam - und bewahrte ihre Nachbarn wohl mit ihrem Einschreiten vor einer Flutkatastrophe.

Bruckmühl – Wenn die Menschen aus Mittenkirchen, Wiechs und Thalham im Landkreis Rosenheim* von den Erlebnissen jener Katastrophennacht erzählen, als die Flutwelle ihre Orte überrollte, wird immer wieder ein Name genannt: Anian Folger. Voller Hochachtung sprechen sie vom 28-jährigen Fußballer des SV Bruckmühl und seiner Familie. Denn: „Die Folgers haben Thalham gerettet.“

Als Anian an jenem Montagabend vor zwei Wochen vom Fußballtraining zurückkommt, tritt der Goldbach, der direkt am Hof der Familie im Bruckmühler Ortsteil Thalham vorbeifließt, schon über seine Ufer. „Erst war das Wasser noch klar, dann kam die braune Brühe“, erzählt Vater Klaus Folger. Er fährt nach Wiechs, um zu sehen, ob an der Regulierung des Goldbachs alles in Ordnung sei. „Doch so weit bin ich gar nicht mehr gekommen. Es stand schon alles unter Wasser.“

Thalham: Aufbruch der Uferböschungen als einzige Möglichkeit, das Hochwasser zu entspannen

Zurück auf dem Hof ruft er seiner Familie nur noch zu: „Jetzt müssen wir ganz schnell sein. Der Bach kommt.“ Und er kam. Staute sich an der Brücke, lief über die Ufer, in die Pferdeställe, den Hof, drohte auch, das Wohnhaus zu durchfluten. Anian und sein Vater Klaus zögern nicht lange. Sie wissen, dass die Brücke ein Problem ist. „Die einzige Möglichkeit, das Hochwasser zu entspannen, war in dem Moment der Aufbruch der Uferböschungen vor der Brücke, damit das Wasser auf die tieferliegenden Weiden abfließen kann“, erklärt Anian.

Der Plan geht auf. Kaum hat Anian Folger mit dem Lader die erste Böschung gekappt, schießt das Wasser auf die Weiden und füllt eine riesige Fläche links und rechts der Straße von Thalham nach Bruckmühl. Und so schützen sie auch die Anrainer am weiteren Lauf des Goldbachs in Thalham vor Überflutungen.

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Dann geht es auf dem Reiterhof weiter. Die Folgers öffnen ihre leeren Güllegruben, pumpen und schieben das Wasser hinein. „Die Einsteller haben sofort mit angepackt und uns geholfen“, sagt Iris Folger, denn allein hätten sie keine Chance gegen die Wassermassen gehabt. „Wir haben stundenlang mit dem Besen geschoben. Immer vom Haus weg – in die Gruben und auf die Wiesen.“

Hochwasser im Landkreis Rosenheim: „Wir haben so viel Glück gehabt“

Ähnlich ging es auch anderen Anliegern des Goldbachs. „Wir haben die Böschung südlich geöffnet, damit das Hochwasser abläuft“, berichtet Toni Pfeffer. Er wohnt etwa 400 Meter flussabwärts der Folgers, darf die benachbarten Wiesen im Falle eines Hochwassers als Überflutungsfläche nutzen, denn: „Was will man machen? Ehe das Wasser in den Keller läuft.“ Der Goldbach sei schon lange nicht mehr geräumt worden, da gehöre etwas gemacht, sagt er. „Doch das Problem war diesmal der Hainerbach.“ Man könne es zwar nicht beweisen, aber auch Pfeffer ist sich sicher, dass „Anian uns Thalhamer vor einer noch größeren Überschwemmung bewahrt hat“.

Nach zwei Wochen sind auf dem Anwesen der Familie Folger fast alle Spuren der Flut beseitigt – die Ställe wieder sauber, die Wiesen abgekehrt und die Pflastersteine im Hof ein zweites und drittes Mal geputzt, um den Schlamm aus den Poren zu bekommen. „Wir haben so viel Glück gehabt“, sagt Iris Folger dankbar.

Hochwasser in Bayern: Goldbach führt seit einigen Jahren deutlich mehr Wasser

Doch was lässt sich lernen aus dem Hochwasser? Klaus Folger beobachtet, dass der Goldbach seit einigen Jahren deutlich mehr Wasser führe als in seiner Jugend. Auch bei normaler Witterung stehe das Wasser nur knapp unter der Kante der Uferböschung. Steigt der Wasserspiegel um zehn oder 15 Zentimeter, fließt der Bach über. Folger spricht sich dafür aus, den Abflussquerschnitt zu vergrößern, indem das Ufer erhöht wird. Und auch eine Brücke über den Bach sollte erhöht werden. Damit seine Familie beim nächsten Starkregen nicht wieder mit dem Lader losziehen muss, um sich selbst und die Nachbarn zu retten. - KATHRIN GERLACH - *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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