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Das Landratsamt droht, die Therme zu schließen.

Landratsamt erwägt Schließung

Mängel beim Brandschutz: Therme Bad Endorf vor dem Aus

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Bad Endorf - Die Therme Bad Endorf kämpft seit Jahren ums Überleben. Jetzt könnten ihr Mängel beim Brandschutz zum Verhängnis werden. Die Gemeinde soll nun Stellung nehmen, anderenfalls droht das Landratsamt, die Therme zu schließen – mit ernsten Folgen für Bad Endorf.

Die Nachricht kam dann doch überraschend, obwohl die Probleme, mit denen die Therme in Bad Endorf (Kreis Rosenheim) zu kämpfen hat, kein Geheimnis sind. In einem bündigen Schreiben von Bürgermeisterin Doris Laban heißt es, dass das Landratsamt die „zeitnahe Schließung der Therme erwägt“. Hintergrund seien Mängel bei Brandschutz und Statik der Gebäude. Damit, heißt es weiter, weicht das Landratsamt von seiner „bisherigen Position der Duldung des Betriebs“ ab. Ende der Duldung. Ende der Therme?

Bei einem Gespräch am Mittwochabend informierte Laban die Fraktionssprecher im Gemeinderat über die Lage. Und die ist ernst: Das Landratsamt hat eine Frist bis zum morgigen Samstag gesetzt. „Bis dahin muss sich die Gemeide äußern“, sagte ein Sprecher, ohne weitere Details zu nennen.

Dass es bauliche Mängel in punkto Brandschutz gibt, ist lange bekannt. Dem Vernehmen nach gehen sie auf Versäumnisse bei der Generalsanierung der Therme zurück, die 2005 angeschlossen wurde. Eine erste Untersuchung fand 2011 statt. Laut Laban prüfte die Behörde damals, ob Gefahr für Leib und Leben besteht. „Das wurde verneint.“ Allerdings machte das Landratsamt Auflagen. Seitdem, schreibt der Therme-Betreiber Gesundheitswelt Chiemgau (GWC), „sind mehrere der geforderten Brandschutzmaßnahmen umgesetzt worden, nur die finale Umsetzung ist aus organisatorischen Gründen in Verzug geraten.“

Therme Bad Endorf: Gemeinde hat bei Schließung ernsthaftes Problem

Jetzt droht also die Schließung. Sollte es dazu kommen, hätte nicht nur die GWC ein ernsthaftes Problem – sondern auch die Gemeinde Bad Endorf. Denn die ist mit circa 75 Prozent an der GWC beteiligt. Außerdem ist sie durch die Sanierung der Therme vor zehn Jahren hoch verschuldet, es geht um ausstehende Kredite in Höhe von mehreren Millionen Euro. Die wurden bisher unter anderem durch die Pacht der GWC bezahlt: etwa 800 000 Euro jährlich.

Auf der anderen Seite stehen die Kosten für die anstehenden Brandschutzmaßnahmen. Wie unsere Zeitung aus verschiedenen Quellen erfahren hat, soll es um fünf bis sechs Millionen Euro gehen. Kein kleiner Posten für die Chiemgau-Gemeinde, die für dieses Jahr noch keinen Haushalt aufgestellt hat.

Die verzwickte Lage ruft auch Kritiker auf den Plan. Unter ihnen Eduard Huber, der seit einem Jahr für die Grünen im Gemeinderat sitzt. Die Missstände seien seit vielen Jahren bekannt, sagt er. Auch das Landratsamt habe schon mehrmals Fristen gesetzt. „Man hat dann immer um Fristverlängerung gebeten und immer wieder kleinere Maßnahmen umgesetzt.“ Alles in allem sei das aber ein Durchwurschteln gewesen. „Man hat Geld in die Therme gesteckt, ohne wirklich einen Plan zu haben.“ Außerdem habe nie jemand ernsthaft über Alternativen nachgedacht. Dazu gehöre etwa, die Außenanlagen der Therme zu verkleinern – oder sie eben zu schließen.

Problem mit dem Brandschutz sei lösbar in der Therme Bad Endorf

Daran möchte im Bad Endorfer Rathaus tatsächlich kaum jemand denken. Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, der sich für den Erhalt von Bayerns Heilbädern stark macht, winkt ab: „Eine Schließung wäre kontraproduktiv für alle Gesundheitsstandorte in Bayern“, sagte er unserer Zeitung. Das Problem mit dem Brandschutz sei lösbar – „aber es braucht seine Zeit“.

Die ist nicht allzu üppig bemessen. Entsprechend ernst nehmen die Verantwortlichen die Frist bis Samstag. Beim Landratsamt wird man das wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Das, heißt es unter der Hand, wolle nach so viel Hin und Her nun endlich Taten sehen – und mache daher so plötzlich Druck. Bürgermeisterin Laban und die GWC sind sich jedenfalls in einem Punkt einig: Eine Lösung muss her – und es wird eine Lösung geben.

Marcus Mäckler

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