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Journalisten drängen sich vor den Gerichtssaal, in dem die Verhandlung gegen Helg Sgarbi stattfindet.

Klatten-Prozess: Das Protokoll aus dem Gericht

München - Reiche Frauen waren sein Spezialgebiet. Er verführte sie und erleichterte sie um Millionen - unter ihnen auch die reichste Frau Deutschlands, die Quandt-Erbin Susanne Klatten.

Am Montag musste sich der Schweizer Helg Sgarbi vor dem Landgericht München I verantworten. Alle Fragen und Antworten zur Verhandlung finden Sie hier.

Das Protokoll aus dem Gerichtssaal

13.46 Uhr: Der Blitzprozess gegen den Klatten-Erpresser ist nach nicht einmal vier Stunden Verhandlung zu Ende.

13.44 Uhr: Der Vorsitzende Richter stellt eine "gewisse Leichtfertigkeit der Opfer" fest. Helg Sgarbi werde seine Strafe vollständig verbüßen müssen.

13.42 Uhr: Die Begründung des Gerichts: Durch das Geständnis des Schweizers sind den Geschädigten Aussagen erspart geblieben, die Bloßstellung in der Öffentlichkeit erspart geblieben; deshalb habe sich das Geständnis erheblich auf das Strafmaß ausgewirkt.

Bilder vom Klatten-Prozess

Der Prozess im Fall Klatten

13.39 Uhr: Das Urteil: Sechs Jahre Freiheitsstrafe für Helg Sgarbi. Der Verurteilte blickt betreten zu Boden.

13.37 Uhr: Noch ist das Urteil nicht verkündet, Helg ist umringt von Journalisten, er lacht, plaudert mit seinen Anwälten und mit italienischen Journalisten.

13.30 Uhr: Mit Spannung wird erwartet, ob das Urteil tatsächlich jetzt schon verkündet wird.

12.47 Uhr: Das Gericht beraumt eine Beratungspause bis 13.30 Uhr an. Dann soll das Urteil verkündet werden.

12.45 Uhr: Der Angeklagte meldet sich noch einmal persönlich zu Wort: "Ich schließe mich den Worten meiner Verteidiger an."

12.44 Uhr: Gontersweiler findet die Strafe, die der Staatsanwalt gefordert hat, viel zu hoch. Neun Jahre seien  in der Schweiz unmöglich für diese Taten. Er fordert ein Urteil, das allen gerecht werde.

12.35 Uhr: Jetzt plädiert der zweite Verteidiger des Schweizer Angeklagten: Till Gontersweiler.

12.22 Uhr: Geis fordert fünf Jahre Haft für seinen Mandanten. Susanne Klatten habe keinen großen Schaden erlitten.

12.18 Uhr: Der Verteidiger Sgarbis, Egon Geis, beginnt mit seinem Plädoyer.

12.17 Uhr: Jetzt fordert der Staatsanwalt das Strafmaß: neun Jahre Freiheitsstrafe! Helg Sgarbi schaut in diesem Moment starr nach vorne.

12.14 Uhr: Der Staatsanwalt spricht von einem "Zweckgeständnis" des Angeklagten, das "Ross und Reiter" nicht nenne. Allerdings müssten weitere Zeugen nicht geladen werden - das habe allein in der Hand des Angeklagten gelegen. Jemand, der sich nicht zum Verbleib der Beute oder zu Hintermännern äußere, könne auch später im Strafvollzug nicht mit Milde rechnen, sagt der Staatsanwalt.

12.12 Uhr: Steinkraus-Koch sagt, die Aufnahmen im Fall H. und Fall Klatten seien relativ früh im Verlauf der Beziehung entstanden - "auf Vorrat". Das spreche für planvolles Handeln des Angeklagten. 

12.06 Uhr: Der Staatsanwalt spricht von einer überaschenden Wende. Der Angeklagte habe alles "im Kern" gestanden. Allerdings blieben Fragen offen. Wo ist das Geld? Wo sind die Videos? Was ist mit der Tatbeteiligung von Barretta?

12.02 Uhr: Der Staatsanwalt beginnt mit seinem Plädoyer.

12.01 Uhr: Das Gericht spricht das Ende der Beweisaufnahme aus.

11.59 Uhr: Der erste Zeuge wird entlassen, nachdem auch der Staatsanwalt seine Fragen gestellt hat.

11.48 Uhr: Über den Verbleib des Erpresser-Videos kann auch der Polizist nur spekulieren: Es sei möglicherweise verbrannt worden.

11.45 Uhr: Der Ermittler beschreibt, wie das Video im Hotelzimmer des "Holiday Inn" gemacht wurde. So soll die Kamera am Bettende aufgebaut gewesen sein. Die Auswertung von Sgarbis Computer habe ergeben, dass es wahrscheinlich ein mindestens 38 Minuten langes Video von dem intimen Treffen mit Klatten gibt. Einen siebenminütigen Ausschnitt hatte der Schweizer an die Milliardärin geschickt. "Wo der Rest dieser Aufnahme ist, wissen wir nicht", sagte der Polizist.

11.32 Uhr: Thema ist nun die Verbindung Sgarbis zu einer italienischen Sekte und deren Guru Ernani Barretta. Die erpressten Millionensummen soll Sgarbi zumindest teilweise Barretta gegeben haben. Laut Staatsanwaltschaft gilt er als mutmaßlicher Mittäter, gegen ihn besteht ein europäischer Haftbefehl. Jedoch will die italienische Justiz auch die in Deutschland begangenen Taten verhandeln.

11.28 Uhr: Unter Prozessbeobachtern geht das Gerücht um, dass Sgarbis Frau auf der Zuschauertribüne sitzt.

11.25 Uhr:  Der Richter fragt, wie die Affäre öffentlich wurde. Im Saal breitet sich Gelächter aus. S. berichtet, dass das Informationsleck in Italien vermutet wird. Dort hatte ein Unbekannter die Ermittlungsakten zur Verfügung gestellt. 

11.18 Uhr: Der Richter möchte wissen, wo das viele Geld geblieben ist. Der Polizist kann nur spekulieren. Zwischen drei und vier Millionen Euro der Beute - als Bargeld oder auch in Grundstücken und Immobilien - seien bislang aufgetaucht. "Dann würden immer noch sechs Millionen fehlen", sagte Richter Gilbert Wolf.

11.05 Uhr: S. sagt aus, dass Susanne Klatten im Januar 2008 bei der Polizei erschienen ist und eine Zeugenaussage gemacht hat. Eine Woche später wurde Sgarbi in Tirol festgenommen. Dort wollte er sich mit der BMW-Erbin treffen. In seinem Audi, einem Audi Q7, fand die Polizei Telefonnummern. Durch Anrufe bei diesen Nummern fanden die Ermittler auch die anderen geschädigten Frauen.  

10.52 Uhr: Im Zeugenstand hat ein Polizeibeamter Platz genommen. Es handelt sich um einen Ermittler vom Landeskriminalamt. Der Prozess geht weiter.

10.48 Uhr: Die Pause ist vorbei. Ursprünglich waren nur fünf Minuten angesetzt. Da die zahlreichen Journalisten aber die Staatsanwälte und Verteidiger mit Fragen gelöchert haben, hatte sich die Prozessfortsetzung verzögert.

10.25 Uhr: Oberstaatsanwaltschaft Anton Winkler sagt in der Prozesspause, dass die Opfer wahrscheinlich keine Aussagen vor Gericht machen müssen. Prozessbeobachter vermuten aber, dass die Richter die Damen möglicherweise doch vernehmen, um eine Revision zu vermeiden.

10.22 Uhr: Die Richter ordnen eine kurze Pause zur Beratung an.

10.15 Uhr: Das Gericht fragt den Angeklagten, ob sein Auto, ein Audi Q7, formlos eingezogen werden könnte. Mit dem Auto war er auch zu seinen Opfern gefahren. Sgarbi gibt sich betont kooperativ und sagt: "Ich stimme zu."

10.12 Uhr: Sgarbi verfolgt die Ausführungen mit einem freundlichen Gesichtsausdruck, ab und zu presst er die Lippen aufeinander und lächelt verhalten.

10.06 Uhr: Jetzt geht der Verteidiger gemeinsam mit dem Gericht den Lebenslauf Sgarbis durch. Er hat eine Tochter, ist Jurist, spricht sechs Sprachen fließend. Seine Hobbies: Kunst, Tennis, Segeln und Architektur. Nach seiner Zeit als Offizier bei der Schweizer Armee arbeitete er für eine Bank - dort schätzte man ihn als freundlichen, hilfsbereiten Kollegen.

10.05 Uhr: Der Staatsanwalt stellt Fragen zum Verbleib der erpressten Millionen und der Videos und zu möglichen Mittätern - doch Sgarbi gibt keine Antworten.

10.04 Uhr: Das bedeutet, dass die vier Opfer mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht persönlich aussagen müssen. Susanne Klatten war ohnehin nicht zum ersten Prozesstag erwartet worden.

10.03 Uhr: Nun erhelbt sich Sgarbi selbst. Er gibt eine persönliche Erklärung ab. Mit fester Stimme sagt er: "Ich möchte folgende Erklärung abgeben. Ich bedauere das Vorgefallene zutiefst und entschuldige mich hier in dieser Hauptverhandlung und in aller Öffentlichkeit bei den geschädigten Damen."

10.02 Uhr: Sgarbi gesteht also, die vier Damen betrogen zu haben. Die Summen bestätigt der Anwalt. Außerdem gibt der Angeklagte zu, Susanne Klatten und sein Opfer H. mit einem Video erpresst zu haben.

10.01 Uhr: Der Verteidiger Geis gibt für seinen Mandanten eine Erklärung ab. "Die Vorwürfe der Anklage treffen im Kern zu", sagt der Jurist.

10.00 Uhr: Der Staatsanwalt beendet das Verlesen der Anklage.

09.40 Uhr: Die Staatsanwaltschaft wirft Sgarbi in vier Fällen Betrug im besonders schweren Fall und in zwei Fällen zusätzlich versuchte Erpressung im besonders schweren Fall vor.

09.36 Uhr: Die mehrere Seiten umfassende Anklageschrift wird verlesen. Sgarbi verfolgt das mit hochrotem Kopf.

09.35 Uhr: Der Staatsanwalt Steinkraus-Koch hat keine Einwände, das Gericht gibt dem Antrag statt. Anders als ursprünglich geplant, werden die Opfer mit Frau H., R. und S. abgekürzt.

09.33 Uhr: Die Verteidigung stellt den Antrag, dass die Anklage nur mit Einschränkungen vorgelesen wird. Das bedeutet, dass die Namen der anderen drei Damen, die Sgarbi neben der prominenten Susanne Klatten geschädigt hat, nur abgekürzt genannt werden. Die Opfer hätten gesellschaftliche Nachteile, falls ihre Identität bekannt wird, argumentierte Sgarbis Anwalt Egon Geis.

09.32 Uhr: Der 44-Jährige erzählt in Schweizer Dialekt, wann er geboren ist, dass er verheiratet ist und als Dolmetscher arbeitet.

09.31 Uhr: Richter Wolf befragt Sgarbi nach seinen persönlichen Daten.

09.30 Uhr: Pünktlich eröffnet der Vorsitzende Richter Dr. Gilbert Wolf die Verhandlung gegen den Gigolo Helg Sgarbi.

09.29 Uhr: Polizisten gehen nun durch die Reihe und fordern die Journalisten einzeln auf, alle Tonbandgeräte auszumachen.

09.28 Uhr: Sgarbi steht - in dunkelblauem Anzug, weißem Hemd, dunkelblauer Krawatte mit hellblauen Punkten, mit Brille, ohne Handschellen - stoisch hinter der Anklagebank und lässt das etwa zehn Minuten dauernde Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen.

09.25 Uhr: Helg Sgarbi und das Gericht betreten den Verhandlungsraum. Der Angeklagte ist seit 350 Tagen in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim inhaftiert. Es beginnt ein Blitzlichtgewitter.

09.20 Uhr: Jetzt ist auch der zuständige Staatsanwalt, Thomas Steinkraus-Koch, im Saal A 101.

09.17 Uhr: Nun verschwinden die Anwälte in das Zimmer hinter dem Gerichtssaal. Dort wartet der Angeklagte Helg Sgarbi auf den Beginn der Verhandlung.

09.15 Uhr: Die Verteidiger Egon Geis aus Frankfurt und Till Gontersweiler aus Zürich kommen in den Raum. Um zur Anklagebank zu kommen, müssen sie über ein rot-weißes Absperrband klettern. Mit der Begrenzung rund um die Sitzplätze der Verteidigung soll verhindert werden, dass die Journalisten dem Angeklagten auf seinem Platz zu nahe kommen.

09.10 Uhr: Ein Richter hat für wenige Sekunden den Gerichtssaal betreten, um die Journalisten daraufhinzuweisen, dass das Fotografieren während der Verhandlung strengstens verboten ist.

09.05 Uhr: Jetzt füllt sich auch die Zuschauertribüne oberhalb des Gerichtssaals. Etwa 50 Personen haben dort Platz.

09.00 Uhr: 150 Journalisten und drei Kamerateams haben in den Sitzreihen Platz genommen. Um einen noch größeren Andrang zu vermeiden, haben Fernseh- und Radiosender eine Art Pool gebildet.

08.45 Uhr:Der Gerichtsaal A 101 wird geöffnet.

08.40 Uhr: Bereits seit 8 Uhr drängen sich Journalisten vor dem Gerichtssaal. 150 Medienvertreter haben sich angekündigt, dem Prozess beizuwohnen.

Aus dem Prozess berichten Bettina Link und Nina Gut.

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