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Einsatzkräfte bei dem in den Straßengraben gerutschten Auto an der B 20. Bei dem Versuch, den Pkw wieder flott zu bekommen, starben zwei Helfer.

Tief „Petra“ und die Folgen

München - Tief „Petra“ ließ fast ganz Deutschland im Schnee versinken – und legte vor allem Nordbayern und Schwaben lahm. In Niederbayern starben zwei Helfer bei einem Abschleppversuch.

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Helfer sterben bei Abschleppversuch

Die beiden 54- und 44-jährigen Freunde hatten es sich vor dem Fernsehen gemütlich gemacht, als am Donnerstagabend um 20 Uhr das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung ein 54 Jahre alter Bekannter. Er war auf der B 20 bei Aiterhofen (Kreis Straubing-Bogen) in den Graben gerutscht und brauchte Hilfe bei der Bergung. Parallel alarmierte er einen Abschleppdienst. Als die beiden Freunde eintrafen, stand der Abschleppwagen schon mit eingeschaltetem Blinklicht mitten auf der Fahrbahn, der Unternehmer versuchte, den Wagen mit einer Seilwinde herauszuziehen.

Die beiden späteren Unfallopfer standen zwischen Abschleppwagen und Böschung, als ein Autofahrer nahte. Der 30-Jährige erkannte die Unfallsituation zu spät und erfasste die beiden Freunde. Sie wurden meterweit durch die Luft gewirbelt und waren auf der Stelle tot. Der 30-Jährige, der nicht alkoholisiert war, erlitt einen Schock und musste ins Krankenhaus. Das 54-jährige Unfallopfer hinterlässt eine Familie, der 44-Jährige war ledig.

Aiterhofen - schwerer Unfall: Helfer sterben bei Abschleppversuch

Helfer sterben bei Abschleppversuch

Auch im Landkreis Passau gab es glättebedingt einen schrecklichen Unfall: Ein 60-Jähriger kam auf schneebedeckter Straße ins Schlittern und prallte mit dem Auto gegen einen Baum. Er starb.

Glimpflich ging es am Freitag auf den Straßen in Oberbayern ab. „Wir sind ziemlich verschont geblieben“, meldete das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd in Rosenheim. Die Kollegen von Oberbayern-Nord in Ingolstadt berichteten von 92 zum Teil witterungsbedingten Unfällen zwischen 5 Uhr früh und 15.30 Uhr – neun davon mit Verletzten. „Das ist aber für zehn Landkreise nicht viel.“ In Haag in Oberbayern (Kreis Mühldorf) stürzte Freitagabend das Vordach eines Drogeriemarktes unter den Schneemassen ein. Menschen wurden nicht verletzt.

In Nordbayern hatten Einsatzkräfte vor allem auf den Autobahnen viel zu tun. auf der A 9 Nürnberg-Bayreuth bleiben nahe Lauf an der Pegnitz rund 40 Lastwagen an einer Steigung liegen. Das THW benötigte mehrere Stunden, um die Lkw frei zu schleppen. Ähnliche Situationen gab es im Allgäu.

Schneefreie Autobahnen kosten am Tag vier Millionen Euro. Das hat der ADAC errechnet. Eine Räum- und Streupflicht existiert übrigens laut Bundesfernstraßengesetz nur an besonders gefährlichen Stellen.

Sorgenkind Flugverkehr: Am Flughafen München wurden rund 100 Flüge annulliert, weil Start- und Landebahn abwechselnd geräumt werden mussten. Zum Vergleich: In Frankfurt fielen 260 Verbindungen aus.

Sorgenkind Bahn: S-Bahnen rund um München hatten am Freitag immer wieder Verspätungen, zum Beispiel seit Freitagnachmittag auf der Linie S 4 – Weichenstörungen. Ungewöhnlich: Die 19 Weichenheizungen bei Geltendorf werden mit Gas betrieben, nach drei Wochen Nonstop-Einsatz waren die Tanks leer. Eine Nachlieferung durch Lkw war wegen der Straßenverhältnisse gestern nicht möglich. Die S-Bahnen wendeten schon in Grafrath, die übrigen Stationen mussten mit Regionalzügen angefahren werden. Kuriosum im Ammertal: Auf Grund von „technisch bedingten Fahrzeugengpässen“ gibt es an diesem Wochenende auf der Nebenlinie Murnau-Oberammergau keine Züge. Es fahren dafür Busse. Im Großraum Regensburg sowie in Kempten blieben mehrere Züge hängen.

Gegenüber den Verhältnissenim übrigen Deutschland waren die Zustände in Bayern aber wohl ein laues Lüftchen. Besonders prekär: Der Wintereinbruch behindert die Versorgung vonTankstellen. In Thüringen und Sachsen wurden erste Zapfsäulen geschlossen. „Die Tanklastwagen kommen mit dem Nachschub wegen der glatten Straßen mancherorts nicht mehr durch“, sagte eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands.

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