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Der Angeklagte wurde freigesprochen.

Tiefgaragenmord: Angeklagter freigesprochen

Erlangen - Seit Oktober hat das Nürnberger Landgericht Akten gewälzt, Zeugen verhört, Videos angeschaut, den Tatort besichtigt und sich immer wieder gefragt: Ist der 45 Jahre alte Angeklagte nicht nur ein Kinderschänder, sondern auch ein Mörder?

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Da es keine wasserdichten Beweise, sondern nur Indizien gab, blieb die Antwort auf diese Frage für Prozessbeobachter bis zum Ende völlig offen. Am Dienstag dann das Urteil: Die Beweislage reicht nicht aus.

Die zahlreichen Indizien, die Oberstaatsanwalt Wolfgang Gründler in einer 735 Seiten starken Anklageschrift präsentierte, reichten nach Ansicht des Gerichts nicht aus, um den schmächtigen Mann mit den kurzen Stoppelhaaren wegen Mordes zu verurteilen. “Es ist auch kein zwingendes Tatmotiv erkennbar“, sagte der Vorsitzende Richter. Dagegen sah es die Schwurgerichtskammer als erwiesen an, dass der Familienvater seine eigene Tochter jahrelang sexuell missbrauchte. Hierfür muss der 45-Jährige vier Jahre hinter Gitter.

Mit dem Freispruch von dem Mordvorwurf wird vermutlich niemals jemand für den gewaltsamen Tod an der 27 Jahre alten Arzthelferin in einer Erlanger Tiefgarage zur Rechenschaft gezogen werden. Denn bei dem Mord im März 1999 gab es keine Zeugen, niemand hatte gesehen, wer die junge Frau auf dem Weg zur Arbeit abpasste und mit mehreren Messerstichen umbrachte. Die Polizei stand damals vor einem Rätsel: Die 27-Jährige war weder vergewaltigt noch ausgeraubt worden. Und niemand hatte einen Grund, die verwitwete Mutter einer nur wenige Monate alten Tochter umzubringen.

Der Angeklagte - hier wurde er im Oktober 2009 zur Tatortbegehung gebracht

Niemand, außer dem nun vom Mordvorwurf Freigesprochenen - davon war zumindest Staatsanwalt Gründler überzeugt. Denn der Angeklagte hatte nach seiner Scheidung seine Tochter sexuell missbraucht, sie als Haushälterin und Babysitterin für den jüngeren Bruder benutzt. “Er missbrauchte die Tochter auch als Arbeitssklavin“, sagte der Richter. Noch heute sei die junge Frau in psychologischer Behandlung.

Die Staatsanwaltschaft, die nun prüft, ob sie in Revision geht, warf dem 45-Jährigen in dem komplizierten Indizienprozess vor, dass er die Arzthelferin brutal erstochen habe, um zu verhindern, dass sich das missbrauchte Mädchen seiner Patin anvertrauen könnte. In das Visier von Staatsanwaltschaft und Polizei war der intellektuell stark eingeschränkte Mann, der weder richtig lesen noch schreiben kann, erst wieder Jahre nach der Tat aufgrund der Missbrauchsanzeige der Tochter gerückt.

Seit Januar 2008 sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Vor Gericht räumt er den Missbrauch seiner Tochter unumwunden ein. Den Mord bestreitet der Anwalt des Angeklagten in dessen Namen jedoch.

Weil der 45-Jährige selbst bis zum Schluss kein Wort sagt, hört das Gericht zahllose Zeugen - und erlebt eine spektakuläre Festnahme, als wegen eines gelogenen Alibis bei der Ex-Freundin des Mannes die Handschellen klicken. Der richtig harte Beweis für den Mord bleibt aber aus, da einige Zeugen sich wegen der langen Zeitspanne nur noch unscharf erinnern können.

“Für manche wird es nicht einfach sein, das Urteil zu akzeptieren“, sagte der Richter. Der Mord-Tatverdacht sei zwar hinreichend gewesen - für eine Verurteilung des 45-Jährigen habe es aber an Beweisen gefehlt, dass nur er der Täter sein könne. Zudem seien unter einem Fingernagel des Opfers DNA-Spuren gefunden worden, die aber nicht dem 45-Jährigen, sondern eher dem Täter zuzuordnen sind. Zweifel an der Indizienkette weckt außerdem ein nicht aufgezeichneter Anruf, der wenige Wochen nach dem Mord bei der “Soko Susanne“ eingegangen war. “Der Anrufer hatte Insiderwissen - es war vermutlich der Täter.“

dpa

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