Tiefgaragenmord: Scheitert der Prozess erneut?

Nürnberg-Fürth/Erlangen - Nach dem Mord in einer Erlanger Tiefgarage vor zwölf Jahren droht die Wiederauflage des Prozesses gegen den mutmaßlichen Mörder zu scheitern. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft soll der Verteidigung Beweismaterial vorenthalten haben.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder einer 27-Jährigen in einer Erlanger Tiefgarage steht auf der Kippe: Bevor das Verfahren vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth am Donnerstag richtig begonnen hatte, beantragte die Verteidigung die Aussetzung des Verfahrens. Die Anwälte des 46-Jährigen machten geltend, keine vollständige Akteneinsicht bekommen zu habe. Außerdem habe die Staatsanwaltschaft am Gericht vorbei ermittelt. Nach pointierten Wortwechseln und einer spontanen Zeugenanhörung will die Kammer ihre Entscheidung über eine Aussetzung nun am kommenden Dienstag verkünden.

Es ist bereits das zweite Mal, dass der Angeklagte wegen des gewaltsamen Todes der Arzthelferin im Jahr 1999 vor Gericht steht. Beim ersten Prozess wurde der Landschaftsgärtner aus Mangel an Beweisen von dem Mordvorwurf freigesprochen und nur wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof kassierte jedoch diese Entscheidung und verwies den Fall zurück an das Landgericht.

Verteidigung moniert, dass ihr die Akten nicht vollständig vorlagen

Dort monierte die Verteidigung nun, dass ihr Akten über neue Ermittlungen nicht in Gänze vorlägen. So wurden - gerichtlich angeordnet - Telefone von Zeugen abgehört und verdeckte Ermittler eingesetzt. “Hierüber haben wir nur ganz unvollständige Informationen bekommen, und zwar erst eine Woche vorher“, sagte Anwalt Peter Doll.

Dem widersprach Oberstaatsanwalt Wolfgang Gründler vehement. Die Parteien einigten sich zuletzt auf eine Überspielung der fraglichen Audio-Dateien aus zwei Telefonüberwachungen auf DVD. Die Verteidigung beharrte aber weiterhin darauf, nicht abschätzen zu können, wie viel Zeit sie für das Abhören benötige. Über das weitere Vorgehen will die Kammer, die für einige der Vorwürfe Verständnis zeigte, nun bis Dienstag entscheiden. Wird ein Verfahren für mehr als drei Wochen unterbrochen, muss es anschließend neu aufgerollt werden.

dpa

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