+
Durch den Mittenwalder Ortsteil Gries führen Josef Frank (links) und Andreas Sailer vom Ziegenhalterverein Mittenwald ihre Goaßn.

Durchwachsener Almsommer

Tiere kommen früher zurück ins Tal

Immenstadt/Miesbach - Der Bergsommer ließ sich zunächst gut an, doch Regen ohne Ende im August trübt die Bilanz. Trotzdem sind die Bauern der Alpen und Almen im Allgäu und in Oberbayern nicht unzufrieden. Sorgen bereiten so manchem Landwirt unerklärliche Vergiftungen ihrer Rinder.

Mit dem Mittenwalder Ziegenabtrieb hat am Samstag das Ende des Bergsommers begonnen. 2000 Besucher freuten sich über das Spektakel, bei dem 250 Ziegen und Böcke vom Ferchensee hinunter in den Ort getrieben wurden. Mittenwald war aber nur der Auftakt für das, was nun noch folgen wird. Bis Ende des Monats werden jetzt mehr als 50 000 Jungrinder und Milchkühe von den rund 1400 Allgäuer Alpen und den oberbayerischen Almen ins Tal getrieben, wo sie ihre Winterquartiere beziehen.

Die Bergbauern haben eine zuletzt verregnete Saison hinter sich. „Seit Mitte Juli hatten wir Regenwetter“, sagt Franz Hage, Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins Allgäu. Dennoch ist er nicht unzufrieden. „Für die Tiere war es eine gute Saison. Sie mögen es lieber feucht und kühl als zu heiß. Und durch den Regen war der Grasaufwuchs gut.“ Sogar auf den südseitigen Weiden, die in anderen Jahren häufig zu trocken sind, hätten die Tiere ausreichend Futter gefunden, sagt Hage.

Trotzdem hätten sich die Hirten zwischendurch ein paar trockene Tage gewünscht. „Das Vieh macht bei der Nässe viel Dreck und gräbt die Weiden um.“ Fußbrüche blieben da nicht aus. Wie viele Tiere in diesem Jahr im Allgäu bei Abstürzen, durch Blitz oder in Folge von Fußverletzungen ums Leben kamen, kann Hage noch nicht sagen. „Es waren auf jeden Fall mehr als im letzten Jahr.“

Auch auf den rund 700 oberbayerischen Almen fällt die Bilanz durchwachsen aus. Nach einem milden Winter hätten die gut 20 000 Rinder, darunter nur an die 1000 Milchkühe, deutlich früher als sonst aufgetrieben werden können, heißt es beim Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern in Miesbach. Zunächst habe es genügend saftiges Futter für die Tiere gegeben. Nach dem anhaltenden Regen im Juli und August sei der Ertrag aber rapide gesunken, berichten Almbauern. Deshalb müsse das Vieh teils bis zu zwei Wochen früher in seine Winterquartiere zurückkehren – nicht zuletzt deshalb, weil es das rar gewordene Futter auf den durchweichten Böden auch noch zertrat.

Sorgen bereitet manchem Almbauern, dass etliche Tiere neben den üblichen Verlusten durch Blitz, Brüche oder Absturz an bisher unerklärlichen Vergiftungen eingingen. Zwar wird eine natürliche Ursache vermutet, etwa Schlangenbisse oder Allergien durch viele Wespenstiche, doch sei die Zunahme besorgniserregend, hieß es. Wenn die Hirten mit dem Vieh nach etwa 100 Tagen von den Alpen ins Tal zurückkehren, wird dies im Allgäu in den bergnahen Orten traditionell mit großen Volksfesten gefeiert. Für den Abtrieb werden den Rindern große, schwere Schellen aus Schwarzblech um den Hals gehängt. Mit ihrem Geläut kündigen sie schon von weitem ihre Ankunft an. Zehntausende Einheimische und Touristen lockt das Spektakel jedes Jahr an.

Ist der Bergsommer unfallfrei verlaufen, führt ein Rind mit farbenprächtigem Kopfschmuck die Herde an. Die Landwirte hoffen darauf, dass ihr Jungvieh nach dem langen Aufenthalt im Freien gesund und widerstandsfähig ist. In Oberbayern wird das Ende des Bergsommers eher im Stillen gefeiert. Die Almabtriebe sind eher ein Fest für die Familie – Urlauber bekommen wenig davon mit.

Von Birgit Ellinger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann bedroht Einsatzkräfte mit Axt und verschanzt sich
Ein Mann ist im Landkreis Dillingen mit einer Axt auf Rettungskräfte und Polizisten losgegangen. Anschließend verschanzte er sich in seinem Haus.
Mann bedroht Einsatzkräfte mit Axt und verschanzt sich
Verhängnisvolle Pannenhilfe: Sex-Täter begrapscht Frau
Ein widerlicher Übergriff hat sich in Niederbayern ereignet. Eine junge Frau wollte einem Mann helfen, der anscheinend eine Panne hatte. Das endete für sie in einem …
Verhängnisvolle Pannenhilfe: Sex-Täter begrapscht Frau
Bakterien bringen Heustöcke zum Gären - Feuer droht
In Kempten kam es am Dienstagnachmittag zu einem Feuerwehreinsatz. Der Grund: Überhitzte Heustöcken drohen, sich zu entzünden. 
Bakterien bringen Heustöcke zum Gären - Feuer droht
Bayern will Unwetter-Opfern die Steuer stunden
Mit steuerlichen Hilfsmaßnahmen soll den Opfern der jüngsten Unwetter aus Bayern geholfen werden. Das ist zumindest der Plan des Finanzministers.
Bayern will Unwetter-Opfern die Steuer stunden

Kommentare