Stadtzentrum und Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Tirschenreuth
+
Stadtzentrum und Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Tirschenreuth

Kleine bayerische Kreisstadt

Tirschenreuth

Tirschenreuth ist traditionell bekannt für seine Porzellanmanufakturen und die Fischzucht. Heutzutage sind in der Kleinstadt auch mehrere große Industriebetriebe ansässig.

  • Tirschenreuth ist aufgrund seiner geringen Einwohnerzahl eine der kleinsten Kreisstädte Bayerns.
  • Die Zugehörigkeit zum Kloster Waldsassen bestimmte die Geschichte der Stadt maßgeblich und endete erst im 19. Jahrhundert.
  • Im geteilten Deutschland brachte die Lage der Stadt im Zonenrandgebiet wirtschaftliche Nachteile mit sich.

Tirschenreuth – Am 15. März 2000 fanden bayerischen Kommunalwahlen statt. In diesem Rahmen waren die wahlberechtigten Bürger der Stadt Tirschenreuth aufgefordert, die Mitglieder des Stadtrats neu zu wählen. Sie entschieden sich mehrheitlich für die Partei CSU, die mit über 53 Prozent ein ausgezeichnetes Ergebnis erzielte. Seit vielen Jahrzehnten prägt die bayerische Partei die Politik in der oberpfälzischen Stadt.

Tirschenreuth: Geografische Verhältnisse und Lage

Tirschenreuth liegt im Norden der Oberpfalz. Die Stadt gilt als wichtigste Gemeinde im Stiftland, das über Jahrhunderte im Besitz des Klosters Waldsassen stand. Die nächste bayerische Großstadt ist Regensburg und befindet sich in 120 Kilometern Entfernung. Dagegen liegen die kleineren Städte Marktredwitz, Cheb und Weiden in der Oberpfalz mit nur 30 Kilometern deutlich näher an Tirschenreuth. Die Grenze zum Nachbarland Tschechien ist 15 Kilometer entfernt. Diese Lage erwies sich in der Nachkriegszeit bis zum Fall des Eisernen Vorhangs als großes Hemmnis für die Entwicklung der Wirtschaft in der Region. Heute ist die zentrale Lage im vereinigten Europa ein ökonomischer Vorteil.

Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von knapp 104 Quadratkilometern. Tirschenreuth liegt auf einer Höhe von 504 Metern. Im Norden der Stadt werden seit Jahrhunderten zahlreiche Fischteiche betrieben. Dieser lokale Wirtschaftszweig führte zur Bezeichnung von Tirschenreuth als „Stiftländer Teichpfanne“. Mit der sumpfigen Waldnaab-Aue hat die Stadt im Westen eine weitgehend unberührte Naturlandschaft.

Tirschenreuth liegt aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds in einem vulkanisch gefährdeten Bereich Europas. Vereinzelt ereignen sich kleinere Erdbeben in dieser Region.

Tirschenreuth: Die Geschichte von der Frühzeit bis zum Mittelalter

Bereits seit dem 7. Jahrhundert ist die Region Tirschenreuth besiedelt. Slawen ließen sich hier nieder. Um die Jahrtausendwende kam das Gebiet unter die Herrschaft der Babenberger Markgrafen. In dieser Epoche fingen deutsche Siedler an, sich von Tirschenreuth aus im Egerland niederzulassen. Die gesicherte erste urkundliche Erwähnung von Tirschenreuth stammt aus dem Jahr 1134.

Historiker gehen davon aus, dass die Grafen von Leiningen Tirschenreuth 1138 als Lehen besaßen, das ihnen von König Konrad III überlassen wurde. Im weiteren Verlauf der Geschichte herrschten Angehörige des Adelsgeschlechts der Hartenberger und danach die Grafen von Ortenburg über die Region. Bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts legten die Bewohner von Tirschenreuth großflächige Fischteiche an.

1217 übernahm das Kloster Waldsassen Tirschenreuth. Dessen Abt veranlasste den Ausbau der Fischzucht und ließ einen weiteren großen Teich anlegen. 1306 erhielt die Stadt das Marktrecht. Die Wirtschaft Tirschenreuths profitierte von der Lage an zwei wichtigen bayerischen Handelswegen. Im 14. Jahrhundert kam es zur Befestigung der Stadt durch eine Mauer. 1364 erhielt Tirschenreuth zwar das Stadtrecht, unterstand aber weiterhin der Gerichtsbarkeit des Klosters Waldsassen.

Tirschenreuth: Die Geschichte der Stadt vom Dreißigjährigen Krieg bis ins 19. Jahrhundert

Nachdem die Stadt Tirschenreuth 1613 durch einen verheerenden Brand in weiten Teilen zerstört worden war, brach fünf Jahre später der Dreißigjährige Krieg aus. Von Beginn an besetzten immer wieder Truppen von Heeren unterschiedlicher Nationen die Stadt, unter anderem auch die schwedische Armee. Der bayerische Herzog Maximilian I eroberte im Verlauf des Krieges die Stadt. Er rekatholisierte große Teile der Bevölkerung, die zwischenzeitlich zum reformierten Bekenntnis übergetreten waren. 1633 ereignete sich ein weiterer Brand mit katastrophalen Folgen. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges im Frühjahr 1648 besetzten schwedische Truppen erneut die Stadt und plünderten sie.

Nach Kriegsende erlangte Kurfürst Maximilian II die Herrschaft über die Region. Durch dessen Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg kam es zur Eroberung großer Teile Bayerns durch österreichische Truppen. Anfang des 18. Jahrhunderts übernahm Johann Wilhelm von der Pfalz die gesamte Oberpfalz und damit auch Tirschenreuth.

Tirschenreuth: Die Geschichte vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart

Während der folgenden Jahrhunderte blieb Tirschenreuth dem Kloster Waldsassen unterstellt. Dieser Zustand endete erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Besitztümer der katholischen Kirche, darunter auch das Kloster Waldsassen, in staatlichen Besitz übergingen. Damit bildete Tirschenreuth einen Teil des Kurfürstentums Bayerns und anschließend des 1806 gegründeten Königreichs Bayern.

Im Sommer 1814 kam es erneut zu einem verheerenden Brand, der Tirschenreuth nahezu vollständig zerstörte. Die Industrialisierung setzte in dieser Region früher ein als in anderen bayerischen Gebieten: Nach der Entdeckung des Gesteins Kaolins, einem wichtigen Rohstoff für die Porzellanherstellung, wurden mehrere Porzellanfabriken gegründet. Der Anschluss an das bayerische Eisenbahnnetz erfolgte 1864 und förderte den weiteren Aufschwung der Wirtschaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg litt die Bevölkerung Tirschenreuths unter dessen Folgen und der Weltwirtschaftskrise. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt von Bombardements verschont. Die Stadt ergab sich den vorrückenden US-amerikanischen Truppen kampflos und wurde nach Kriegsende zur amerikanischen Besatzungszone. In der Nachkriegszeit musste die Stadt den Niedergang der Porzellanindustrie und den Rückbau der Bahnverbindung hinnehmen. 2013 trug Tirschenreuth die Landesgartenschau aus.

Tirschenreuth: Wirtschaft und Politik

Die Wirtschaft Tirschenreuths ist sowohl von zahlreichen mittelständischen und kleinen Unternehmen als auch von großen Konzernen geprägt. Die wichtigsten Arbeitgeber der Region sind der Glashersteller SCHOTT sowie die Hamm AG, ein international führender Walzenhersteller. Die Mehler Tuchfabrik beschäftigt zahlreiche Arbeitnehmer und gilt als ältester Textilhersteller Deutschlands.

Darüber hinaus sind die folgenden bekannten Unternehmen in Tirschenreuth ansässig:

  • Netsch Feinmehltechnik
  • Imerys Tableware
  • Heidelberger Beton

Die CSU ist die stärkste Partei in Tirschenreuth und bestimmt die Politik des Stadtrats maßgeblich. Auch die Kommunalwahl 2020 entschied die bayerische Partei für sich. Sie erlangte in dieser Wahl elf der insgesamt 20 Sitze im Tirschenreuther Stadtrat. Auf Rang zwei landete die Landesvereinigung Freie Wähler Bayern, die sich fünf Sitze sichern konnte. Während die SPD um die Jahrtausendwende mit knapp 20 Prozent der abgegebenen Stimmen noch auf vier Sitze im Stadtrat kam, waren es bei der letzten Kommunalwahl lediglich knapp sieben Prozent und ein einziger Sitz. Das Amt des Bürgermeisters von Tirschenreuth hat seit 2002 Franz Stahl inne.

Tirschenreuth: Einwohner und Verwaltung

Am 31. Dezember 2019 zählte Tirschenreuth 8.712 Einwohner und gilt damit als eine der kleinsten Kreisstädte Bayerns. Im gleichnamigen Landkreis lebten zu diesem Zeitpunkt mehr als 72.000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte in der oberfränkischen Stadt liegt bei 84, im Landkreis bei 66 Einwohnern je Quadratkilometer.

Das Stadtgebiet gliedert sich in 29 Gemeindeteile, dabei handelt es sich um die Kernstadt und die folgenden Stadtteile:

  • Brunn
  • Großkleinau
  • Gebhardtshöhe
  • Gründlbach
  • Haid
  • Haidhof
  • Hendmühle
  • Höfen
  • Hohenwald
  • Holzmühle
  • Kleinkienau
  • Kleinkonreuth
  • Lengenfeld bei Tirschenreuth
  • Lodemühl
  • Lohnsitz
  • Marchaney
  • Matzersreuth
  • Mooslohe
  • Pilmersreuth am Wald
  • Pilmersreuth an der Straße
  • Rosail
  • Rothenburg
  • Sägmühle
  • Trögerlsreuth
  • Wondreb
  • Wondrebhammer
  • Zeidlweid
  • Ziegelhütte

Tirschenreuth: Sehenswürdigkeiten

Tirschenreuth hat mit der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ein bedeutendes Baudenkmal zu bieten, das ursprünglich aus der Zeit der Gotik stammt. Dieses Gotteshaus musste nach den vielen Bränden, die sich in der Geschichte der Stadt ereigneten, mehrfach neu aufgebaut werden.

Darüber hinaus gelten die folgenden Gebäude als wichtige Sehenswürdigkeiten:

  • Kirche St. Peter
  • Fatma-Kirche
  • Erlöserkirche
  • Rathaus im Renaissance-Stil

Der Fischhof von Tirschenreuth demonstriert anschaulich die Geschichte der Fischzucht in der Stadt.

Im Umland lohnt ein Besuch der Waldsassener Stiftsbasilika. Darüber hinaus befinden sich hier zahlreiche Burgen und Schlösser, wie zum Beispiel die Burg Waldeck oder das Hammerschloss Hopfau.

Mehr zum Thema

Kommentare