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Die Diplom-Ingenieurin für Wald- und Forstwirtschaft Martina Gehret ist Igel-Expertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) und kennt sich bestens mit den stacheligen Heckenbewohnern aus.

Praktisch, aber gefährlich

Tierschützer schlagen Alarm: Mähroboter sind höchste Gefahr für Igel

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Praktisch, leise, bequem: Ein Mähroboter scheint nur Vorteile zu bringen. Der Schein trügt. Die Geräte machen auch vor Igeln nicht Halt. Jungtiere kann ein Mähroboter problemlos schreddern.

München – Karin Oehl ist mit den Nerven am Ende. Seit über 40 Jahren betreibt die 74-Jährige eine Igel-Station. Derzeit befinden sich rund 30 Jungtiere in ihrer Obhut. Nachts steht sie auf, füttert und kümmert sich um die nachtaktiven Kleinen. Doch so schwer wie jetzt fiel es ihr noch nie. Fast täglich kommen Menschen mit Igeln zu ihr, die bei Mäharbeiten teils schwer verletzt wurden. Häufig durch Mähroboter. Die kleinen elektrischen Gartenhelfer fahren autonom durch den Garten und mähen den Rasen. Erst kürzlich ist eines von Oehls Tieren qualvoll gestorben. Es wurde erst ein paar Tage nach dem Mähunfall gefunden, Fliegen hatten Eier in der offenen Wunde abgelegt, die Maden durch das Gewebe gefressen. Dem Tierarzt blieb nur übrig, das Tier einzuschläfern.

Was Oehl besonders nahe geht: Eigentlich ist es ganz leicht, die kleinen Säugetiere zu schützen. Man muss nur vor dem Mähen die Rasenfläche abgehen. Nachsehen, dass kein Igel in der Wiese liegt, bevor der Mähroboter seine Arbeit verrichtet. Da die Geräte jedoch nur leise surrend ihre Runden durch den Garten drehen, programmieren viele Besitzer sie so, dass die Geräte nachts arbeiten. Darin liegt eines der Hauptprobleme: Nachts begibt sich der Igel auf Futtersuche.

Mangelhafte Sicherheit bei einigen Robotern

„Der Igel ist kein Fluchttier“, erklärt Martina Gehret, Igel-Expertin beim Landesbund für Vogelschutz. Marder verstecken sich, Mäuse verkriechen sich in ihre Höhle. Die Strategie des Igels bei drohender Gefahr: Stillhalten und Abwarten. Zudem erkennen Mähroboter Igel als Hindernisse häufig nicht, obwohl ihre Kamera das eigentlich sollte. „In einem Versuch der Stiftung Warentest wurden selbst Kinderfuß- und Fingerattrappen von vielen der getesteten Geräte nicht erkannt“, sagt Gehret. Was die Sicherheit anbelangt, schnitten alle getesteten Geräte nur mit ausreichend, zwei sogar mit mangelhaft ab.

Eine Gefahr für Mensch und Tier: Mähroboter erkennen Hände, Füße und kleine Tiere oft nicht als Hindernisse.

Jetzt im Sommer nimmt die Zahl der verletzten Igel zu. Offizielle Statistiken gibt es zwar nicht, mehr Gartenarbeit bedeutet aber schlichtweg ein höheres Verletzungsrisiko. Hinzu kommt, dass Igel – zumindest aus der Perspektive des Menschen – grundsätzlich zur falschen Zeit am falschen Ort sind: Nachts tigern sie über den Rasen, tagsüber schlafen sie in Hecken und im hohen Gras. Beides Angewohnheiten, die den Tieren zum Verhängnis werden können.

Nicht blindlings schneiden, erst nachsehen

„Ein noch größeres Problem als die Mähroboter sind Freischneider und Fadenmäher“, sagt Naturschützerin Gehret. Freischneider und Fadenmäher, das sind motorisierte Sensen, wie sie häufig von Bauhofmitarbeitern oder Hausmeistern eingesetzt werden. Mit den Gartengeräten wird das Grün unter Sträuchern und Büschen geschnitten. Den Orten, wo Igel tagsüber schlafen. „Da wird quasi direkt ins Wohnzimmer der Tiere hineingemäht“, sagt Gehret. Sie wünscht sich, dass Hausmeisterbetriebe und Bauhofbetreiber ihr Personal für das Thema sensibilisieren. „Eigentlich will das ja keiner“, sagt Gehret im Hinblick auf die potenzielle Verletzungsgefahr. „Die haben das einfach nicht auf dem Schirm, dass so etwas passieren kann.“ Daher gilt auch hier: nicht blindlings schneiden, erst nachsehen, ob ein kleiner stacheliger Heckenbewohner im Gestrüpp seinen Tagschlaf hält.

Seit Ende vergangenen Jahres stehen Igel in Bayern auf der roten Liste, genauer gesagt auf der Vorwarnliste gefährdeter Säugetiere. Insektenrückgang, Flächenversiegelung und Monokulturen in der Landwirtschaft setzen den Tieren zu. Ihr Bestand nimmt weiter ab. Es fehlt den Tieren insgesamt an geeigneten Nischen wie Hecken, in denen sie Tagesschlafplätze finden und Winterquartiere anlegen können. Die finden sie meist nur noch in privaten Gärten.

Wer also möchte, dass sie dort auch weiterhin einen guten Lebensraum vorfinden, kann dafür etwas tun. Und das ist eigentlich recht simpel: seltener mähen, denn der Igel mag hohes Gras. Etwas mehr Nachlässigkeit täte dem Lebensraum Garten in vielen Fällen gut.

Lesen Sie auch: Rasenmähen adé: Mähroboter im Praxistest

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