Eine Gämse im Gebirge.
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Über die Jagd auf die Gams wird seit Jahren gestritten. Nun befeuert eine neue Bewertung des Bundesamts für Naturschutz die Debatte.

Debatte um Jagd der Wildtiere

Tierschützer sorgen sich um die Gams

  • vonMichaela Sperer
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  • Dominik Göttler
    Dominik Göttler
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Das Bundesamt für Naturschutz warnt vor einer drohenden Gefahr für die Gams-Bestände in Deutschland. Tierschützer sehen sich in ihrer Sorge um eines der Wahrzeichen Bayerns bestätigt. Das Forstministerium hingegen wundert sich über diese Bewertung.

  • Das Bundesamt für Naturschutz führt die Gämse in der Vorwarnliste der Roten Listen der Säugetiere in Deutschland.
  • Tierschützer fordern, die Jagd auf die im Gebirge lebenden Tiere einzuschränken.
  • Das bayerische Forstministerium zeigt sich irritiert über die neue Einstufung.

München – Als das Bundesamt für Naturschutz kürzlich die aktuellen Roten Listen der Säugetiere für Deutschland vorstellte, erhielt auch die Gams einen neuen Status. Sie steht neuerdings auf der Vorwarnliste. Das heißt: Nach Einschätzung der Autoren ist das Gamswild in Deutschland zwar noch ungefährdet, das könnte sich aber in den nächsten zehn Jahren ändern.

Tierschützer wie der Verein Wildes Bayern oder der Landesverband des Deutschen Tierschutzbundes sehen sich in ihrer Sorge um eines der tierischen Wahrzeichen der bayerischen Alpenwelt bestätigt. Derzeit sammelt der Verein Wildes Bayern unter dem Motto „Rettet die Gams“ Unterschriften für eine Petition. Ihr Ziel: Die im Gebirge heimische Art soll weniger bejagt werden.

Ministerin Kaniber sagte vergangenes Jahr: „Der Gams geht‘s gut.“

Der Konflikt über den Umgang mit der Gams schwelt schon lange. Während viele Jäger und Tierschützer eine Ausrottung der Art fürchten, blicken die Staatsförster mit Sorge auf den Verbiss ihrer jungen Bäume. Dahinter steht der ewige Konflikt über die richtige Jagdpolitik. Wald vor Wild? Oder Wild vor Wald?

Vergangenes Jahr sprach Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) ein Machtwort in der Debatte mit dem Satz: „Der Gams geht’s gut.“ Dabei bezog sie sich auf die Zwischenergebnisse eines 2016 gestarteten Forschungsprojekts der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. Dort wird bis zum Jahr 2022 beispielhaft an der Kampenwand und im Karwendel der Bestand von Gämsen, Rehen und Hirschen erhoben. Die ersten Ergebnisse deuteten auf eine stabile und vitale Gams-Population hin, hieß es damals. Demnach lebten allein im Karwendelgebirge zwischen Vorderriß und Soiernkessel weit mehr als 500 Gämsen.

In Bayern ist das Gamswild als ungefährdet eingestuft

Über die Aufnahme in die Vorwarnliste des zum Bundesumweltministerium gehörenden Bundesamts zeigt man sich im bayerischen Forstministerium indes irritiert. „Wir hätten uns vor der Einstufung des Gamswildes in die Vorwarnliste eine fundierte Analyse erwartet, die den Sachverhalt zutreffend darlegt und die hochkarätigen Wissenschaftler in Bayern nicht außen vorlässt“, teilt das Ministerium mit. Bei der Einstufung sei nicht berücksichtigt worden, dass die Rote Liste Bayerns das Gamswild im Jahr 2017 als ungefährdet einstuft und der FFH-Bericht im Jahr 2019 einen günstigen Erhaltungszustand beim Gamswild im deutschen Alpenraum ausweist.

Die Tierschützer wollen dieses Argument nicht gelten lassen. So kritisiert Tessy Lödermann vom Tierschutzbund in einem aktuellen Schreiben an das Bundesamt für Naturschutz, dass die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft den Status der Gams im Alpenraum nur auf der Basis von zusammengefassten Streckenmeldungen der erlegten Tiere erstelle. Verlässliche Monitordaten gebe es aber nicht. Der Streit um die Gams geht mit der Einstufung des Bundesamts also in eine neue Runde.

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