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„Tiermörder und Tierquäler“: Aus für traditionellen Alm-Abtrieb nach Hassbriefen

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Von: Tanja Kipke

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Der traditionelle Alm-Abtrieb in Maierhöfen ist Geschichte. Tierschützer hatten vehement protestiert. Jetzt werden die Rinder in Lkw transportiert.

Maierhöfen – Der 50. Viehscheid im Jahr 2019 könnte in Maierhöfen (Landkreis Lindau) der letzte gewesen sein. Der traditionelle Alm-Abtrieb der Rinder fiel in den letzten zwei Jahren coronabedingt aus. Jetzt scheint offenbar ganz Schluss mit den Festlichkeiten zu sein. Viehscheid bedeutet im Alpenraum die Wanderung der Rinder ins Tal, um in den Ställen zu überwintern. Dafür werden die Tiere mit Kränzen und Glocken geschmückt, dazu gibt es ein großes Fest im Dorf. Zahlreiche Touristen kommen dafür in die Region.

Tierschützer beklagen seit Jahren den Alm-Abtrieb, da der 30 Kilometer lange Zug den Berg runter eine zu große Belastung für die Rinder seien. Jetzt hatten sie mit ihren Hassbriefen und Protesten offenbar Erfolg, in Maierhöfen ist Schluss damit, wie der BR berichtet.

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„Tiermörder und Tierquälerei“: Aus für traditionellen Viehscheid in bayerischer Gemeinde

Laut Bild würden die Bauern am Hochgrat Hassbriefe von Tierschützern bekommen. „Tierunwürdig“ sei der Abstieg ins Tal nach Maierhöfen. Alpmeister Herbert Mader sagte der Bild hierzu: „Tiermörder, Tierquäler und andere Beschimpfungen standen in den Briefen. Auch Morddrohungen waren dabei.“ Die Tiere seien das Kapital der Bauern. „Wenn wir das Jungvieh halb tot den Berg runterjagen, haben wir nichts davon.“

Mit Blumen geschmückte Kühe laufen auf einer Straße am Sustenpass bei ihrem Almabtrieb.
 (Archivbild)
Mit Blumen geschmückte Kühe laufen auf einer Straße am Sustenpass bei ihrem Almabtrieb. (Archivbild) © Urs Flueeler/dpa

„Der Auf- und Abtrieb macht den Kühen nichts aus“, ist sich ein anderer Älper sicher. Ein Sprecher der LMU Klinik für Wiederkäuer sieht das anders. Gegenüber der Bild erklärte er, es komme vor, dass Kühe sich beim Weg ins Tal hinfallen und ein Bein brechen. Auch die Teerstraßen seien nicht optimal. „Es ist eine ruppige Tradition.“

Den Landwirten macht eher das Zusammenpferchen im Lkw Sorgen. Das ist nämlich die Alternative zum Alm-Abtrieb. In Zukunft werden die Rinder in Eigenregie der Landwirte mit Lkw ins Tal transportiert. Das koste laut Bild-Zeitung 10.000 Euro.

Nicht nur Tradition stirbt, auch wichtiger wirtschaftlicher Faktor fällt weg

Die Landwirte haben zwar selbst mehrheitlich dafür gestimmt, die Tradition nicht in gewohnter Form stattfinden zu lassen, die Gefühle in der Region sind dennoch gemischt. Der Viehscheid war mit viel Arbeit und Einnahmen verbunden, 60.000 Touristen kämen dafür jährlich ins Allgäu. Für Kranzbinder, Schellenmacher und Vermieter von Ferienwohnungen nicht einfach. Wie der BR berichtet, wollen man nun statt der großen Feier rund um den Viehscheid, den Alpsommer mit einem dreitägigen Heimatfest vom 9. bis 11. September ausklingen lassen. (tkip)

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