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Seit vergangenen Freitag gilt bayernweit die Stallpflicht.

Vogelgrippe in Bayern

Tierseuchen-Experte: „Das größte Risiko ist der Mensch“

In zwölf Bundesländern wurde die Vogelgrippe bereits nachgewiesen. In Bayern sind zwar noch keine Nutztierbetriebe betroffen, trotzdem machen sind die Geflügelhalter Sorgen. Und das nicht grundlos.

Es sind Nachrichten, die nervös machen: In vier Bundesländern ist das aggressive Vogelgrippe-Virus H5N8 bereits bei Nutztieren entdeckt worden. Erst am Mittwochabend kam wieder ein neuer Fall dazu, ein besonders dramatischer. Im niedersächsischen Cloppenburg ist ein großer Putenmastbetrieb betroffen. 13 000 Tiere müssen getötet werden.

Bayerns Geflügelzüchter sind besorgt. Denn auch, wenn das Virus im Freistaat bislang nur bei Wildvögeln nachgewiesen wurde – es sind bereits zwölf Landkreise und zwei kreisfreie Städte betroffen. Die H5N8-Fälle konzentrieren sich auf die großen Seen und die großen Fließgewässer Donau, Inn und Isar. Rund 350 tote Wasservögel wurden bisher vom Landesamt für Lebensmittelsicherheit untersucht. 60 Prozent davon waren laut Norbert Rehm „randvoll“ mit dem hochansteckenden Virus. Rehm ist Tierseuchen-Experte am Umweltministerium und kann Geflügelhalter derzeit nicht genug vor dem Infektionsrisiko warnen. „Im Grunde muss sich jeder Mitarbeiter sagen: Ich bin ein Chirurg und gehe jetzt in den OP, bevor er einen Stall betritt“, betont Rehm gestern im Umweltausschuss des Landtags. „Der Mensch ist das größte Risiko bei der Abschottung der Tiere.“

Selbst bei gründlicher Desinfektion bleiben Sicherheitslücken, zum Beispiel durch Futtermittellieferungen oder Filteranlagen. Rehm betont: „Geflügelbetriebe sind einfach keine Hochsicherheitslabore.“ Auch Impfungen seien keine Option, die Tiere zu schützen. Für den Subtyp H5N8 gibt es keinen Impfstoff. Die besten Bedingungen für das Virus: Temperaturen um den Gefrierpunkt, hohe Luftfeuchtigkeit, keine Sonne. Minusgrade und UV-Strahlen hingegen schaden ihm. „Die Witterung ist ausschlaggebend dafür, wie sich das Virus weiterentwickelt“, sagt Rehm.

Vorerst gilt in Bayern für Nutzgeflügel die Stallpflicht. Rehm geht zunächst von einer Zwölf-Wochen-Frist aus. „Wenn wir bis dahin noch keine Entwarnung geben können, wäre es allerdings fatal, die Stallpflicht zu lockern.“ Ob sie länger als zwölf Wochen angeordnet ist, spielt vor allem für Halter von Freiland-Hennen eine Rolle. Denn wenn die Aufstallung angeordnet ist, dürfen sie bis zu zwölf Wochen lang die Eier weiterhin als Freiland-Eier verkaufen. Für Bio-Geflügelfleisch und Bio-Eier gelten diese zeitlichen Begrenzungen nicht.

Noch immer gibt es keine verlässlichen Erkenntnisse dazu, wie die Vogelgrippe übertragen wurde. Die ersten Fälle gab es laut Rehm im Sommer in der Mongolei und Russland. Die Viren könnten über den Wildvogelflug nach Deutschland gelangt sein. Möglich wäre es aber auch, dass die Vogelgrippe zuerst in großen geschlossenen Nutztierbetrieben ausgebrochen ist. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass Vögel den Virus unerkannt in sich tragen, sagt Rehm. „Zugvögel sind wohl nicht die alleinige Ursache.“

Herbert Woerlein, der tierschutzpolitische Sprecher der Landtags-SPD, hat eine eigene Theorie: Nicht die Wildtiere stecken die Nutztiere an, sondern anders herum. Anders lasse sich nicht erklären, warum es bei Wildvögeln nicht mehr H5N8-Fälle gibt. „Das hat zur Folge, dass wir unsere Maßnahmen zum Schutz gegen die Vogelgrippe komplett überdenken müssen“, fordert Woerlein.

Tierseuchen-Experte Norbert Rehm hingegen betont: „Was die Schutzmaßnahmen betrifft, sind wir aktuell gut aufgestellt.“ Auch alle, die bereits um ihre Weihnachtsgans fürchten, kann er beruhigen. „Der Verzehr von Geflügel ist absolut unbedenklich.“

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