Tierversuche in bayern: Eine Labor-Maus (symbolbild)
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Labore in Bayern: Mit 572.462 Tieren „verbrauchte“ der Freistaat im vergangenen Jahr die meisten Labortiere Deutschlands.

Ausschussware

Tierversuche in Bayern: über 500.000 „Überschuss“- Tiere pro Jahr getötet?

  • Veronika Silberg
    VonVeronika Silberg
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Auch in Bayern leben viele Tiere im Labor. Alte oder kranke werden als sogenannte „Überschusstiere“ entsorgt. Wieviele, wurde nun erstmals öffentlich gemacht.

München/Köln - Viele Errungenschaften der Wissenschaften haben wir nicht nur Menschen, sondern auch Tieren zu verdanken. Da ist die Pandemie das beste Beispiel: Noch bevor das Paul-Ehrlich-Institut den Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus an Menschen testete, wurde die Dosierung an Mäusen und Ratten erprobt. Keine Seltenheit.

Dennoch klingt es erschreckend viel, wenn der Tierschutzverein „Ärzte gegen Tierversuche e. V.“ von knapp 4 Millionen Labortieren schreibt, die jährlich als Ausschussware getötet werden. Dabei ist allerdings nicht die Rede von Tieren die während der Tierversuche sterben. Die 4 Millionen, die der Verein aus den Angaben der Länderbehörden berechnet, beschränken sich auf alle sogenannten „Überschusstiere“ aus dem Jahr 2017. Überschusstiere, das sind Tiere, die „entweder nicht das gewünschte Geschlecht, nicht die erzielte Genveränderung haben, oder aber zu alt sind“ erklärt der Verein. Sie werden aussortiert und getötet.

Bayern führt bei Tierversuchen insgesamt: Keine genauen Angaben zu „Überschuss“-Tieren

Die jährlich herausgegebene Tierversuchsstatistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) enthält die Zahl dieser „Überschusstiere“ nicht. Seit einer EU-Auflage von 2017 müssen sie aber gemeldet werden. Auf Anfragen des Vereins, gaben die Bundesbehörden die jeweiligen Zahlen heraus. Bayern und einige andere Länder lehnten die Herausgabe von genauen Daten allerdings ab.

Den Hochrechnungen von „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ ist Berlin mit über 833.000 getöteten, nicht verwendeten Tieren aktuell an der Spitze in Deutschland. Dahinter folgen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg und auf dem vierten Platz: Bayern mit geschätzten 635.000 Tieren. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins betont jedoch die hohe Dunkelziffer dieser Hochrechnung: „Die Zahlen für Bayern und Baden-Württemberg, die Hauptverbraucher von Tieren in Tierversuchen, mussten allerdings mangels offizieller Angaben hochgerechnet werden.“ Der Verein vermutet „rein wirtschaftliche Gründe“ hinter der schnellen „Entsorgung“ der Tiere. Kein Bundesland habe einen vernünftigen Grund genannt.

Aus der Tierversuchsstatistik des BMEL 2021 im Januar ging hervor, dass Bayern im vergangenen Jahr mit 572.462 die bisher höchste Zahl an Versuchstieren für ein einzelnes Bundesland „verbraucht“ hat. (vs)

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