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Glückliche Hühner? Vielen Hennen in der Massentierhaltung werden die Schnäbel und der Eizahn gekürzt, damit sie sich nicht gegenseitig angreifen. Tierschützer fordern, das zu verbieten.

Unterschrift verweigert

Tierwohl: Naturschützer attackieren Brunner

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München - Mit einer neuen Tierwohl-Erklärung des Landwirtschaftsministeriums sind Natur- und Tierschutzverbände nicht einverstanden. Die Erklärung sei „oberflächlich“, heißt es.

Die „Gemeinsame Erklärung zur Rolle der Tierhaltung und zur Verbesserung des Tierwohls in der bayerischen Landwirtschaft“ wurde von 30 Organisationen unterzeichnet. Der Bayerische Bauernverband ist ebenso dabei wie der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM), Rinderzüchter und der Tiergesundheitsdienst. Auch diverse Fakultäten der Münchner Unis, die Molkerei Meggle in Wasserburg sowie Fleischproduzenten wie die Süddeutsche Truthahn AG oder die Tönnies Holding Allgäu Fleisch GmbH haben unterzeichnet. Nicht jedoch der Bund Naturschutz (BN) und der Deutsche Tierschutzbund. Der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger nennt die unter Federführung von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) erarbeitete Erklärung „mangelhaft“ und „halbseidene Politik“. „Oberflächlich“ sei das Papier, sagt Tierschutz-Präsident Thomas Schröder.

In der Erklärung werden Verbesserungen beim Tierwohl angeregt, wobei es sich allerdings um Kann-Vorgaben handelt. So verpflichten sich die Unterzeichner zum Beispiel, beim Veröden der Hornanlage bei Kälbern „so schonend und so frühzeitig wie möglich“ vorzugehen. Zur Legehennen-Haltung heißt es, der Verzicht auf das Stutzen der Schnäbel solle „weiter erprobt“ werden. Und generell sei es das Ziel, Antibiotikaeinsatz weiter zu reduzieren.

BN-Chef Weiger nennt die Schweinemast als ein Beispiel dafür, wo die Erklärung nicht greife. Sie wird in der Erklärung nicht erwähnt. Die Vollspaltenboden-Haltung bleibe erlaubt, klagt Weiger. Und das, obwohl eine Untersuchung der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München erst kürzlich gezeigt habe, dass Spaltenböden zu Klauenentzündungen und -missbildungen bei Schweinen führen. Tierschutz-Präsident Schröder stört an der Erklärung vor allem, dass die Anbindehaltung von Rindern nicht einmal erwähnt, geschweige denn verboten werde. Beim Schnabelkürzen von Geflügel nenne Bayern nicht einmal ein Datum, wann das untersagt werden könne – drei andere Bundesländer hätten sich auf 2017 geeinigt. „Das muss konkreter werden“, sagt Schröder, und fügt an: „Das Versagen der bayerischen Staatsregierung ist tragisch.“

Nicht alle Organisationen, die die artgerechte Haltung in den Vordergrund heben, sehen das freilich so wie Tierschutz- und Naturschutzbund. Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehört neben einer Tierschutz-Organisation aus Schleswig-Holstein auch die Schweisfurth-Stiftung des Umweltagrariers (und ehemaligen Herta-Eigners) Karl-Heinz Schweisfurth von den Hermannsdorfer Landwerkstätten bei Glonn (Kreis Ebersberg). Sie sieht sich ausdrücklich der nachhaltigen Landwirtschaft verpflichtet.

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