40 Verdachtsfälle auf Mutationen

Landkreis in Bayern führt traurige Corona-Hotspot-Liste an - Masseninfektion bestätigt

  • VonMayls Majurani
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Im Landkreis Tirschenreuth will der Inzidenzwert gar nicht mehr sinken. Sind hier Coronavirus-Mutationen im Umlauf? Derweil bestätigte das Landratsamt eine Masseninfektion.

  • Der Landkreis Tirschenreuth hat die deutschlandweit höchste Sieben-Tage-Inzidenz.
  • Das Landratsamt hat Verdachtsfälle auf eine Coronavirus-Mutation* ermittelt.
  • Das Landratsamt bestätigte außerdem eine Masseninfektion in einem Flüchtlingsheim (siehe Update vom 3. Februar).

Update vom 3. Februar: Erneut ist es in einem bayerischen Flüchtlingsheim zu einer Masseninfektion mit dem Coronavirus gekommen. Wie das Landratsamt in Tirschenreuth am Mittwoch berichtete, sind in der ostbayerischen Kreisstadt seit dem Vortag insgesamt 44 neue Fälle in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber registriert worden. Dies war etwa die Hälfte aller insgesamt in dem Landkreis festgestellten Neuinfektionen.

Der Landkreis war bereits zuvor Deutschlands Corona-Hotspot. Nach RKI-Angaben stand Tirschenreuth am Mittwoch mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 297 weiterhin deutschlandweit an der Spitze. Danach folgte der Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt (267) und an dritter Stelle mit dem oberfränkischen Landkreis Hof wiederum ein Kreis in Bayern (262).

Zuletzt hatte der Bayerische Flüchtlingsrat die Hygienebedingungen in den Flüchtlingsheimen scharf kritisiert, nachdem auch in einer Bamberger Unterkunft zahlreiche Menschen sich angesteckt hatten. Nach Angaben der Kreisverwaltung in Tirschenreuth waren dort in der vergangenen Woche zunächst nur drei Bewohner der Unterkunft positiv getestet worden. Eine Reihenuntersuchung der knapp 100 Bewohner habe nun die große Zahl neuer Fälle ergeben. Alle Bewohner der Einrichtung, die von der Regierung der Oberpfalz betrieben wird, wurden unter Quarantäne gestellt.

Landkreis in Bayern führt traurige Corona-Hotspot-Liste an - ganze Familien infiziert

Erstmeldung vom 2. Februar: München – Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus* im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth an der tschechischen Grenze explodieren. Das Robert-Koch-Institut* (RKI) hat am Dienstag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 322 bekannt gegeben. Ein trauriger Topwert in Deutschland. Am Montag gab das Landratsamt die über das Wochenende dazugekommenen Neuinfektionen bekannt: 62. Bei 20 Fällen handelt es sich um Personen, die bereits als Kontaktpersonen in Quarantäne waren.

Tirschenreuth: Verdachtsfälle auf Coronavirus-Mutationen im Landkreis

Die Ursachenforschung ist im vollen Gange. Es handelt sich um ein diffuses Ausbruchsgeschehen, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts vom Montagabend. In mehreren Betrieben in unterschiedlichen Landkreisteilen seien Mitarbeiter und deren Familien infiziert. Vor allem seien es jüngere Menschen.

Neu sei, dass gleich ganze Familien von Ansteckungen betroffen sind. Deshalb vermutet die Behörde, dass es auch im Landkreis ansteckendere Mutationen des Coronavirus* gibt. 40 Verdachtsfälle wurden bereits ermittelt. Sie verteilen sich quer über den ganzen Landkreis. Landrat Roland Grillmeier: „Leider müssen wir auch melden, dass, wie in anderen Regionen auch, bei uns die Coronavirus-Mutation* wohl angekommen ist.“ Positive Fälle werden stichprobenhaft auf verschiedene Mutationen überprüft. Um welche Virusvarianten es sich handelt, steht allerdings noch aus. Eine genaue Sequenzierung des Virus könne bis zu 14 Tagen dauern. In einigen Städten und Landkreisen Bayerns wurden bereits verschiedene Mutationen* nachgewiesen.

Kein Wechselunterricht in Tirschenreuth: Abschlussklassen müssen weiter zuhause bleiben

Das Landratsamt prüft nun in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, der Regierung von Oberpfalz und dem LGL, welche weiteren Maßnahmen und Anordnungen zu treffen sind. Auch mit den Betrieben, die von einem Verdachtsfall einer Coronavirus-Mutation betroffen seien könnten, stehe die Behörde im engen Austausch. Hier werden bereits Reihentestungen durchgeführt und je nach Einzelfall weitere Maßnahmen angeordnet. Berufspendler aus Tschechien werden laut Landratsamt mindestens dreimal wöchentlich getestet.

Eine schlechte Nachricht gibt es in Tirschenreuth auch für die Schüler: Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht in den Abschlussklassen findet vorerst nicht statt. Für sie ist weiterhin Distanzunterricht angesagt. Davon betroffen sind alle Abschlussschüler der Gymnasien, Fach- und Berufsoberschulen sowie beruflichen Schulen mit Abschluss- und Kammerprüfungen. (ma) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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