Warum musste die kleine Lea sterben?

Tirschenreuth - Lesen Sie hier alles Hintergrundinformationen zum Drama von Tirschenreuth, wo die arme kleine Lea verdursten musste.

Die Schaukel im Garten wirkt unberührt, das Haus trotz guter Lage schmuddelig. Es ist eine Gegend, wo sich die Nachbarn über den Gartenzaun noch grüßen – und dennoch erahnte bis zum Samstag niemand am Tirschenreuther Mitterweg das Drama, das sich im Keller dieses Hauses abspielte.

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Gegen 10.30 Uhr an jenem Morgen fand Birgit W. (21) ihre Tochter Lea (2) tot im Kinderbettchen. Die Obduktion ergab: Das Mädchen starb an Unterernährung und Flüssigkeitsmangel. Am Sonntag wurde die Mutter, die nach der Trennung von ihrem Mann (27) allein mit Lea und Sohn Felix (4) im großen Haus lebte, festgenommen. Der Haftbefehl, der ihr am Montag vom Amtsgericht Regensburg eröffnet wurde, lautet auf Totschlag durch Unterlassen. Es ist ein Fall, der sprachlos macht – nicht nur die Nachbarn in Tirschenreuth. Sie fragen sich nun, wie vor ihren Augen ein Kind verhungern konnte.

Christa Weiß (67) hatte eine böse Vorahnung, als sie bereits im Spätherbst vergangenen Jahres zum Telefon griff und das Jugendamt verständigte: „Ich teilte mit, dass die Kinder nur noch selten draußen sind und ich den Jungen immer nur am Fenster stehen und winken sehe.“ Man versprach ihr nachzusehen. Doch es passierte – nichts (siehe unten). Im Nachhinein kommt den Anwohnern nun vieles seltsam vor: Dass sich meist der nur wenige Häuser weiter wohnende Opa um die Kinder zu kümmern schien. Dass Frau W. offenbar lieber ihren Hund Mare spazieren führte, als mit ihren Kindern zum Spielplatz zu gehen. Und dass die junge Frau offenbar die meiste Zeit des Tages am Computer, in Internet-Chats, vertrödelte. Dort nannte sie sich „nettesengerl“ und gab als Beruf „Mutter“ an.

Nachdem sich am Dienstag die Nachricht von Leas Tod in der Netzgemeinde herumgesprochen hatte, quoll ihr Gästebuch über von Beschimpfungen: „Wieso gibt es solche Menschen wie dich? Ich dachte, du bist ne ehrliche Haut“, war dort zu lesen. Oder: „Wie kann man nur so eiskalt sein?“ Auf diese Frage hatte Birgit W. wohl auch beim Ermittlungsrichter keine Antwort. Weidens Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer: „Sie hat Angaben gemacht. Aber zur objektiven Frage, wie es dazu kommen konnte, dazu gibt es kein direktes Geständnis.“ Dafür sprechen die Fakten der Erlanger Rechtsmediziner, die den ausgemergelten Kinderkörper untersuchten: „Nach Auffassung der Obduzenten hätte das Mädchen bei einem rechtzeitigen Arztbesuch gerettet werden können.“ Nachbarin Christa Weiß ist wütend und sprachlos: „Nichts hat das Jugendamt unternommen, als ich angerufen habe. Die spinnen doch. Wofür dann die ganzen Appelle an die Zivilcourage? So etwas darf in der Nachbarschaft doch nicht passieren.“ Immerhin scheint wenigstens Leas Bruder Felix gesund zu sein. Im Gegensatz zu seiner Schwester wurde er offensichtlich gut versorgt – wie auch Hund Mare. Dessen Fressnapf war voll bis zum Rand, als am Samstag die Polizei das Haus betrat.

WdP

Warum das Jugendamt nicht reagierte – die Stellungnahme

Das Landratsamt Tirschenreuth veröffentlichte am Dienstag folgende Stellungnahme: „Zweijährige stirbt: Ca. vor einem halben Jahr ging beim Jugendamt ein besorgter Anruf aus der Nachbarschaft ein, wonach festegestellt wurde, dass die Kinder nicht mehr so oft im Garten gesehen werden, vielmehr winken diese vom Fenster; außerdem wurde beobachtet, dass sich der Großvater der Kinder, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, des Öfteren um diese kümmerte. Die zuständige Fachkraft des Jugendamtes fasste die Schilderungen nicht als Meldung einer akuten Gefährdung der Kinder auf. Ein sofortiger Hausbesuch wurde deshalb nicht veranlasst. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde der Fall vom Jugendamt später nicht mehr aufgegriffen.“

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