Unfall mit Traktor

Todesdrama bei Faschingsumzug: Trauer um Nicole (24)

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Vor den Augen zahlreicher Kinder ist eine 24-Jährige von einem Faschingswagen überrollt worden. Sie überlebte nicht. Derzeit deutet alles auf ein tragisches Unglück hin – in der kleinen Gemeinde herrscht Fassungslosigkeit.

Waidhofen - Für Hans-Jürgen Bartl war es ein schwerer Gang, als er am frühen Sonntagabend mit der schlimmsten aller möglichen Nachrichten in das Feuerwehrhaus in Waidhofen gehen musste. Dort hatten sich die rund 50 Mitglieder der Truppe des Faschingswagens eingefunden, der kurz zuvor eine junge Frau aus den eigenen Reihen überrollt hatte. Und Bartl, Einsatzleiter der Polizei Schrobenhausen, musste ihnen schweren Herzens mitteilen, dass die 24-jährige Nicole M. den tragischen Unfall nicht überlebt hat.

Nicole M. war am Sonntagnachmittag mit ihren Bekannten beim Faschingszug in der 2000-Einwohner-Gemeinde Waidhofen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) unterwegs. Sie ging neben dem Wagen, der im Stile eines asiatischen Tempels samt grünem Drachen gebaut war. Um Unfälle auszuschließen, hatten die Teilnehmer bereits beschlossen, die Bonbons nicht vom Wagen in die Menge zu werfen. Damit keine sich bückenden Kinder in Gefahr geraten, wurden die Süßigkeiten stattdessen von den Teilnehmern auf der Straße verteilt. Nicole M. war gegen 15 Uhr als eine von sechs Sicherheitsbegleitern für ihren Faschingswagen eingeteilt. In Abstimmung mit dem 51-jährigen Fahrer, der den Traktor samt Auflieger in Schrittgeschwindigkeit durch die Straßen manövrierte, sollte sie ein Auge darauf haben, dass niemandem etwas zustößt. Doch dann wurde sie selbst zum Opfer.

Zuschauer bemerkten das Unglück - doch zu spät

Laut Polizei befand sich die 24-Jährige zwischen Traktor und Wagen, als sich der Zug wieder in Bewegung setzte. „Der Fahrer musste sich darauf verlassen, dass seine Leute im Blick haben, wenn er weiterfährt“, erklärt Bartl. Doch Nicole M. bemerkte offenbar nicht, dass der Wagen wieder Fahrt aufnahm und wurde am Fuß vom Reifen des Aufliegers erfasst und unter den Anhänger gezogen. „Nach den derzeitigen Zeugenaussagen können wir ausschließen, dass sie geschubst wurde“, sagt Bartl. EinigeZuschauer bemerkten das Unglück, doch die Warnungen kamen beim Fahrer nicht mehr an – es war wohl einfach zu laut. Die 24-Jährige wurde überrollt und starb noch an der Unfallstelle. Vor den Augen vieler Zuschauer, unter denen auch viele Kinder waren.

„Es muss ein furchtbarer Anblick gewesen sein“, sagt Bartl, „jeder konnte erahnen, wie schlimm das ausgehen konnte.“ Schnell bildeten die Einsatzkräfte eine Absperrung, doch die Gäste und Beobachter des Unfalls standen unter Schock. „Das war für alle extrem heftig“, sagt Bartl.

Der Umzug wurde umgehend abgebrochen, auch der eigentlich geplante Faschingsball sowie die Auftritte der Faschingsgarde. Ein Seelsorger sowie das Kriseninterventionsteam betreuten die Betroffenen. Noch am Abend wurde eine spontane Andacht für die Beteiligten abgehalten, an der auch der Landrat sowie der örtliche Bürgermeister teilnahmen.

Extreme Bestürzung und Trauer vor Ort

Auch einen Tag nach dem Unglück sitzt die Trauer im Ort tief. Ludwig Trompler von der Faschingsgesellschaft Paartal-Au Waidhofen, die den Umzug organisiert, sagt nur, alle seien extrem bestürzt über den Vorfall. Weiter möchte er sich zu dem Unfall nicht äußern. Auf der Internetseite der Gesellschaft steht eine Traueranzeige, in der es heißt: „Stille spricht, wenn Worte es nicht können.“ Zum Unfallort in Waidhofen kamen gestern den ganzen Tag über viele junge Leute, um ihrer Freundin Nicole in aller Stille zu gedenken. Sie entzündeten Kerzen, legten Blumen ab und hielten sich in den Armen.

Die Polizei versucht nun, den genauen Unfallhergang zu klären. Dabei soll ein unfallanalytisches Gutachten helfen. Bei der Blutprobe des Fahrers kam heraus: 0,0 Promille. Der Mann war nüchtern. „Ob ihm überhaupt ein Vorwurf zu machen ist, müssen wir sehen“, sagt Bartl.

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