Prozess in Würzburg

Messer-Attacke auf Nachbarn: Zwölf Jahre Haft 

Würzburg - Ein Mann sticht in Unterfranken seinen Nachbarn mit einem Messer nieder. Für die schreckliche Bluttat gibt es keine Zeugen - wie der Mann trotzdem überführt wurde.

Jahrelang hatte er seine Wut auf den Nachbarn in sich hinein gefressen. Schließlich platzte dem Einzelgänger aus dem unterfränkischen Randersacker der Kragen. Mit einem wuchtigen Messerstich in den Rücken tötete er seinen 76 Jahre alten Nachbarn. Für diese Bluttat ist der Mann nun nach einem Indizienprozess zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

„Die Kammer hat keinen Zweifel, dass Sie Ihren Nachbarn vorsätzlich mit einem Messer getötet haben“, sagte der Vorsitzende Richter Burkhard Pöpperl am Mittwoch in Würzburg. Blut- und DNA-Spuren des Opfers seien an der Hose und der Schläfe des 46-Jährigen gefunden worden. „Ein Sekundärtransfer dieser Spuren ist für das Gericht nicht ansatzweise erkennbar und nachvollziehbar.“

Heimtücke habe dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden können, sagte Pöpperl. Die Kammer sei deshalb der Forderung der Anklage nach einer Verurteilung wegen Mordes nicht gefolgt, sondern habe auf Totschlag erkannt.

Augenzeugen für die tödliche Attacke gibt es nicht. Die Ehefrau des Opfers, die nur wenige Meter entfernt im Garten arbeitete, hörte nur den Todesschrei ihres Mannes. Auch die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Doch die gesicherten Spuren an der Kleidung und dem Kopf des Mannes waren eindeutig dem Opfer zuzuordnen.

Der 76-Jährige war im September 2013 beim Schneiden einer Hecke zwischen den beiden Grundstücken getötet worden. Dem Angriff gingen jahrzehntelange Streitigkeiten um Kleinigkeiten wie illegal entsorgten Grünschnitt, falsch abgestellte Mülltonnen und Hundegebell voraus.

Einen Teil der Auseinandersetzungen schilderte der Angeklagte im Prozess selbst. Die Tat selbst stritt er am ersten Verhandlungstag ab. Er sei mit seinem Hund unterwegs gewesen und habe den Nachbarn nicht gesehen oder gehört. Im weiteren Verlauf des Prozesses sagte er auf alle Nachfragen der Richter nur noch: „Ich möchte nichts sagen.“ Das waren auch seine letzten Worte vor der Verurteilung.

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Meistgelesene Artikel

Dramatische Rettung in Oberbayern: Bergretter müssen Coronavirus-Regeln ignorieren
In Bayern verunglückte ein Wanderer in der Nähe von Traunstein. Darauf folgte eine dramatische Rettung, bei der die Einsatzkräfte auch wegen des Coronavirus ein Risiko …
Dramatische Rettung in Oberbayern: Bergretter müssen Coronavirus-Regeln ignorieren
Hamsterkäufer-Problem: Aldi transportiert Pasta-Massen von Süditalien in den Freistaat
Die Corona-Krise bestimmt den Alltag der Menschen - auch in Bayern. Viele machen sich Sorgen und greifen zu „Hamsterkäufen“ - ein Discounter-Riese hat jetzt ein Zeichen …
Hamsterkäufer-Problem: Aldi transportiert Pasta-Massen von Süditalien in den Freistaat
Entblößter Mann steht auf Balkon und wirft Geldscheine - er hat kuriose Aufforderung an seine Nachbarn
Die Nachbarn konnten ihren Augen nicht trauen, als in der Südstadt in Fürth ein unbekleideter Mann auf seinem Balkon zu „mehr Liebe machen“ aufrief und dabei mit Geld um …
Entblößter Mann steht auf Balkon und wirft Geldscheine - er hat kuriose Aufforderung an seine Nachbarn
Coronavirus in Bayern: Sollen Supermärkte an den Osterfeiertagen öffnen? Entscheidung gefallen
Die Osterfeiertage stehen kurz bevor. Sollten die Geschäfte in Bayern geöffnet bleiben? Dazu hat Arbeitsministerin Carolina Trautner nun eine Entscheidung verkündet.
Coronavirus in Bayern: Sollen Supermärkte an den Osterfeiertagen öffnen? Entscheidung gefallen

Kommentare