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Tödliche Ölspur: An dieser Stelle kam vor drei Jahren ein 37-jähriger Motorradfahrer ums Leben. Ein Unbekannter hatte eine Straße bei Marktrettenbach mit Öl verschmiert. Die Polizei sucht noch nach dem Täter.

Drei Jahre nach dem Anschlag

Tödliche Ölspur: Viele Hinweise - hohe Belohnung

Kempten - Drei Jahre ist es her, dass ein Unbekannter im Allgäu Ölspuren gelegt hat. Ein Motorradfahrer kam dabei ums Leben. Die Polizei sucht noch immer nach dem Täter. Die Biker haben den Anschlag nicht vergessen.

Die Angst fährt mit: Auch drei Jahre nach dem tödlichen Ölfleck-Anschlag auf einen Motorradfahrer im Allgäu sind viele Biker in der Region verunsichert und gehen den Saisonstart ruhiger an. „Auf bestimmten Strecken wird noch vorsichtiger gefahren. Und man achtet seit dem Vorfall mehr auf Flecken auf der Straße“, sagt der Motorradfahrer Frank Lebetz aus Kempten.

Die Gedanken kreisen um ein Verbrechen, das bundesweit für Aufsehen sorgte: Auf einer Ausfahrt vor Ostern gerät ein Motorradfahrer am 17. April 2011 bei Markt Rettenbach im Unterallgäu mit seiner Maschine in einer Kurve auf eine Ölspur. Der 37-jährige Familienvater schleudert frontal gegen ein entgegenkommendes Auto und stirbt. Die 60-jährige Autofahrerin wird leicht verletzt.

Die Staatsanwaltschaft Memmingen ermittelt wegen Mordes. Denn schon bald kam die Polizei zu dem Ergebnis, dass der Anschlag vorsätzlich verübt wurde. Der unbekannte Täter hatte mit Altöl gefüllte Flaschen auf der Straße zertrümmert und so die gefährlichen Schleuderfallen gelegt. In der Nähe der beliebten Motorradstrecke im Unterallgäu, auf der sich der Unfall ereignete, fanden die Beamten neun weitere Öl-Lachen mit Splittern von zertrümmerten Flaschen.

Im Laufe der Ermittlungen ergab sich eine ganze Serie von Ölfleck-Anschlägen in Bayern und Baden-Württemberg. Nach Angaben der Polizei in Kempten wurden seit dem Frühjahr 2007 sieben weitere vergleichbare Fälle bekannt, bei denen ebenfalls vorsätzlich Schleuderfallen gelegt und teilweise auch Menschen verletzt wurden. „Nach der Art der Tatausübung ist nach derzeitigem Stand der Ermittlungen davon auszugehen, dass wir es immer mit dem gleichen Täter zu tun haben“, sagt Polizeisprecher Christian Owsinski.

Bisher verfolgte die Ermittlungsgruppe „Ölfleck“ etwa 500 Hinweise und Spuren. Ihre Arbeit ist aber noch lange nicht beendet. „Es kommen immer wieder neue Hinweise rein, die geprüft werden“, sagt Owsinski. Vor allem nach dem zweimaligen Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ und nach der Ausstrahlung der „Spiegel-TV“-Reportage „Der Ölfleckmörder“ meldeten sich viele Menschen bei den Ermittlern. „Es gab überwiegend abstrakte Hinweise, die uns nicht weitergeholfen haben. Eine heiße Spur war leider nicht dabei.“

Nach dem ersten Fahndungsaufruf hatte sich ein Geschäftsmann aus Nordrhein-Westfalen gemeldet. Er erhöhte die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, von ursprünglich 8000 Euro auf insgesamt 50 000 Euro. Der Mann soll selbst Motorradfahrer sein.

Die Sonderkommission hatte in der Anfangsphase der Ermittlungen vermutet, dass es sich bei dem Täter um einen Motorradfahrer-Hasser handelt. Nachdem die weiteren Fälle bekanntgeworden sind, gilt Machtausübung als Motiv. „Die Anschläge richten sich gegen Verkehrsteilnehmer im allgemeinen und nicht speziell gegen Motorradfahrer“, sagt Owsinski. Nach Einschätzung von Polizei-Profilern ist der Täter vermutlich ein eigenbrötlerischer Mensch, der sein geringes Selbstwertgefühl durch das Erzeugen von Angst und Verunsicherung aufwerten will.

Obwohl die Tat inzwischen drei Jahre zurückliegt, hoffen die Ermittler, den Täter noch zu finden. An den sichergestellten Glasscherben hat die Kripo seinen genetischen Fingerabdruck identifiziert. „Es wäre nicht das erste Mal, dass die DNA auch nach Jahren noch zur Aufklärung einer Tat beiträgt“, sagt Owsinski. Eine freiwillige DNA-Reihenuntersuchung blieb bisher allerdings ohne Erfolg. Mehr als 1400 Speichelproben wurden ausgewertet.

Auch die Motorradfahrer im Allgäu setzen darauf, dass der Unbekannte mit Hilfe der sichergestellten DNA-Spuren noch gefasst wird. „Jetzt muss Kommissar Zufall noch mitspielen“, sagt Frank Lebetz vom Motorradbekleidungs-Shop „Motorbike-Parts“ in Kempten. Dort sei der folgenschwere Ölfleck-Anschlag nach wie vor ein Thema. „Es wird natürlich nicht mehr so viel darüber gesprochen wie nach dem Unfall, aber aus den Köpfen ist die Sache noch lange nicht.“ Lebetz ist davon überzeugt, dass die Polizei dem Täter eines Tages auf die Spur kommen wird. „Irgendwann bekommt der noch seine gerechte Strafe.“

von Birgit Ellinger

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