Tödliche Polizeischüsse auf Eisenberg bleiben ein Rätsel

München - Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) steht nach den tödlichen Polizeischüssen auf den Regensburger Musikstudenten Tennessee Eisenberg vor einem Rätsel.

Er wolle den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen und könne noch keine Bewertung abgeben, sagte Herrmann am Mittwoch im Innenausschuss des Landtags. "Aber die Art und Weise, in der der Polizeieinsatz eskalierte, ist auch für mich immer noch nicht begreifbar."

Der 24 Jahre alte Eisenberg war am Morgen des 30. April von der Polizei erschossen worden, nachdem er seinen Mitbewohner und anschließend die Beamten mit einem Messer bedroht hatte. Die Freien Wähler sprachen von einer "Hinrichtung". Der Innenminister sagte eine gründliche Aufklärung zu: "Da wird nichts vertuscht oder unter den Teppich gekehrt, da wird sauber ermittelt.

Nach Herrmanns Angaben feuerten die Polizisten 16 Schüsse ab, von denen 12 den Studenten trafen. Die 16 Schüsse wurden nach Herrmanns Angaben aus zwei Waffen abgefeuert. Vermutlich feuerten zwei Beamte jeweils ein Magazin leer. Die Polizisten sagten laut Herrmann aus, dass sie Eisenberg zuerst mit Pfefferspray und Schlagstock stoppen wollten. Die Beamten sollen den Pazifisten und Wehrdienstverweigerer auch gewarnt haben, dass sie schießen würden.

Nach Darstellung der beteiligten Beamten drängte Eisenberg einen Polizisten in eine Ecke des Treppenhauses und ließ sich durch nichts stoppen, bis sie das Feuer eröffneten. Auch die Schüsse hätten zunächst keine Wirkung gezeigt. Nach Angaben des Anwalts der Familie hat die Obduktion der Leiche aber keinerlei Hinweise auf Pfefferspray oder Stockschläge ergeben.

"Zwölf Schüsse, das ist eine Hinrichtung", kritisierte der Freie Wähler-Abgeordnete Joachim Hanisch. "Hier ist irgendetwas schief gelaufen", sagte auch der FDP-Innenexperte Andres Fischer. Die Familie hat deshalb eine zweite Untersuchung der Leiche in Auftrag gegeben - "auch zu Gunsten der Polizisten", wie Anwalt Thomas Tessereaux sagte. Damit solle ausgeschlossen werden, dass beim ersten Gutachten nichts übersehen worden sei. Nähere Aufklärung über die Schüsse soll ein ballistisches Gutachten der Staatsanwaltschaft bringen, das nach Herrmanns Angaben in Kürze vorliegen soll.

Die Grünen-Abgeordnete Susanna Tausendfreund sprach von "sehr, sehr vielen Fragezeichen". So sollen mehrere Schüsse Eisenberg von hinten getroffen haben. "Auffällig ist, wie es zu diesem Kugelhagel kommen konnte", sagte Tausendfreund. Die Landtagsabgeordneten sprachen der Familie parteiübergreifend ihr Beileid aus. Benedict Eisenberg, der Bruder des erschossenen Studenten, war aber mit Herrmanns Erklärungen nicht zufrieden: "Im Grunde wurde ich überhaupt nicht informiert". Er sprach den Politikern aber Anerkennung aus, dass sie versucht hätten, sich in die Situation hineinzufühlen.

Landtagsvizepräsident Peter Paul Gantzer (SPD) forderte eine Überprüfung, ob die Polizei möglicherweise zu schwache Munition verwendet, um einen Mann zu stoppen. Herrmann kritisierte Gantzers Vorstoß als "fast schon etwas makaber". Widerspruch kam aber auch von Gantzers SPD-Kollege Harald Schneider, dem Chef der Gewerkschaft der Polizei in Bayern.

dpa

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