Großfahndung: 12-Jähriger nach Bayern-Spiel vermisst

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Tödlicher Balkonsturz: Viereinhalb Jahre Haft

Memmingen - Urteil im Prozess um einen tödlichen Balkonsturz einer Frau in Neu-Ulm: Der damalige Lebensgefährte muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Gericht ist überzeugt, dass der Mann ihr jede Hilfe verweigerte.

Wegen Aussetzung mit Todesfolge hat das Landgericht Memmingen am Montag einen 33 Jahre alten Mann zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Mann war nach Auffassung des Gerichts untätig geblieben, als seine Freundin hilflos am Balkongeländer im vierten Stock des Mehrfamilienhauses in Neu-Ulm hing. Die 21-Jährige hatte sich noch kurze Zeit festhalten können und war dann zwölf Meter in die Tiefe gestürzt. “Es gibt keine Zweifel, dass der Angeklagte in der Wohnung war, als sich seine Freundin in höchster Lebensgefahr befand“, sagte die Vorsitzende Richterin. Doch statt ihr zu helfen, habe der Angeklagte gelacht und die Wohnung verlassen.

Die junge Frau war in der Nacht zum 12. April 2005 tot unter dem Balkon der gemeinsamen Wohnung gefunden worden. Sie war nur mit einem Slip bekleidet. Bewohner des Hauses hatten zuvor laute, verzweifelte Hilfeschreie gehört. Das Gericht ist davon überzeugt, dass es in der Nacht zwischen dem Angeklagten und der Frau wegen einer möglichen Affäre der 21-Jährigen zu einem heftigen Streit gekommen war. “Dabei hat er sie verbal bedrängt. Seinetwegen ist sie auf den Balkon gegangen“, sagte die Richterin.

Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen ist die 21-Jährige vom Balkongeländer gekippt. Als sie sich in der lebensgefährlichen Situation befand, soll sie ihren Freund um Hilfe angefleht haben, die er ihr aber verweigert habe. Anhaltspunkte auf ein aktives Tun des Angeklagten gebe es nicht, sagte die Richterin. “Es haben sich aber auch keine Hinweise auf einen Suizid ergeben.“

Der Angeklagte war vergangene Woche wegen Fluchtgefahr im Gerichtssaal verhaftet worden. Er hatte im Prozess angegeben, dass er in jener Nacht betrunken war und sich an die entscheidende Zeit nicht erinnern könne.

Die Polizei hatte den alkoholisierten Lebensgefährten noch in der Unglücksnacht festgenommen, ihn jedoch wenig später wieder freigelassen. Da Beweise dafür fehlten, dass er mit dem Tod seiner Freundin etwas zu tun hatte, wurde das Verfahren zunächst eingestellt. Dagegen war die Mutter des Opfers erfolgreich vorgegangen. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess sechseinhalb Jahre Haft für den Angeklagten gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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