Tödlicher Felssturz: Kein Strafprozess

Traunstein - Der verheerende Felssturz auf ein bewohntes Haus in Stein an der Traun mit zwei Toten bleibt ohne strafrechtliche Folgen. Warum die Ermittlungen eingestellt werden:

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Die Staatsanwaltschaft Traunstein stellte ihre Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen den Bauleiter einer österreichischen Firma ein. Sie sah nur eine geringe Schuld, wie ein Sprecher der Justizbehörde sagte. Er bestätigte damit einen Bericht des “Trostberger Tagblattes“ (Donnerstag). Der Mitarbeiter akzeptierte eine Geldauflage in Höhe von 10 000 Euro. Er war vor dem Unglück als “Felsputzer“ mit Sicherungsmaßnahmen beschäftigt gewesen.

Die Ermittler hatten den Vorwurf erhoben, der Mann hätte Risse in dem Haus darunter erkennen müssen. Bei dem Felssturz waren am 25. Januar 2010 der 45 Jahre alte Familienvater und die 18-jährige Tochter ums Leben gekommen. Die Mutter und der Sohn überlebten schwer verletzt. Sie werden höchstwahrscheinlich kein Schmerzensgeld einklagen, so dass der Fall auch zivilrechtlich ohne Konsequenzen bleiben dürfte.

Noch Anfang des Jahres hatte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen damit begründet, der Bauleiter hätte die “für einen Experten deutlich sichtbaren Warnzeichen“ bei Felssicherungsarbeiten in den Jahren 2007 und 2008 nicht übersehen dürfen. Als Ursache für den Felssturz ermittelte ein Gutachter Klüfte im Gestein infolge geringer Festigkeit. Die Klüfte dehnten sich über Jahre hinweg aus, bis es am Unglückstag zur Abspaltung mehrerer Felsblöcke mit einem Gesamtgewicht von mehr als 1000 Tonnen kam, die das Anwesen regelrecht zermalmten.

Felssturz in Stein: Bilder vom Tag danach

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Das “Trostberger Tagblatt“ zitiert den Anwalt des Mitarbeiters mit den Worten: “Nach der Einstellung gilt die Unschuldsvermutung.“ Der Jurist nannte die Zustimmung des Traunsteiner Landgerichts zu der Einstellungsverfügung “den Königsweg“. Die Alternative wäre nach Meinung des Anwalts ein “hoch kompliziertes Verfahren mit einer drohenden Gutachterschlacht“ gewesen.

Der Vater und Großvater der beiden Überlebenden sagte der Zeitung, die Einstellung des Verfahrens sei ganz im Sinne der Familie. “Wir wollten von Anfang an nicht, dass der Bauleiter bestraft wird.“ Nach den Angaben des Vaters sind keine zivilrechtlichen Schritte zu erwarten. Seiner Tochter und dem Enkelsohn gehe es “den Umständen entsprechend gut“. Beide seien aber “natürlich nicht unbeschadet“.

dpa

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