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Tödlicher Zusammenstoß: „Verantwortungsloses Flugmanöver“

Warngau - Nach dem Unglück beim Warngauer Flugtag läuft die Suche nach der Ursache auf Hochtouren. Der Führer des Zuges, der kurz vor dem Absturz von den Flugzeugen überflogen wurde, erhebt schwere Vorwürfe.

Es sind deutliche Worte, die Helmut Faber zwei Tage nach dem Flugschau-Unglück von Warngau (Kreis Miesbach) wählt: „verantwortungsloses Flugmanöver“, „unverantwortlicher Leichtsinn“. Der 51-Jährige aus Schliersee arbeitet für die Bayerische Oberlandbahn - er führte den Zug, der am Samstagnachmittag auch in Warngau stoppte, wenige Minuten, bevor ein paar Meter weiter ein 47-jähriger Pilot in den Tod stürzte. „Das Leben meiner Fahrgäste, meines und das meiner Kollegen wurde aufs Spiel gesetzt“, sagt Faber.

Er verlässt den Bahnhof Warngau am Samstag fahrplanmäßig um 16.44 Uhr, etwa 100 Passagiere sind an Bord. Fast zeitgleich gehen die Piloten Hannes H. (47) und Alex S. (43) in ihren Maschinen in die Luft, die 6000 Zuschauer auf dem Flugplatz bewundern die spektakulären Manöver der Kunstflieger. Auch Helmut Faber kann sie sehen - weil die Flugzeuge in ein paar hundert Metern Entfernung die Gleise kreuzen. „Da hab ich das erste Mal geschimpft“, erzählt er gestern.

Der 51-Jährige ruft bei seiner Transportleitung an und beschwert sich. Doch nur wenige Minuten später, kurz vor dem Bahnübergang Piesenkam, überfliegen die beiden Piloten den Zug nochmals im Tiefflug - „und zwar in solcher Nähe, dass ich die Luftwirbelung des Propellers auf dem Führerstand spürte“, berichtet Faber unserer Zeitung. „Das war sehr bedrohlich.“

Dass die beiden Flugzeuge in der Luft kollidieren und einer der Piloten stirbt, erfährt der Schlierseer erst nach Dienstschluss, auch die Passagiere bekommen davon nichts mit. Die Nachricht schockiert ihn - und macht ihn wütend. „Der Fahrplan war doch den Verantwortlichen bekannt“, sagt Faber. Die Flugschau hätte seiner Ansicht nach problemlos zwischen den Fahrzeiten durchgeführt werden können.

Unterdessen laufen die Ermittlungen zu dem tödlichen Zusammenprall auf Hochtouren. Insbesondere geht es um die Frage, ob menschliches Versagen oder ein technischer Defekt der Maschinen vom Typ HF Extra 300 LP den Unfall verursachte. Das Wrack wurde am späten Sonntagnachmittag auf einem Lastwagen in eine Halle der Bundespolizei in Rosenheim gebracht. Dort wird es von Mitarbeitern der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung überprüft.

Die beiden Piloten sind dem Luftamt Südbayern, das die Genehmigung für den Flugtag erteilt hat, als Profis bekannt: „Das war Meisterklasse“, sagt Heinrich Schuster, Sprecher der Regierung von Oberbayern, der das Luftamt untersteht. Laut Behörde lief der Flugtag entsprechend den bundesweiten Bestimmungen ab. Ein Mitarbeiter des Luftamts war am Samstag persönlich auf dem Platz, er unterrichtete auch die beiden Unglückspiloten kurz vor ihrem Kunstflug über die Sicherheitsbestimmungen. So war etwa vorgeschrieben, dass Warngau nicht direkt überflogen werden darf, die Flugzeuge mussten vorher abdrehen. Nach ersten Erkenntnissen, so Schuster, prallten die Maschinen genau an der Stelle zusammen, an der sie nach einem Manöver eigentlich auseinanderfliegen sollten - die eine nach rechts, die andere nach links. Doch so weit kam es nicht mehr.

Carina Lechner

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