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Die Hose noch voller Blut und unter Schock: der Großvater kurz nach der Tat mit Beamten.

Nach Blutbad im Maisfeld: Opa rettet seine Enkelin

Töging - Der Messer-Überfall im Maisfeld auf die arme Carmen K. (16): Es ist die Tat eines mehrmals verurteilten Sex- und Gewaltverbrechers. Matthias A. (40) hat viele Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht.

Seit Herbst 2008 wohnt er in Töging . Unter schweren Sicherheitsauflagen. Trotzdem hat er am Dienstagabend wie ein Besessener mehr als 20 Mal auf das wehr- und hilflose Mädchen eingestochen, nachdem er sie vergewaltigen wollte.

Danach hat er sie mit Benzin übergossen. Es ist pures Glück, dass Carmen K. den heimtückischen Angriff überlebte. Sie hatte mit ihrem Handy um Hilfe gerufen. Ihr Opa Toni K. eilte in das nahe Maisfeld. Dort entdeckte der 79-Jährige seine Enkelin. Blutüberströmt und wimmernd. Matthias A. hatte sie dort zurückgelassen. Vermutlich hat er seine Tat eiskalt geplant. Er ließ sowohl das Tatmesser, das Rad des Mädchens und die Flasche mit dem Benzin verschwinden.

Video:

Interview mit der Nachbarin des Täters (rosenheim24.de)

Taucher der Polizei suchten am Mittwoch im nahen Innkanal danach. Auf jeden Fall muss er sein Opfer gekannt haben. Matthias A. wohnt bei seiner 91-jährigen Oma. Das Haus steht im Weiler Unterhart, der zu Töging gehört. Dort ist auch Carmen daheim. Der Täter ist mehrfach vorbestraft. „Der hat die Hälfte seines Lebens im Knast verbracht“, schimpft ein wütender Töginger. Ein Blick in seine Strafakte offenbart tatsächlich ein ellenlanges Strafregister. Die Akte eines Sexverbrechers ohne Reuegefühl.

Bilder vom Tatort

Bilder: Bluttat in Töging

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Schreckliche Bluttat in Töging

Der Täter wollte Carmen K. vergewaltigen 

„Der Tatverdächtige hat eingeräumt, die Tat begangen zu haben“, bestätigte Helmut Vordermayer , der Leitende Oberstaatsanwalt in Traunstein . „Er macht jedoch keine Angaben zum näheren Tathergang und Motiv.“ Matthias A. , der irre Sex-Verbrecher, der beinahe zum Killer geworden wäre. Seine Eltern wohnen nach tz-Infos in Wolfsburg . Matthias A. zog im vergangenen Jahr zu seiner Oma nach Oberbayern. Auch dort galt er sofort als Sonderling. Besorgte Nachbarn informierten sich bei der Polizei über ihn. Auch Bürgermeister Horst Krebes nimmt kein Blatt vor den Mund. Als Matthias A. vor einem Jahr in seine Stadtgemeinde gezogen war, habe man angesichts seines Vorstrafen-Registers im Rathaus nur den Kopf geschüttelt.  

„Müssen wir so einen bei uns haben?“, hieß es. „Es ist ja verrückt“, schimpft Krebes, „dass wir den Mann auch noch mit einem freundlichen Willkommensschreiben bei uns begrüßt haben!“ Nach Krebes’ Informationen habe Matthias A. die schreckliche Tat wohl schon länger geplant, allerdings ein anderes Opfer im Visier. „Es sieht so aus, als ob er sich das Mädchen am Dienstag mehr oder weniger zufällig ausgesucht hat.“

Krebes mag gar nicht daran denken, dass bei den vielen Verletzungen an Kopf, Hals und Oberkörper die 16-Jährige dem Tod nur um Haaresbreite entkommen ist. „Das Messer hat ihre Schlagader nur knapp verfehlt.“ Und dann, so habe sie es ihrem Großvater erzählt, hätte sie dieser Mann ja auch noch verbrennen wollen. „Der wollte mich anzünden, der wollte mich anzünden!“, hat sie mehrmals geschrien. Der Rathaus-Chef hofft, dass die Wunden an Carmens Körper bald heilen. Und hoffentlich auch die seelischen Narben.

Der Gesundheitszustand des Mädchens ist stabil. „Sie ist außer Lebensgefahr“, heißt es aus dem Mühldorfer Krankenhaus . Töging hofft und bangt mit Carmen.

J. Mell, S. Dorner, D. Costanzo, ­A. Stinglwagner, W. De Ponte

Töging unter Schock

Nur der kreisende Polizeihubschrauber über Töging zeugte am Dienstag von dem schrecklichen Verbrechen an Carmen K. (16). Doch das idyllische 9300-Einwohner-Städchen stand im Fokus der Medien aus ganz Deutschland. ­Bäcker, Metzger, Rathaus: Überall war der feige Überfall auf das hübsche Mädchen ­Gesprächsthema. Auch wenn den meisten die Worte fehlten. Töging steht am Tag nach dem Mordanschlag auf Carmen unter Schock.

Am treffendsten formuliert es wohl Bastian Höchtstaller, der junge 2. Bürgermeister. „Ich bin zwar erst 28 Jahre alt. Aber an so ein Verbrechen kann ich mich in Töging nicht erinnern. Niemand kann sich an so etwas erinnern.“ Nach einer kurzen Pause schiebt er nach: „Das ist der Wahnsinn!“ Einer der letzten, die Carmen vor ihrem Martyrium im Maisfeld gesund gesehen haben, ist Reitlehrerin Martina Stocker-King. Carmen nahm bei ihr von 15 bis 16 Uhr eine Reitstunde auf ihrem Lieblingspferd Celina. Seit einem halben Jahr reitet Carmen beim TuS Töging. „Sie ist so ein liebes und ruhiges Madl“, ringt Martina Stocker-King um Fassung.

Gegen 16.30 verließ sie die Anlage – allein. Ob der Messerstecher Carmen schon beim Reiten beobachtet hat, ist unklar. Der Reitlehrerin ist jedenfalls nichts aufgefallen. „Sie hat sich ganz normal verabschiedet und auf den Heimweg gemacht. Ganz normal, so wie immer“, sagt Stocker-King. Carmen wählte den Feldweg hinauf nach Unterhart. Vorbei am Freibad, das direkt an die Reitanlage grenzt. So lässt sich auch erklären, dass die Polizei zunächst vermel­dete, dass das Mädchen beim Baden war, ehe sie Opfer dieses schrecklichen Verbrechens wurde. Eine Tat, die Töging sprachlos macht.

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