+
Ein Mann paddelt sich um die Welt: Tom Fritzmeier auf dem Weißsee im Salzburger Land.

Projekt Erstbefahrung mit dem Stand-Up-Paddel-Board in Chile

Rekordversuch auf 6390 Metern Höhe: Bayern gehen auf einzigartige SUP-Tour

  • schließen

Er trägt das Tattoo eines Paddelboards, sie das einer Bergkette. Die ideale Kombination für ihr Projekt: Tom Fritzmeier und Simone Bronnhuber brechen zu einer einzigartigen Reise auf – sie wollen auf dem höchsten Bergsee der Welt paddeln.

Bad Tölz/Chile – Tom Fritzmeier, 36, liegt auf der Couch. Googelt nach demhöchsten Bergsee der Welt. Was man halt so macht, wenn man gerade nichts zu tun hat. Ergebnis: Ojos del Salado. In Chile. Auf 6390 Metern Höhe. Mitten in den Anden. Wunderbar, denkt er sich, dort wird gepaddelt. Unterhalb des weltweit höchsten Vulkans. Im Krater. Als Erster überhaupt. In Badeshorts. Über den letzten Punkt werden sie noch reden, er und seine Freundin Simone Bronnhuber, 31. Ohne Neoprenanzug will sie ihn nicht aufs Wasser lassen. Zu gefährlich. Ansonsten – alles klar. Sie ist dabei. „Sein Traum“, sagt sie, „ist schnell zu unserem geworden.“

Das Paddel-Trio am Kochelsee: (v.l.) Kameramann Daniel Kania, Simone Bronnhuber und Initiator Tom Fritzmeier. Am 1. November beginnt ihre Reise nach Südamerika.

Warum macht ihr das? Keine Frage haben die beiden in den vergangenen Wochen öfter gehört. Nach wie vor sucht Fritzmeier nach Worten. Er hat nicht über einen Grund nachgedacht. Bis jeder einen hören wollte.

SUP-Tour nach Chile: Etwas machen, was noch niemand zuvor gemacht hat

Unter Fernweh leidet er ständig, nach besonderen Orten sucht er permanent. An diesem Nebel-Niesel-Tag auf der Couch hat er einen gefunden. Die Vorstellung, etwas zu machen, was niemand zuvor gemacht hat, begeisterte den Journalisten, der bis vor Kurzem als Sportredakteur bei den Schongauer Nachrichten gearbeitet hat.

Gut – Fritzmeier unterbricht sich, grinst. Vielleicht gibt es einen Grund, weshalb noch keiner auf die Idee gekommen ist. „A bisserl bescheuert“ finden sie manche. Egal. Sollen die Leute reden, das hat die zwei nur motiviert. „Man sollte viel öfter mal was Blödes, an Schmarrn machen“, findet Fritzmeier. Sich an Unbekanntes wagen. Seine Grenzen ausloten. Dafür gebe es im Alltag heute kaum noch Gelegenheit. „Was drin ist im Tank“, körperlich und mental, das würde der gebürtige Bad Tölzer, der jetzt bei Dillingen lebt, gerne wissen. Als ehemaliger Eishockey-Profi holte er es ab und zu aus sich heraus. Zu selten womöglich. Fritzmeier gehörte zur fauleren Fraktion. Hätte er sich damals auf jede Saison so vorbereitet wie auf den Trip jetzt – er sportelt und schläft mit einer Maske, die sauerstoffarme Höhenluft simuliert –, hätte er es vielleicht zu mehr gebracht als zu 31 Einsätzen in der Ersten Liga DEL, meint er und lacht. Wie weit er wohl gekommen wäre, würde er ebenso akribisch trainieren wie seine Freundin.

An der Fitness, sagt sie, darf das Projekt nicht scheitern. Daher ihr Motto: laufen, laufen, laufen. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, mindestens zehn Kilometer rennt sie vier Mal die Woche vor der Arbeit als Redakteurin bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Zudem regelmäßig die „Höllenmaschine“ im Fitnessstudio: Treppensteigen in Endlosschleife. Grausam, aber effektiv.

Die Rollen hat das Paar untereinander klar verteilt. Sie – die Organisatorin. Er – der Spontane. „Ich hatte die Idee, Simone plant sie“, sagt Fritzmeier. Er lässt die Dinge auf sich zukommen, improvisiert dann. Sie kalkuliert Eventualitäten ein. „Ich muss nicht genau wissen, was alles passiert.“ Aber sie muss sicher sein: Was gehört in die Reiseapotheke? Wo bekommen sie vor Ort SIM-Karten und Internet? Wie wird das Wetter? Was darf ins Handgepäck? Wie viel Sonnenschutz? Was passt in den Rucksack und wie schwer wird er? Fragen, die Bronnhuber beschäftigen. Einmal Probepacken steht auf ihrer Liste vor dem Abflug nach La Paz am 1. November.

Vier Wochen mit dem SUP in Südamerika unterwegs - mit Stationen am Titicacasee und dem Vulkansee als Höhepunkt

Vier Wochen sind sie unterwegs. Auf ihrer Route mit Stationen am Titicacasee in Bolivien, dem Gipfel des Licancabur (5920 Meter) an der Grenze zu Chile und schließlich dem Vulkansee in der Atacamawüste begleitet sie ein professioneller Bergführer. Die Höhe und Kälte – bis zu minus 20 Grad in der Nacht – werden die größten Herausforderungen. Alpinistische Schwierigkeiten erwarten sie keine, weder Klettereien noch ausgesetzte Passagen.

Gut so, findet Fritzmeier. Als Bergmensch würde er sich nicht bezeichnen. „Das wäre unfair echten und guten Bergsteigern gegenüber.“ Wie sein Großvater einer war. Immer wollte er seinen Enkel „Dammal“ mitnehmen auf die vielen Gipfel der Heimat. Aber der Bub hatte keine Lust. Würde er seinem Opa jetzt von dem Bergprojekt erzählen – „er fänd’s cool“. Die jahrzehntealte Gletscherbrille seines verstorbenen Großvaters wird ihn bei der Expedition begleiten.

In den heimischen Bergen mit SUP und Paddel eine Attraktion

Aufstieg zum Bergsee: Zehn bis zwölf Kilo wiegt Tom Fritzmeiers Rucksack mit Paddel und aufblasbarem Board. 

Viele Wochenenden haben Fritzmeier und Bronnhuber samt aufblasbarem Brett und Paddel im Sommer in den Bergen verbracht. Ihn „kaast’s durchaus mal an, wenn die Tour zu lange dauert“. So ein Grant-Gefühl kennt sie nicht. Ein Bergmensch? Ja, das passt zu ihr, findet Bronnhuber. Am linken Rippenbogen ließ sie sich vor einigen Jahren eine Bergkette tätowieren. Auch das Wasser liebt sie, das Schwimmen. Fritzmeier kann’s nicht leiden. „Das Wasser ist der Feind.“ Deshalb steht er ja auf dem Board. Ein Tattoo davon trägt er auf dem Oberarm.

Lange suchte Fritzmeier nach der Eishockey-Karriere nach einem Hobby. Vor fünf Jahren fand er es. Die Stille auf dem Wasser gefiel ihm. Der andere Blick. Auch, dass den Sport nicht viele betrieben. Das hat sich geändert. Stand Up Paddling ist längst ein Trend. Durch ihren Freund kam Bronnhuber vor zwei Jahren dazu, gemeinsam entdeckten sie das Paddeln an Orten, an denen nur wenige mit ihrem aufblasbaren Board auftauchen.

In den Kanälen von Venedig zum Beispiel. Oder in Dublin, Amsterdam, Tel Aviv,Ulm. „Das Board ist zu unserem Reisekoffer geworden“, sagt Bronnhuber. Zur Ruheinsel. Zur Attraktion an den Bergseen der bayerischen, Schweizer und österreichischen Alpen. Die zwei fallen auf unter den Touristen. Spätestens, sobald sie die Pumpe auspacken, meist schon beim Aufstieg, wenn aus dem Rucksack das Paddel herausragt wie eine Antenne.

Das „Muli“, wie sich Simone Bronnhuber selbst bezeichnet. Sie muss ja alles tragen, was im SUP-Rucksack keinen Platz mehr hat. 

Viele stellen Fragen, vor allem nach dem Gewicht. Zehn bis zwölf Kilo trägt Fritzmeier. Beeindruckend, finden die Wanderer. Und übersehen „Muli Simone“, so beschreibt sie sich selbst. Ihr Rucksack wiegt genauso viel, sie schleppt Kleidung, Wasser, Brotzeit, Fotoausrüstung samt Drohne. Denn bei aller Freizeit: Jeder Ausflug bringt Arbeit. Vor allem der bevorstehende Rekordversuch.

Erst stand der Traum. Daraus wurde ein Projekt, das sich vermarkten lässt. Sie fanden Sponsoren. Ein Sportgeschäft stattet sie aus, eine SUP-Marke stellt Board und Rucksack, weitere Firmen unterstützen sie, Magazine wollen ihre Geschichte danach lesen. Das verpflichtet. Hier und dort diese und jene Fotos machen, diese und jene Videosequenzen aufnehmen, Beiträge für den eigenen Blog schreiben. Spontan schloss sich Fritzmeiers Cousin Daniel Kania, 23, der kleinen Reisegruppe an. Der gebürtige Bad Tölzer übernimmt als Kameramann die Dreharbeiten. Wird „die Reise unseres Lebens“ festhalten. Davon redet Simone Bronnhuber immer wieder. Tom Fritzmeier dagegen mag solche bedeutungsschweren Ausdrücke nicht. Er will eine gute Zeit haben, die keine Superlative braucht.

In Südamerika Menschen und das Land genießen - SUP-Rekord als Höhepunkt

Das Einzigartige sehen. Momente sammeln, das Land aufsaugen. Genießen. Darum geht es ihm. Doch er macht sich Sorgen. Nicht darüber, dass der Vulkansee zugefroren sein könnte oder der Wind zu stark weht für die Paddelei – nebensächlich. Am meisten macht er sich Sorgen, dass sie bei all ihren Aufgaben das Genießen übersehen könnten. Und, nebenbei, dass die elektrische Zahnbürste ihren Geist aufgibt.

Der Rekord wäre das große Finale. Druck spüren sie keinen und machen ihn sich auch nicht. Bronnhuber entscheidet erst im Krater, ob sie sich überhaupt aufs Board stellt. Je nachdem, wie stark der Wind auf 6370 Metern bläst. Ohnehin ist für sie klar: „Es ist Toms Traum. Die Erstbefahrung gehört ihm.“ Am liebsten in Badeshorts.

Aktuelle Infos

über die Rekord-Reise der beiden gibt es im Internet unter: www.thebrettz.com

Das könnte Sie auch interessieren: 

SUP im Winter: "Im Winter gehört der See Dir allein"

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Brutale Messer-Attacke: Mann sticht Freund in den Kopf - Polizei schlägt zu
Im oberfränkischen Bayreuth kam es am Freitagabend zu einer brutalen Attacke. Ein Mann stach dabei seinen Kontrahenten mit einem Messer völlig unvermittelt in den Kopf.
Brutale Messer-Attacke: Mann sticht Freund in den Kopf - Polizei schlägt zu
Unbekannter überschüttet Krankenpfleger mit Benzin - dann versucht er ihn anzuzünden
Ein Unbekannter hat in einer Klinik in Wasserburg einen Pfleger mit Benzin übergossen und versucht ihn anzuzünden. Dann flüchtete der Täter.
Unbekannter überschüttet Krankenpfleger mit Benzin - dann versucht er ihn anzuzünden
Horror-Fund in Ingolstadt: Frau liegt tot in Keller - jetzt wurde ein Tatverdächtiger festgenommen
Schock in Ingolstadt: Eine Frau wurde tot auf ihrem Anwesen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Ein Tatverdächtiger wurde gefasst.
Horror-Fund in Ingolstadt: Frau liegt tot in Keller - jetzt wurde ein Tatverdächtiger festgenommen
Illegales Straßenrennen: Todesfahrer bezahlen Ausgleich an Opfer-Familie - Polizist suspendiert 
Der „Raserunfall von Kalteck“ sorgte im vergangenen Sommer für Entsetzen. Nun läuft der Prozess, in dem sich die beiden Todesfahrer verantworten müssen.
Illegales Straßenrennen: Todesfahrer bezahlen Ausgleich an Opfer-Familie - Polizist suspendiert 

Kommentare