Tonnenweise Partydrogen

Nürnberg/Georgensgmünd - Ein Chemie-Großhändler soll tonnenweise Lösungsmittel als Party-Dorge verkauft haben. Fünf Menschen starben, einer hatte noch die Rechnung in der Tasche.

Sieben Tonnen Partydrogen soll ein Chemikalienhändler aus dem Landkreis Roth an Rauschgiftdealer und Drogensüchtige verkauft haben. Seit Montag (28. Juni) muss sich der 32 Jahre alte Kaufmann aus Georgensgmünd deshalb in einem Mammutprozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Der 32-Jährige sitzt seit Juli 2009 in Untersuchungshaft. In ihrer 175 Seiten langen Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft dem Geschäftsmann knapp 7800 Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vor. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte den gesamten ersten Prozesstag.

Liquid Ecstasy - Gamma-Butyrolacton (GBL)

Die drei Anwälte des Angeklagten zweifeln unterdessen an der Schlüssigkeit der Anklage. Ihr Mandant sei unschuldig, betonten sie. Er habe den in der Drogenszene als “flüssiges Ecstasy“ bekannten Stoff Gamma-Butyrolacton (GBL) zu keinem Zeitpunkt an Drogenhändler oder Rauschgiftsüchtige verkauft. Vielmehr sei er stets davon ausgegangen, dass seine Kunden GBL allein als industrielles Lösungsmittel verarbeitet oder weitervertrieben hätten. GBL steckt etwa in Putzmittel oder Felgenreiniger. Wann immer er den Verdacht gehabt habe, GBL könnte von einem der Ankäufer als Droge missbraucht werden, habe er den Verkauf abgelehnt, erläuterten die Verteidiger.

In der Drogenszene ist GBL als Ecstasy-Ersatz geschätzt. Nach dem Herunterschlucken versetze der Stoff Drogenkonsumenten in Rauschzustände und Euphorie, erklärte die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Allerdings sei die Wirkung von GBL schwer zu steuern. Selbst bei ordnungsgemäßer Dosierung könnten Konsumenten bewusstlos werden oder in ein Koma fallen. Atemstillstand könne bis zum Tod führen. Außerdem mache GBL Konsumenten innerhalb kürzester Zeit abhängig.

Ein Toter hatte noch die Rechnung in der Tasche

Zwischen März 2008 und Juli 2009 seien fünf Kunden des Angeklagten an den Folgen des Stoffs GBL gestorben, hieß es. 76 weitere Menschen erlitten schwere Verletzungen, nachdem sie GBL eingenommen hatten. In der Tasche eines 32 Jahre alten Opfers habe noch eine Rechnung des Chemikalienhändlers aus Georgensgmünd gesteckt.

Die Nürnberger Justiz steht derweil vor einem der aufwendigsten Indizienprozesse der letzten Jahre. Das Verfahren ist vorerst bis Weihnachten terminiert. Insgesamt sollen 317 Zeugen und Sachverständige gehört werden. Die Anwälte des Angeklagten kündigten am Montag an, sie würden wegen der ihrer Ansicht nach strittigen Beweislage auf der Anhörung jedes einzelnen Zeugen bestehen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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