Durch Wasserwalze gespült: Junger Mann stirbt in der Isar

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Viele Flussbetten sind derzeit ausgetrocknet.

Totale Ebbe in den Bächen: Fischer schlagen Alarm

München - Trockenheitsrekord: Im ganzen November hat es in weiten Teilen Bayerns keinen Tropfen geregnet. An den Flüssen in Oberbayern ist der Wasserstand noch leidlich gut. Aber viele Bäche sind schon trocken – Fischer schlagen Alarm.

Der Mühlbach, der Klaffenbach, der Tratenbach – an all diesen Zuläufen zur Isar bei Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) herrscht derzeit totale Ebbe. „Teilweise sind sie ganz trockengefallen, teilweise sind noch einige Gumpen übrig“, stellt Stefan Greif fest. Der Vorsitzende des Fischereivereins kontrolliert mit seinen Mitgliedern derzeit täglich die zahlreichen Bäche. Erst vergangenen Samstag wurden in den schmalen Gewässerrinnen und Pfützen wieder Fische evakuiert: Bachforellen, Äschen und viele Kleinfische kamen in die Isar, teilweise auch in den Sylvensteinspeicher-See.

Denn dort ist der Wasserspiegel noch weitgehend normal, wie Christian Wanger vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim bestätigt. „Der Sylvenstein liegt derzeit etwa einem halben Meter unter dem Wasserstand, der normal ist.“ Dies sei noch tolerabel. Der Wasserabfluss zur Isar, der vom Wasserwirtschaftsamt reguliert wird, beträgt derzeit einen Kubikmeter je Sekunde. Dies reiche aus, um den Wasserstand am Pegel Bad Tölz gleichbleibend bei etwa 10 Kubikmeter/Sekunde zu halten. So wie es Standard ist.

Der trockenster Monat seit Aufzeichnungsbeginn lässt auch die Experten aufhorchen. Mit nur drei Litern pro Quadratmeter (l/m²) verfehlte die bundesweit gemittelte Regenmenge im November 2011 den Sollwert von 66 l/m² in bisher nicht gekanntem Ausmaß, meldet der Deutsche Wetterdienst.

Seit Messbeginn im Jahre 1881 gab es keinen derart trockenen November. Der bisherige Tiefstwert von 3,65 l/m², gemessen im April des Jahres 1893, wurde nach heutigem Stand unterboten. Einige Wetterstationen sahen im ganzen Monat keinen einzigen Tropfen.

Trotz der anhaltenden Trockenheit seien die Flusspegel an der Isar und anderswo aber „noch weit entfernt von absoluten Tiefstständen“, sagt Wanger. Er führt das auf die winterliche Witterung zurück: „Die Verdunstung ist bei weitem nicht so stark wie im Hochsommer.“ Allerdings gehen die Pegelstände langsam zurück, besonders an der Donau, die an nahezu allen Messstellen den mittleren Niedrigwasserabfluss unterschritten hat. Auch an der Amper bei Fürstenfeldbruck ist der Abflusswert jetzt „sehr niedrig“. Derzeit fließen etwa 7,8 Kubikmeter/Sekunde. Zum Vergleich: Mitte Oktober waren es noch um die 20 Kubikmeter/Sekunde. Die Wasserstände der Seen sind gleichfalls sehr niedrig, heißt es im Lagebericht des Landesamtes für Umwelt, auch wenn historische Tiefststände noch nicht erreicht seien. Lediglich der Starnberger See und der Simssee haben noch mittlere Wasserstände.

Ein interessantes Phänomen gibt es am Isar-Oberlauf bei Wallgau (Kreis Garmisch-Partenkirchen): Dort ist das Flussbett komplett trocken. Das heißt aber nicht, dass die Isar kein Wasser führt, beruhigt Christian Wanger vom Wasserwirtschaftsamt. Vielmehr hatten Schneefälle im Oktober mit anschließender Warmluft zu einem akuten Hochwasser geführt. Das Geschiebe in der Isar zerstörte die sogenannte Selbstdichtung des Flusses. Das ist nicht ungewöhnlich, sagt Wanger. Ungewöhnlich war jedoch die anschließend fast schlagartig einsetzende Trockenheit. Das Wasser führte zu wenig Kleinstpartikel mit, die das Flussbett nicht abdichten konnten. Daher versickert das Flusswasser und kommt erst etwa zwei Kilometer flussabwärts wieder an den die Oberfläche. Erst nach einem längeren Regen werde sich das ändern, sagt Wanger.

Wann der Regen kommt, ist aber ungewiss. Der Wetterdienst stellt erste Schauer in Aussicht. Vorerst aber bleibt viel Arbeit für die Fischer: Gestern hat Fischer-Chef Stefan Greif den Hirschbach bei Lenggries-Hohenburg kontrolliert. Auch trocken. Nur am Oberlauf sind noch einige Wasserstellen, wo sich jetzt Bachforelle und Co. tummeln. „Die werden wir am Wochenende umsetzen.“

Von Dirk Walter

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