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Oliver O.

Toter Soldat kommt aus Schnaitsee

Schnaitsee - Er starb in Afghanistan: Der deutsche Soldat, der am Freitagabend bei Pol-i Khomri ums Leben kam, stammt aus dem Kreis Traunstein. Sein Heimatort steht unter Schock und trauert um den 21-jährigen Oliver O.

Es ist Anfang November, da begeht man in Waldhausen, einem Ortsteil von Schnaitsee, den Volkstrauertag. Der Bürgermeister Vitus Pichler hält eine Rede, er spricht auch über den Krieg. Den Krieg in Afghanistan. Der ist in Schnaitsee, dem 3600-Seelen-Dorf im Kreis Traunstein, oft Thema. Der Standort der Bundeswehr in Bischofswiesen ist nur etwa 80 Kilometer entfernt. Immer mal wieder verpflichten sich Söhne aus der Gemeinde für einen Einsatz am Hindukusch. „Afghanistan ist sehr nahe“, sagt Pichler an diesem umgemütlichen Tag. Sechs Wochen später erinnert er sich an seine Worte. „Ich hätte nie gedacht, dass uns das Unglück so schnell einholt“, sagt Pichler am Montagnachmittag. Der junge Soldat, der am Freitagabend bei seinem Auslandseinsatz in Afghanistan ums Leben kam, kommt aus Waldhausen.

Vor einem Bild von Oliver O. gedachte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ihm und allen anderen deutschen in Afghanistan Gefallenen

Die Nachricht vom Tod des 21-jährigen Oliver O. überbringen der Familie noch am Freitagabend vier Kameraden. Der Pfarrer informiert die Gemeinde am Samstag in der Vorabendmesse über das Unglück, bei der Weihnachtsfeier des Krieger- und Soldatenvereins wird eine Gedenkminute abgehalten. Trauernde beten am Sonntag in der Kirche den Sterberosenkranz für Oliver. Das Dorf steht unter Schock. Bürgermeister Pichler kennt die Familie gut. Oliver war mit seiner Mutter und seiner Schwester als sechsjähriger Bub aus den neuen Bundesländern nach Bayern gekommen, die beiden fanden in Waldhausen eine neue Heimat. Die Mutter heiratete einen Alteingesessenen, Oliver bekam vor zehn Jahren einen Halbbruder.

Die Familie ist im Gemeindeleben integriert, Oliver Mitglied im Schützenverein, bei der Freiwilligen Feuerwehr. Bürgermeister Pichler beschreibt ihn als ruhigen, angenehmen Kerl. Nach der Hauptschule macht Oliver O. eine Ausbildung zum Estrichleger – doch 2009 verpflichtet er sich für zwei Jahre zum Dienst bei der Bundeswehr, er ist Hauptgefreiter beim Gebirgsbataillon 232 in Bischofswiesen im Berchtesgadener Land. Im Oktober wird es ernst, er muss zum Kriegs-Einsatz nach Afghanistan. Zu seiner Mutter, seinem Stiefvater und seinen Geschwistern hat er trotz der Entfernung regelmäßigen Kontakt, am dritten Adventssonntag sprechen und sehen sie sich sogar am Video-Telefon.

Am Freitagabend kommt der 21-Jährige mit seinen Kameraden von einem lebensgefährlichen Einsatz zurück zum Lager, einem Außenposten nördlich des Regionalen Wiederaufbauteams Pol-i Khomri. Die Soldaten reinigen ihre Waffen – da passiert das Unglück. Aus der Waffe eines Kameraden löst sich ein Schuss, die Kugel trifft Oliver O. Sofort bringt ein Hubschrauber den Schwerverletzten in das Feldlager, der Hauptgefreite wird notoperiert. Doch Oliver stirbt.

In den deutschen Lagern wehen die Fahnen seither auf Halbmast, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg besuchten am Samstag die Gedenkfeier im Camp Marmal in Masar-e-Sharif. In Waldhausen wartet Olivers Familie darauf, dass sein Leichnam möglichst bald nach Deutschland überführt wird. Zuerst müssen die Untersuchungen in Afghanistan abgeschlossen werden, möglicherweise wird der tote Soldat aber schon heute nach Köln geflogen. „Wir alle hoffen, dass Oliver noch vor Weihnachten beerdigt werden kann“, sagt Bürgermeister Pichler. „Er hat eine würdige Feier verdient.“

Carina Lechner

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