Sperrung wegen Feuerwehreinsatz: Schienenersatzverkehr für S7 und S20

Sperrung wegen Feuerwehreinsatz: Schienenersatzverkehr für S7 und S20
+
Im Zickzack-Kurs auf den Berg: So sah es im vergangenen Winter am Brauneck aus – bis der Liftbetreiber die Piste dicht machte. Informationen zu den aktuellen Regelungen in einzelnen Skigebieten bietet der Alpenverein auf www.alpenverein.de

Touren im Skigebiet: Der Pisten-Frieden

München - Pistengeher gegen Seilbahnbetreiber: Im vergangenen Winter eskalierte der Streit. Ganze Abfahrten wurden gesperrt. Jetzt gehen die Streitparteien, der Alpenverein und die Liftbetreiber, das Problem gemeinsam an.

Das hätte sich vor einem Jahr wohl kaum einer träumen lassen: Es geht um Pistengeher - und es herrscht Frieden. Der Deutsche Alpenverein und der Verband deutscher Seilbahnen wagen den Schulterschluss bei einem Thema, über das sie sich noch im vergangenen Jahr heftig gestritten haben.

Mehr Themen zu Ski und Schnee finden Sie im Outdoor-Special

Zum Hintergrund. Noch vor gut zehn Jahren war klar: Wer eine Skitour unternehmen will, der geht ins freie Gelände. Es heißt, Skibergsteigen ist die Königsdisziplin des Wintersports, man braucht eine Spitzen-Kondition, belohnt wird der mühsame Aufstieg durch einsame Abfahrten in unberührtem Tiefschnee. Doch um die Jahrtausendwende herum begannen einzelne Tourengeher, auf die präparierten Pisten der Skigebiete auszuweichen. Schnell wurde diese Variante attraktiv. Schon 2003 sah der Alpenverein Handlungsbedarf und startete Aktionen, druckte Flyer: Wie muss sich der Tourengeher auf der Piste verhalten?

Doch die Sache lief aus dem Ruder. Immer mehr Tourengeher drängen seither auf die Skigebiete in den bayerischen Alpen. Der Sport gilt als relativ sicher, in der Regel herrscht keine Lawinengefahr, auch in schneearmen Zeiten beschneien die Bergbahn-Betreiber die Abfahrten, Hütten für eine gemütliche Einkehr stehen bereit - und wer nach Feierabend noch Sport treiben will, ist mit der Stirnlampe in einem Skigebiet sicherer als in freier Natur. Es dauerte nicht lang und ein Begriff für diese Sportart war gefunden: das Pistengehen. Inzwischen gibt es sogar Weltmeisterschaften. Verlässliche Zahlen über die Größe dieser Gruppe gibt es keine, Schätzungen gehen aktuell von etwa 300 000 Aktiven aus - und das nur im Raum südlich von München bis zum Alpenrand. Peter Huber, Vorstand des Seilbahnverbands und auch Chef der Bayerischen Zugspitzbahn, hat an einem guten Skitag im Gebiet Garmisch Classic mal durchzählen lassen: Auf 6000 offizielle Kunden, die einen Skipass gekauft hatten, kamen etwa 600 Pistengeher.

Im vergangenen Winter zogen Bahnbetreiber im Skigebiet Spitzingsee (Kreis Miesbach) und am Brauneck in Lenggries (Kreis Bad Tölz- Wolfratshausen) die Notbremse: Man verbot Tourengehen auf ausgewiesenen Skipisten und begründete den Schritt mit Sicherheitsaspekten. Es sei zu gefährlich, wenn Pistengeher unvermittelt Abfahrten kreuzen. Die empörten Reaktionen folgten prompt: Pistengeher vermuteten eine Kampagne gegen die Klientel, der von den Bahnbetreibern vorgeworfen wird, kein Geld zu zahlen, aber die aufwändig präparierten Pisten zu nutzen. „Total überzogen und nicht tragbar“, schimpfte der DAV. „Die Pisten dürfen gar nicht gesperrt werden, da sie Teile der ,freien Natur‘ sind“, sagte Sprecher Thomas Bucher damals. Die Seilbahnbetreiber konterten mit Hausrecht - es drohte ein Rechtsstreit. Doch dazu kam es nicht. „Das hätte beiden Seiten nichts gebracht“, sagte DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban gestern.

Alpenverein und Seilbahnbetreiber erarbeiteten eine gemeinsame Position, die sie am Dienstag in München vorstellten. Im Kern wollen sie erreichen, dass es in allen bayerischen Skigebieten Aufstiegsmöglichkeiten für Tourengeher gibt - das können separate Pisten sein wie beispielsweise am Tegelberg, aber auch eine gute Beschilderung, die am Pistenrand entlang führt. Für jedes Skigebiet will man individuelle Lösungen erarbeiten. Pistengeher sollen Regeln (siehe Kasten) beachten und befristete Sperrungen von Pistenabschnitten berücksichtigen.

An der Basis des Alpenvereins sehen manche den Schulterschluss kritisch: „Uns verwundert, dass sich der DAV öfter mit dem VDS trifft, als mit seiner Klientel“, sagt Robert Herz aus Garmisch-Partenkirchen. Herz hat im Januar den Verein „Skitourensportler“ gegründet - aus Protest gegen die Pisten-Sperrungen. Er fordert ordentliche Regelungen, mit denen beide Parteien leben können, eine finanzielle Beteiligung schließt er nicht aus.

Wie stabil der Pisten-Frieden ist, wird sich während der Saison zeigen. Jetzt muss es nur noch schneien.

Von Carina Lechner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sturmtief „Friederike“: Weiter Verspätungen bei Flügen und Zügen
Sturmtief Friederike erreicht Bayern - genau zum Jahrestag von Orkan Kyrill aus dem Jahr 2007. In unserem Newsblog halten wir Sie auf dem Laufenden.
Sturmtief „Friederike“: Weiter Verspätungen bei Flügen und Zügen
Elektronische Wasserzähler bald Pflicht? Datenschützer schlägt Alarm
Elektronische Wasseruhren kann man ablesen, ohne dass jemand die Haustür öffnen muss. Nun rühren sich jedoch Bedenken dagegen, dass Gemeinden die funkenden Zähler bald …
Elektronische Wasserzähler bald Pflicht? Datenschützer schlägt Alarm
Asylhelfer nach Verbandsentscheid frustriert: „Weniger wert als ein Putzlappen“
Ulrich Muzyk hat begonnen, einer Afghanin ehrenamtlich Nachhilfe zu geben. Nachdem er in seinem Engagement eingebremst wurde, versteht der 77-Jährige die Welt nicht mehr.
Asylhelfer nach Verbandsentscheid frustriert: „Weniger wert als ein Putzlappen“
Das macht Sarah Lombardi in einem 300-Einwohner-Ort bei Passau
Sarah Lombardi wurde bekannt durch DSDS und geriet dann mit dem Rosenkrieg mit Ex-Mann Pietro Lombardi in die Schlagzeilen. Jetzt kommt sie in eine Dorfdisko im Kreis …
Das macht Sarah Lombardi in einem 300-Einwohner-Ort bei Passau

Kommentare