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Glück gehabt: Andi W. (47) liegt derzeit in der Klinik in Salzburg

"Ich dachte, jetzt ist es aus mit mir"

Ramsau/Salzburg - Es sind nur wenige Sekunden, aber die wird Andi W. (47) sicher nie vergessen: Der Tourengeher stürzte in ein 50-Meter-Eisloch - und überlebte.

Es ist Sonntagmittag, als der erfahrene Tourengänger über den glitzernden Schnee nahe dem Edelweißlahnerkopf in den Berchtesgadener Alpen gleitet. Neben ihm fährt eine Bekannte Richtung Tal. Und dann passiert es: Vor dem Lehrer klafft urplötzlich ein Loch. Verzweifelt versucht Andi W. abzubremsen. Zu spät! Sein Schwung reißt ihn hinab in die gähnende Leere. 50 Meter tief fällt er – bis er mit dem Kopf vo­ran aufschlägt.

Der Mann war 50 Meter in die Tiefe gestürzt.

Dann herrscht tödliche Stille. Durch die Wucht des Aufpralls versinkt der 47-Jährige drei Meter tief im Schnee der Karst-Doline. Und das ist nicht alles: Von oben rutschen Schneemassen nach, fallen auf die Stelle, wo Andi im Schnee steckt. Zusammengekauert liegt der Mann nun gefangen im schwerem Nassschnee – und das bei vollem Bewusstsein. „Zuerst habe ich gedacht, das kann nicht real sei. Ich werde jeden Moment aus diesem Albtraum aufwachen“, schildert der Lehrer den schrecklichen Unfall der tz. „Ich wusste, mit jeder Minute unter den Schneemassen wird die Luft dünner.“ So harrt er hilflos unter dem eiskalten Schnee aus. Auf Rettung wagt er kaum zu hoffen: „Ich war mir sicher, jetzt ist es aus. Innerlich hatte ich mit meinem Leben schon abgeschlossen.“

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Skitourengeher überlebt 50 Meter tiefen Absturz

Gleichzeitig – es ist genau 12.45 Uhr – ruft Andi W.s Begleiterin sofort die Bergwacht an. Mit zwei Hubschraubern starten die Helfer, um Andi W. aus seinem eisigen Gefängnis zu befreien.

Josef Thomae ist als erster Mann der Bergwacht vor Ort. Sofort lässt er sich mit einem Notarzt in die 50 Meter tiefe Höhle abseilen. Kurz unterhalb der Öffnung weitet sich die Doline zu einem riesigen unterirdischen Dom aus. Es ist stockdunkel und totenstill. Die Retter sind auf sich allein gestellt. „In den langen Minuten, die das Abseilen dauert, gehen einem die schlimmsten Gedanken durch den Kopf. Ich habe gedacht: So einen Sturz kann niemand überleben“, erinnert sich Josef Thomae. Dann erreichen die Helfer endlich den Höhlenboden, machen sich sofort daran, den Verschütteten zu suchen. Wie wild beginnen sie zu graben.

Rettung aus dem Karst-Trichter

Rettung aus dem Karst-Trichter

Vier Meter tiefer hört auch Andi W. die hektischen Schritte der Retter über sich: „Es war wie eine Erlösung. Plötzlich gab es wieder Hoffnung für mich. Also begann ich so laut wie möglich zu schreien.“ Sein Glück: In der Stille der Doline hören ihn die Helfer sofort und beginnen dort zu graben, wo die Schreie herkommen.

Nach fünf Minuten liegt der Kopf frei, wenig später ist Andi W. aus seinem Gefängnis befreit. Der 47-jährige Bayer kann sich an den Moment genau erinnern: „Der Anblick der Bergretter war der schönste in meinem ganzen Leben. Ich war so überwältigt, dass ich nur noch sagen konnte: Sakrament – ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, euch zu sehen.“

Sofort wird der Lehrer in das nahe gelegene Unfallkrankenhaus in Salzburg gebracht. Dort stellt man mehrere gebrochene Rippen und eine Schnittverletzung am Kopf fest. Josef Thomae ist überzeugt: „Bei diesem Sturz über 50 Meter ist es ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist. Andi W. hätte tot sein können.“ Dabei gilt der Edelweißlahnerkopf als sicher und ist bei Tourengehern in der Region sehr beliebt. Alois Resch von der Bergwacht Ramsau erklärt: „Viele kommen auf den Berg, um die Landschaft zu genießen. Solange ich mich erinnern kann, hat es hier noch nie so einen Unfall gegeben.“

Von zukünftigen Skitouren will sich Andi W. aber trotz seines schrecklichen Unfalls nicht abhalten lassen: „Dafür liebe ich die Zeit in der Natur einfach viel zu sehr. Ich werde halt in Zukunft besser aufpassen.“ Und noch eins ist ihm ganz wichtig: „Ich möchte mich hier auch bei der Bergwacht Ramsau herzlich bedanken: Jungs, ihr habt mir das Leben gerettet. Das vergess’ ich euch nie!“

Christoph Lang

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