Gestörtes Idyll: Der Tourismus-Verband ist (fast) insolvent.

Ministerium dreht Geldhahn zu

Tourismus-Verband steht kurz vor der Pleite

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  • Philipp Vetter
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München - Schock für die Fremdenverkehrsbranche: Der Tourismusverband München-Oberbayern steht vor der Pleite. Nur noch Nothilfe kann den Verband retten. Schuld ist internes Missmanagement.

Den Brief zieren vier Ausrufezeichen, dazu der Eil-Hinweis „Bitte sofort vorlegen“. In höchster Not hat Christoph Hillenbrand am Montag zur Sondersitzung geladen. Der Vorsitzende des Tourismusverbands München-Oberbayern steht vor einem Scherbenhaufen: Ohne sofortige Hilfe ist sein Verband in Kürze insolvent.

Wegen massiver Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Fördermitteln wurde die Geschäftsführerin entlassen, die Justiz ermittelt. Seit einer Woche muss jede Fördermaßnahme des Verbands erneut geprüft werden. Bis zum Abschluss der Prüfung hat das Wirtschaftsministerium komplett den Geldhahn zugedreht. Das geht aus Unterlagen hervor, die unserer Zeitung vorliegen. „Die Lage ist sehr ernst“, berichten Beteiligte. Die Ex-Geschäftsführerin habe sich wohl nicht persönlich bereichert, aber mit Fördergeldern geschlampt.

Nach Informationen unserer Zeitung fehlen bis Ende August 50 000 Euro, bis Ende Oktober sogar 250 000. Bei weit über 300 Mitgliedern, zumeist Kommunen, wäre es gut möglich, die Lücke mit einem Sonderopfer zu schließen. Sollten jedoch EU oder Freistaat missbrauchte Fördergelder zurückfordern, implodiert der Verband. Die Kommunalpolitiker, die Hillenbrand gestern zur Haupturlaubszeit in der Starnberger Schlossberghalle zusammentrommelte, erklärten sich zum Extrabeitrag bereit, wenn, so hieß es, „eine Insolvenz tatsächlich verhindert werden kann“.

Er sei zuversichtlich, dass man damit auf längere Zeit eine Illiquidität verhindern könne, sagte Hillenbrand am Abend unserer Zeitung. Er kündigte an, Ausgaben zu kürzen und mittelfristig die Strukturen des Verbands gravierend zu ändern.

Der Fremdenverkehr im Oberland läuft freilich erstmal weiter. Die Liquiditätsprobleme des Verbands mit seinem Jahresbudget von 2,9 Millionen Euro gefährden aber Marketingaktionen und die Beratung für die Betriebe.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, Thomas Steinkraus-Koch, wollte Ermittlungen seiner Behörde gegen die Geschäftsführerin gestern weder bestätigen noch dementieren. Hillenbrand sagte, man habe „die Staatsanwaltschaft und die zuständigen Stellen eingebunden wegen unkorrekter Fördermittelverwendung. Es geht hier aber nicht um unmittelbare persönliche Vorteilsnahmen“.

Das Wirtschaftsministerium äußerte sich nicht. Aus der CSU wurde die Bitte an Minister Martin Zeil (FDP) laut, zur Rettung des Verbands beizutragen – etwa durch einen etwas gelockerten Geldhahn. Der Landtagsabgeordnete Klaus Bachhuber (CSU) sagte, zum 75. Jubiläum unlängst habe Zeil den Verband „in höchsten Tönen gelobt – das sollten keine Lippenbekenntnisse bleiben“. Bachhuber warb für den Sonderbeitrag der Kommunen. Bis 23. August müsse das Geld eingegangen sein: „Das sind schicksalhafte Tage.“

Christian Deutschländer und Philipp Vetter

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