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Der Hopfensee im wunderschönen Allgäu. Immer mehr Touristen wollen Ruhe vom Alltagstress.

Letztes Jahr war ein Rekordjahr

Tourismusbilanz 2015: Stille ist der neue Luxus

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München - Noch nie kamen so viele Gäste nach Bayern, noch nie gab es so viele Übernachtungen wie in 2015. Damit dieses Jahr auch wieder ein Rekordjahr wird, setzt die Tourismus-Branche auf viel Ruhe.

Zwei kräftige Schläge und der Zapfhahn steckt fest im Fass. Das „o’zapft is“ spart sich Ilse Aigner, die bayerische Bierkönigin neben ihr nickt trotzdem anerkennend. Im Tourismus-Jahr 2016 dreht sich alles ums Bier – darum hat die Wirtschaftsministerin zur Vorstellung der Tourismus-Bilanz extra ein Augustiner-Fassl ins Ministerium bringen lassen. Mit dem Anstich will sie ein Rekordjahr einleiten. Wieder mal.

Denn auch für 2015 konnte Aigner gestern einen Gästerekord verkünden: 34,2 Millionen Gästeankünfte und 88,1 Übernachtungen in Bayern. Ein „sehr beachtliches“ Plus von 5,4 beziehungsweise 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das auch schon ein Rekordjahr war. Genau wie alle weiteren Vorjahre seit 2009.

Tourismus - ein großer Wirtschaftsfaktor

„Bayern ist Tourismusland Nummer eins in Deutschland“, sagt Aigner. Fast drei Viertel aller Übernachtungen finden nach wie vor in den Landkreisen statt. Jede vierte in einem Heilbad. „Der Tourismus ist gerade im ländlichen Raum ein großer Wirtschaftsfaktor“, sagt die Ministerin. Im Alpenraum zeigt die Statistik ein Plus von 7,6 Prozent bei den Ankünften. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist das Ankunftsplus besonders deutlich – 973 948 statt 888 552 im Vorjahr – wogegen im Landkreis Weilheim-Schongau ein leichter Rückgang um 1000 Ankünfte und knapp 4000 Übernachtungen verzeichnet wurde.

Nicht nur die ländlichen Regionen locken Urlauber, auch der Städtetourismus hat mit 5,2 Prozent mehr Ankünften und 4,5 Prozent mehr Übernachtungen kräftig zugelegt, ebenso nimmt der Campingtourismus zu (wir berichteten). Und der Urlaub auf dem Bauernhof entwickelt sich mit elf Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr zum anhaltenden Trend.

80 Prozent der Urlauber kommen aus Deutschland

Mit 80 Prozent sind die inländischen Urlauber weiterhin klar in der Mehrheit. Aber das ausländische Interesse steigt. Die meisten Gäste kommen aus den Niederlanden, Österreich und den USA nach Bayern. Bemerkenswert ist aber, dass die Zahl russischer Gäste im vergangenen Jahr massiv einbrach: 2015 kamen rund ein Drittel weniger Russen in den Freistaat als noch im Vorjahr. Ausgeglichen wurde dieses dicke Minus jedoch von deutlich mehr Urlaubsgästen aus China. In China und den Golfstaaten sieht Klaus Holetschek, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäderverbands, noch weiteres Potenzial für mehr Gesundheitstourismus. Auch russische Gäste könne man trotz des Rückgangs mit den deutschen Gesundheits-Experten locken.

Als Besucher-Magnet soll sich in diesem Jahr aber vor allem ein Genussmittel erweisen. Zum Jubiläum „500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot“ will sich Bayern als Bier-Land präsentieren. Aigner ist überzeugt, dass Bier und Tourismus gut zusammenpassen: „Bier und Spazieren, Bier und Bergsteigen, Bier und Radeln – natürlich das Bier immer nachher.“ Durst willkommen.

Außerdem will die Branche mehr barrierefreie Angebote für Ältere und Menschen mit Behinderung schaffen – zumal Studien zeigen, dass jeder zweite aus dieser Gruppe bei entsprechenden Angeboten gerne öfter verreisen würde.

„Stille in wunderschönen Landschaften kostet nichts"

Zuletzt setzt Bayern auf einen weiteren Trend. „Die Stille“, sagt Martin Spantig von der Bayern Tourismus Marketing GmbH, „wird bald die Sonne bei den beliebtesten Urlaubsmotiven verdrängen.“ Im Urlaub suchen die Menschen einen Gegenentwurf zum stressigen Alltag. Für Spantig gilt die Stille schon als „neuer Luxus“. Das gute daran: „Stille in wunderschönen Landschaften kostet nichts.“ Mit Ruhe-, Gesundheits- und Wellnesstourismus könne man zudem mildere Winter und den damit ausbleibenden Ski-Tourismus kompensieren.

Die Marschroute steht also für ein weiteres Rekordjahr. Die Bestmarke der 90 Millionen Gästeübernachtungen sieht Aigner schon vor sich: „Das muss unser Ziel sein."

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