Tourismusverband ist nicht mehr zu retten

München – Das Ende mit Schrecken ist für 16 Uhr angesetzt. Im Maximiliansaal der Regierung von Oberbayern treffen sich heute die Mitglieder des Tourismusverbands für München und Oberbayern, um über die Insolvenz zu beraten.

Nach Informationen unserer Zeitung ist der Verband nicht mehr zu retten. Er muss abgewickelt und neu gegründet werden.

Offiziell heißt es bei der Interims-Geschäftsführung, man wolle keiner Gremiensitzung vorgreifen. Die Lage habe sich „weiter dramatisch verschärft“, schrieb aber Oberbayerns Regierungspräsident Christoph Hillenbrand am Freitag an die Mitglieder. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Verbands und muss in dieser Funktion über die Einleitung des Insolvenzverfahrens entscheiden. Der weiteren Finanzplanung sei „die Grundlage entzogen“.

Das Debakel des Tourismusverbands begann im Sommer. Da flog auf, dass die Geschäftsführerin offenbar staatliche Zuschüsse falsch genutzt hatte. Folgen: Kündigung, Strafanzeige, Ermittlungen der Justiz, totaler Förderstopp des Staates und Untersuchung aller bisherigen Vorgänge durch die Behörden. Mit einem Sonderopfer von 250 000 Euro sollten die Mitglieder (darunter viele Kommunen, auch die Stadt München) den Engpass überbrücken. Sie zahlten und retteten den Verband kurzfristig. Nun aber zeichnet sich ab, dass die Prüfung weit länger dauern wird. Das Geld – 100 000 Euro sind laut Insidern noch übrig – wird nicht reichen. Der Plan ist, den alten Verband zu beerdigen und einen neuen zu gründen.

Hinter den Kulissen ist von erheblichem Unmut einiger Mitglieder zu hören. Auch gibt es Ärger über die Konstruktion, dass Hillenbrand die Mängel weder als Regierungspräsident noch als Vereinschef (er hatte sich also selbst zu kontrollieren) rechtzeitig bemerkte. Erst Anfang Juli hat der Regierungspräsident die Aufsichtsfunktion einem Stellvertreter übertragen. Offen ist, ob er nun haftet.

„Das ist ein Laden von CSU-Honoratioren“, sagte der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Martin Runge: „Was sie im Großen mit der Landesbank machen, tun sie im Kleinen mit dem Verband – mit Geld umgehen, obwohl sie es nicht können“.

Für den Neuaufbau kursieren nun verschiedene Modelle. Favorisiert wird offenbar, das bisherige Gebiet beizubehalten. Der Hotel- und Gaststättenverband regt hingegen eine Vierteilung an: etwa in Regionen wie Tegernsee-Königssee, München plus Starnberger See, Oberland und den Norden Oberbayerns.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dpa

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